Rhesi braucht eine Mehrheit

Vorarlberg / 12.11.2015 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Das Hochwasserschutzprojekt wurde den Gemeinden präsentiert. Noch sind Fragen offen.

Dornbirn. (VN-hk) Kommunikation, Information, Diskussion: Bei der Entwicklung des Hochwasserschutzprojekts Rhesi (=Rhein, Erholung, Sicherheit) hat man sich nach anfänglichen Konflikten wegen mangelnder Miteinbeziehung von Betroffenen der Transparenz verschrieben. Regelmäßige Werkstattgespräche sollen dazu beitragen, den aktuellen Planungsstand zu präsentieren und zu diskutieren.

Trinkwasserbrunnen

Genau das geschah kürzlich in Dornbirn. Klar ist: Es werden den Vertretern von 15 Anrainergemeinden und 25 potenziellen Überflutungskommunen keine Varianten mehr präsentiert, sondern nur noch aktuelle Planungsstände. Umsetzbare Anliegen sollen dabei in der aktuellen Planung gleich mitberücksichtigt werden. Und auch wenn sich ein Projekt nach dem bereits vorgestellten Trittsteinkonzept – die VN berichteten – immer stärker als mehrheitlich akzeptiert herauskristallisiert, bleiben offene Punkte. „Dazu zählen die vorgesehenen Damm­abrückungen im Bereich der Frutzmündung, bei Diepolds­au und im Abschnitt Hard/Fußach. Noch nicht geklärt ist auch die Standortfrage bei den Trinkwasserbrunnen zwischen Widnau und Höchst“, betont Projektleiter Markus Mähr (41).

Dammabrückungen

Für die VN erläutert Mähr die Probleme im Detail. „Im Bereich der Frutzmündung hätten wir eine Rückversetzung des äußeren Dammes um 150 Meter Richtung Siedlungsgebiet vorgesehen. Das kollidiert mit Interessen der Landwirtschaft in Koblach. Ebenso 150 Meter betrüge die Dammabrückung in Diepoldsau, 50 Meter im Abschnitt Hard/Fußach. Auch in diesen Bereichen wären landwirtschaftliche Flächen betroffen. Wir müssen diese Fragen bis zum kommenden Jahr klären.“

Lösungen müssen auch in der Frage der Trinkbrunnen im Bereich Widnau/Höchst gefunden werden. Dort stehen zwei Brunnen bei Lustenau zur Disposition, drei Brunnen in Au und zwei in St. Margreten. „Wir sind dabei, alternative Standorte zu prüfen. Klar ist: Auch wenn die Zahl der Brunnen reduziert wird, brauchen wir dieselbe Wasserleistung wie vorher. Das heißt: Weniger Brunnen müssten gleich viel Wasser bereitstellen können wie das jetzige System“, erklärt Mähr. 

Bis April 2016 will die Gemeinsame Rheinkommission (GRK) die definitiven Planungsvorhaben für das generelle Projekt fixieren. Dabei gilt es, die teilweise unterschiedlichen Ansichten aus dem Weg zu räumen und den Austausch zwischen Behörden und Akteuren auf der einen Seite und den Technikern und Planern auf der anderen Seite noch einmal zu intensivieren.

600 Millionen Euro

„Die mehrheitliche Akzeptanz der Planungsvorgaben für das Projekt muss gegeben sein“, betont der Schweizer Bundesvertreter Hans Peter Willi und zeigt gleichzeitig die Konsequenzen auf, sollte das nicht gelingen. „Kein bewilligungsfähiges Projekt bedeutet: Keine Staatsvertragsverhandlungen und dann auch keine Finanzierung.“

Sollte die weitere Entwicklung von Rhesi planmäßig fortschreiten, könnte der Baustart im Jahr 2020 erfolgen. Geplante Bauzeit: 20 Jahre. Die Gesamtkosten betragen 600 Millionen Euro und werden von Österreich und der Schweiz getragen.

Wir wollen die letzten offenen Fragen zu Rhesi bis im kommenden Frühjahr beantwortet haben.

Markus Mähr