Asylheime erstatten täglich Rapport

11.11.2015 • 17:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dieses Formular müssen Asylheime täglich an die BH schicken.
Dieses Formular müssen Asylheime täglich an die BH schicken.

Seit 27. Oktober müssen Asylheime über
die Gesundheit ihrer Bewohner berichten.

Bregenz. Ansteckende Krankheiten + viele Menschen auf engem Raum = schlechte Kombination. Eine einfache Formel, die in Vorarlberg nun stärkere Beachtung findet. Asylwerberquartiere ab 25 Bewohnern müssen seit dem 27. Oktober täglich berichten, ob jemand an bestimmten Symptomen leidet. Es ist als Vorsorge gedacht, damit
die Bezirkshauptmannschaft (BH) im Notfall schneller reagieren könnte. Notfall heißt: falls die Symptome auf eine schwere, ansteckende Krankheit hindeuten. Das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, betonen die Verantwortlichen. Passiert sei bisher nichts. Hautausschlag, Parasiten, Lähmung, Durchfall – das sind beispielsweise solche Symptome und vier der elf Punkte, die auf einem Formular mit dem Titel „Schnellbeurteilung für ansteckende Infektionserkrankungen durch den Laien“ aufscheinen. Der beschreibende Laie könnte zum Beispiel ein Sozialarbeiter, ein Flüchtlingsbetreuer oder sonstiger Mitarbeiter einer Asylunterkunft sein. Seit dem 27. Oktober muss dieser Laie täglich, bis zwölf Uhr mittags, das Formular an die jeweilige BH schicken; per Mail oder Fax, auch Leermeldungen sind möglich. Der Amtsarzt sammelt die Meldungen und reagiert gegebenenfalls.

Alle zufrieden

Geplant ist diese Maßnahme schon länger, die VN berichteten. Die zuständige Bundesstelle wollte das zunächst nur für die Erstaufnahmezentren wie Traiskirchen oder Thalham. Ein solches gibt es in Vorarlberg allerdings nicht. Landesrat Christian Bernhard (51, ÖVP) setzte sich dennoch mit Vertretern der Betreuungsorganisationen und der Landessanitätsdirektion zusammen, um ein ähnliches Modell für Vorarlberg zu erarbeiten. Mit dem Ergebnis sind alle zufrieden. Der Landesrat zum Beispiel: „Es funktioniert gut. Am Anfang mussten wir ein paar Mal nachtelefonieren, aber jetzt klappt es. Ein nächster Schritt wäre, auch die kleineren Einrichtungen dazuzunehmen. Aber wir sehen uns das jetzt einmal ein paar Monate an.“

Die Caritas Vorarlberg betreibt aktuell 28 Heime, die betroffen sind. Quartiere in Frastanz, Thüringen und Sonntag sind noch nicht bezogen, also noch nicht mitgezählt. Dazu kommen drei Heime, die vom Privatunternehmen ORS betreut werden, und eines des Roten Kreuzes. Bernd Klisch (52), Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe, kann mit dem neuen System leben: „Wir haben einen gangbaren Weg gefunden. Zunächst waren Heime ab 20 Bewohnern geplant, der Kompromiss lautet 25. Das ist besser administrierbar.“ Dass Leermeldungen möglich sind, erleichtere die Arbeit: „Wir müssen nicht gleich jeden Schnupfen melden.“ Wolfgang Grabher (51), Leiter der Landessanitätsdirektion, erklärt: „Ein Laie kann die Krankheit nicht erkennen, aber Symptome. Und diese deuten natürlich auf mögliche Krankheiten hin.“ Auf dem Formular steht eine Kontaktperson, falls der Amtsarzt nachfragen muss. Zum Beispiel, ob im Krankheitsfall schon ein Arzt kontaktiert wurde.

Der Verwaltungsaufwand verteilt sich auf vier Bezirkshauptmannschaften, das sind rund acht Heime pro BH.

Am Anfang mussten wir ein paar Mal nachtele­fonieren.

Christian Bernhard