Ärzten auf die Finger schauen

Vorarlberg / 28.03.2016 • 19:53 Uhr
Auch die Tätigkeiten der niedergelassenen Ärzte sollen künftig durchleuchtet werden. Foto: apa
Auch die Tätigkeiten der niedergelassenen Ärzte sollen künftig durchleuchtet werden. Foto: apa

Auch GKK will von der Möglichkeit des Mystery Shoppings in Praxen Gebrauch machen.

Dornbirn. Die Ärztespitze poltert und will zum Verfassungsgerichtshof, wenn die Richtlinie kommt. Etwas moderater geben sich die Ärztevertreter in Vorarlberg. Wenngleich sie das „Spitzelsystem“ nicht unbedingt gutheißen, herrscht zumindest ein gewisses Maß an Verständnis dafür vor, dass die Krankenkassen die Abläufe in einer Ordination mittels Testpatienten überprüfen wollen. Aber es ist enden wollend. „Eine gute Zusammenarbeit braucht so etwas nicht“, meint etwa der Sprecher der niedergelassenen Ärzte, Burkhard Walla. GKK-Obmann Manfred Brunner hingegen sieht das Mystery Shopping bei Ärzten als Chance der qualitativen Weiterentwicklung. „Es wird sicher keine Piesackerei“, verspricht er und kündigt Gespräche mit der Ärztekammer an, um den Prüfbereich vernünftig abzustecken. Sobald die erforderlichen Richtlinien stehen, will aber auch die Gebietskrankenkasse Testpatienten auf den Weg schicken.

Genug Kontrollmöglichkeiten

Seit Jahresbeginn können Testpatienten mit eigens dafür ausgestellten falschen E-Cards die Ärzte überprüfen. Dabei sollen diese Scheinpatienten nicht nur einen eventuellen Krankenstands- oder E-Card-Betrug aufdecken, sondern auch die ärztliche Leistungsverrechnung überprüfen. Diese Maßnahme entspringt zum einen der Gesundheitsreform, zum anderen Missständen, die in Wien aufgedeckt wurden. Auf Letzterem beruht zwar das Verständnis von Burkhard Walla, nicht zuletzt, weil die Finanzierung über öffentliche Mittel erfolge. Förderlich findet er die Sache jedoch nicht. Die Kassen hätten genug Kontrollmöglichkeiten, argumentiert er. Und: „Die wissen schon sehr viel von uns“, merkt er noch an.

Graubereich gegeben

Walla verweist außerdem auf die gültige Honorarordnung, die nicht alle medizinischen Leistungen genau abbilde. „Es gibt Graubereiche, die es dem Arzt ermöglichen, im Sinne des Patienten mit der GKK abzurechnen“, sagt er. Mystery Shopping in den Ordinationen könnte das zum Nachteil der Patienten ändern, fürchtet Burkhard Walla. Dann müssten bestimmte Leistungen nämlich privat bezahlt werden. Abgesehen davon erscheint ihm der Nutzen für die Kassen gering. Walla verweist auf das Beispiel Wien, wo Scheinpatienten schon seit Längerem in Arztpraxen unterwegs sind. Dort habe sich die Kasse bislang gerade einmal 80.000 Euro erspart. Da stelle sich schon die Frage, ob der Aufwand zum Aufbau eines Spitzelwesens dafürstehe.

Geschulte Testpatienten

Was unter dem Deckmantel des Mystery Shoppings geprüft wird, kann laut Manfred Brunner die Kasse selbst festlegen. „Es wird sich auf die Einhaltung der Behandlungsqualität sowie die Korrektheit der Abrechnung beschränken“, schätzt er. Auf keinen Fall werde fieberhaft nach Kleinigkeiten gesucht, will er den Ball flach halten. Er sieht das Mystery Shopping in erster Linie als neutrale Qualitätskontrolle. Schon deshalb könne man nicht dagegen sein. Im Übrigen sei das Mystery Shopping in der Wirtschaft gang und gäbe. Auch in der GKK seien solche Leute unterwegs. Die Testpatienten werden laut Brunner vor ihrem Einsatz einer Schulung unterzogen.

Bis wann die Richtlinien kommen, die ihren Einsatz legitimieren, ist noch unklar. Der erste Entwurf wurde von der Österreichischen Ärztekammer nicht akzeptiert. Es braucht weitere Abstimmungsgespräche mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

Eine gute Zusammenarbeit braucht so etwas nicht.

Burkhard Walla, Ärztesprecher