Unsere Gesundheit kostet Millionen
Die Gebietskrankenkasse gab 2015 über eine halbe Milliarde Euro dafür aus.
dornbirn. Gesundheit kostet. Wie viel, darüber machen sich die wenigsten Gedanken. Der Leistungsbericht, den die Gebietskrankenkasse (GKK) jedes Jahr jedem Versicherten zukommen lässt, symbolisiert jeweils gerade einmal die Spitze des Eisbergs. In Summe gesehen gab die GKK im vergangenen Jahr für Versicherungsleistungen enorme 557,2 Millionen Euro aus. Das bedeutete eine Steigerung gegenüber 2014 um 6,6 Prozent. Das Gesamtvolumen des heimischen Sozialversicherungsträgers lag bei über einer Milliarde Euro. Preistreiber sind die Medikamente und die Spitäler. Aber auch die im Juli 2015 eingeführte Gratiszahnspange hat trotz Rumpfjahr mit 1,9 Millionen Euro schon ordentlich zu Buche geschlagen. Für heuer sind deshalb bereits 4,8 Millionen Euro veranschlagt. Zwar gibt es einen mit 80 Millionen Euro dotierten Topf, aus dem diese Aufwendungen rückerstattet werden sollen. „Ob dieses Geld für alle reicht, muss sich aber erst zeigen“, gibt sich GKK-Obmann Manfred Brunner diesbezüglich skeptisch.
Ungleiche Rechnung
Knapp 320.000 Personen waren 2015 durch die Gebietskrankenkasse versichert. Heuer sind es bereits 325.000 Versicherte und deren Angehörige. Die steigende Lebenserwartung und der medizinische Fortschritt bedingen, dass immer mehr Geld für Versicherungsleistungen benötigt wird. Auch aus diesem Grund geht die Rechnung mit der einnahmenorientierten Ausgabenpolitik nicht auf. „Wir werden die noch verfügbaren Rücklagen brauchen“, schätzt der GKK-Obmann die Lage nüchtern ein. Als Vergleich zieht er den Verwaltungsbereich her, wo die Steigerung im vergangenen Jahr bei lediglich 0,8 Prozent lagen.
Kräftig ins Geld gehen bei den Versicherungsleistungen vor allem die Medikamente. Die Kosten dafür haben 2015 den Rahmen von 100 Millionen Euro gesprengt. Erleichterung sollen Rabatte bringen, die mit der Pharmaindustrie für ganz Österreich ausverhandelt wurden. Vorarlberg würde an diesem Kuchen mit 3,9 Millionen Euro mitschneiden. Auch die Krankenhäuser ziehen kräftig Finanzmittel ab. „Die GKK steuert die Hälfte des Spitalsbudgets bei“, verdeutlicht Manfred Brunner. In diesem Zusammenhang verweist er auf die laufenden Finanzausgleichsverhandlungen, wo es auch um Mittel für die Krankenhäuser geht. Sein Appell: „Wenn die Spitäler entlastet und das Hausarztsystem gestärkt werden sollen, braucht es eine gerechte Verteilung.“
Wieder mehr Krankenstände
Einen ebenfalls dicken Posten auf der Ausgabenseite der Gebietskrankenkasse stellt das Krankengeld dar. Seine Höhe ist von der Zahl der Krankenstände abhängig. 2015 gab es 195.000 Fälle, die bei Erwerbstätigen und Arbeitslosen 1,5 Millionen Krankenstandstage nach sich zogen. Dementsprechend schnellten auch die Aufwendungen für das Krankengeld in die Höhe. Erstmals kräftig bemerkbar gemacht hat sich das sogenannte Rehabilitationsgeld, das bekanntlich anstelle der Invaliditätspension ausbezahlt wird. Hier stiegen die Ausgaben von 4,1 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 11,2 Millionen Euro im Jahr 2015. Für heuer wird eine nochmalige Zunahme erwartet. Diesen Aufwand erhält die GKK zwar von der Pensionsversicherungsanstalt ersetzt, die Leistung muss dennoch im Haushaltsvoranschlag gelistet werden. Vor diesem Hintergrund sieht Manfred Brunner beim Ausbau von Prävention, Vorsorge und Früherkennung von Krankheiten dringenden Handlungsbedarf.
Präventionsprojekt in Planung
Im Gespräch mit den VN kündigte er ein großes Präventionsprogramm für Kindergärten und Schulen an, das derzeit gemeinsam mit dem Land in Vorbereitung ist. Dabei sollen unter anderem bereits bestehende Konzepte zusammengeführt werden. Auch finanziell will die Gebietskrankenkasse in diesem Bereich vorsorgen. Von 2013 auf 2014 gab es um 11,3 Prozent mehr, von 2014 auf 2015 waren es sechs Prozent, und heuer erfolgt eine Aufstockung des Präventionsbudgets um 6,1 Prozent. Knapp 8,3 Millionen Euro investierte die GKK in die Gesundheitsfestigung und Krankheitsverhütung, in Gesundenuntersuchungen, Gesundheitsförderung und sonstige Maßnahmen. Noch etwas dürftig nehmen sich die Jugendlichen-Untersuchungen aus (122.000 Euro). Aber auch da ist die GKK daran, das Bewusstsein bei der Jugend zu schärfen.
Sollen die Hausärzte gestärkt und Spitäler entlastet werden, braucht es eine gerechte Verteilung.
Manfred Brunner