284 Asylunterkünfte in Vorarlberg sind privat

Von 536 Asylquartieren sind 284 privat organisiert. Die Caritas betreut 244 Quartiere.
Schwarzach. Es gibt Asylquartiere in Tennishallen, es gibt sie in ehemaligen Bürogebäuden, in Gasthöfen, in Fabrikshallen, in Wohnheimen, in einer früheren Diskothek. Die meisten werden von der Caritas betreut und organisiert, derzeit 219 Kleinquartiere und 25 Quartiere mit über 25 Bewohnern. Daneben ist die private Betreuungsfirma ORS aktiv, die für fünf Großquartiere verantwortlich ist. Das Rote Kreuz betreut ein Wohnheim in Hard, das Institut für Sozialdienste (IfS) zwei Quartiere für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Allerdings können auch Privatpersonen Zimmer direkt an Asylwerber vergeben. Das passiert in Vorarlberg nicht zu knapp. Laut Auskunft des Büros von Landesrat Erich Schwärzler (62, ÖVP) existieren 284 private Asylquartiere.
„Ein bisschen nervöser“
Eines dieser Quartiere gehört Manfred Felder und Sabine Dorner. Im Jänner 2015 öffneten sie ihren Gasthof „Goldener Adler“ in Hittisau für Flüchtlinge. Die VN berichteten darüber. Mittlerweile haben die acht Bewohner von damals Asyl bekommen und eine Unterkunft gefunden. Neun neue Asylwerber leben jetzt im Adler. Selbes Haus, Bewohner aus den gleichen Ländern, dennoch ist die Situation anders.
Rund 3650 Asylwerber befinden sich aktuell in Vorarlberg. Alle warten auf einen Bescheid, und das kann dauern. Im Durchschnitt acht bis neun Monate. Ein Umstand, der sich auf die Bewohner in Hittisau auswirkt, erklärt Felder: „Unter den Irakern spricht sich herum, dass wenige einen positiven Bescheid bekommen. Die Menschen warten und sind zum Nichtstun verdonnert. Vor einem Jahr hatten die Bewohner immer einen nächsten Schritt vor Augen.“ Auch die Euphorie sei zurückgegangen, syrische Abende gibt es nicht mehr. Einerseits sei das Interesse nicht da, Sabine Dorner ergänzt: „Unter den Bewohnern sind einfach keine begeisterten Köche.“ Die Hilfsbereitschaft sei aber weiterhin groß. Ein Freiwilligentrupp organisiert Deutschkurse, die eigentlich Deutschbegleitung heißen. Ein „Kurs“ braucht eine extra dafür ausgebildete Leitung.
Zwei der Protagonisten des VN-Berichts über den Goldenen Adler waren die Brüder Khalil und Yesan aus Aleppo. Sie wohnen mittlerweile mit ihrer Familie in einer Hittisauer Wohnung und haben einen Job gefunden. Zwei weitere ehemalige Bewohner arbeiten geringfügig.
Die 284 Privatquartiere sind laut Sonja Troger, Flüchtlingskoordinatorin des Landes, über ganz Vorarlberg verteilt, hauptsächlich in den Ballungszentren. In manchen wohnen zehn Personen, in manchen nur eine: Auch wenn ein Asylwerber bei Freunden unterkommt, zählt das als Quartier. Insgesamt gibt es in Vorarlberg mit Stand 15. Februar 536 Quartiere in 85 Gemeinden.