Grimmiger Kälte die Stirn geboten

800 Schülerinnen und Schüler liefen in Feldkirch gegen Armut und für „Ma hilft“.
Feldkirch. Ringsum an den Hängen liegt Schnee. Ein scharfer Wind trägt vereinzelte Schneeflocken bis ins Tal. Die Sonne hängt schemenhaft hinter dicken Wolken. Es ist ein fürwahr ungemütlicher Mittwochvormittag. Einer, an dem einem die warme Stube eindeutig näher ist als ein kaltes Sportstadion. Trotzdem füllt sich jenes in Feldkirch-Gisingen nach und nach mit Leben. Schon zum fünften Mal steht der „Lauf gegen Armut“ auf dem Stundenplan von vier Schulen. Und alle rund 800 Schülerinnen und Schüler, die sich zur Teilnahme angemeldet haben, sind pünktlich da. Organisator Hans-Peter Schuler (58) registriert es mit Freude. Immerhin darf er damit rechnen, mit dem heurigen Stundenlauf die Marke von 100.000 Euro zu knacken. Davon profitiert seit Bestehen der Veranstaltung auch die VN-Sozialaktion „Ma hilft“, der die Hälfte des jeweiligen Spendenerlöses zukommt. Im vergangenen Jahr waren das stolze 14.000 Euro. Der andere Teil geht an das Seraphische Liebeswerk der Kapuziner, die das Geld für eigene soziale Projekte verwenden.
Im Land Gutes tun
Mit dem „Lauf gegen die Armut“ will Hans-Peter Schuler, Lehrer am Bundesgymnasium Rebberggasse in Feldkirch, in erster Linie im Land etwas Gutes bewirken. Dafür ist ihm die Unterstützung von Kollegen, vor allem jedoch der Schülerinnen und Schüler sicher. Gestern gingen die ersten und zweiten Klassen der Mittelschule Gisingen und des BG Feldkirch an den Start. Die Mittelschule Levis kam geschlossen, und auch die Sportmittelschule Satteins hatte fast alle ihre Schüler aufgeboten, um innert sechzig Minuten möglichst viele gesponserte Runden für den guten Zweck zu absolvieren. Schließlich war jede Runde bares Geld wert. Das Minimum pro Teilnehmer lag bei fünf Runden. In welchem Tempo sie gelaufen wurden, blieb den Jugendlichen überlassen. Die einen zeigten sich läuferisch besonders ambitioniert und spulten Runde um Runde ab. Andere nahmen es auf die gemütliche Tour. Doch alle trotzten sie den grimmigen Temperaturen. Einige ganz Hartgesottene traten gar im kurzen Laufdress an. Kein Wunder, dass der als Durstlöscher offerierte heiße Tee reißenden Absatz fand.
Als Thema im Unterricht
Wie auch immer, ob locker gekleidet oder dick eingemummt: Jeder machte das Beste aus der Sache, nachdem Peter Stieger, der Ortsvorsteher von Feldkirch-Gisingen, den Startschuss zum diesjährigen „Lauf gegen die Armut“ gegeben hatte. Zum Auftakt gingen an die 550 Schülerinnen und Schüler aus den Mittelschulen auf die Bahn, im zweiten Anlauf folgten dann noch 250 Gymnasiasten. In den Wochen zuvor hatten sie sich bereits im Unterricht mit der Armut und ihren Auswirkungen auseinandergesetzt. „Die Schüler sollen einen Bezug zum Thema bekommen und wissen, wofür sie sich einsetzen“, sagt Hans-Peter Schuler. Während er erzählt, tut sich plötzlich ein Stück blauer Himmel auf. Die Sonne bricht sich Bahn und schickt ein paar wärmende Strahlen zur Erde, wo sie dankbar angenommen werden.
Nach zwei Stunden haben alle gegeben, was sie konnten. Wie sich das in Spenden niederschlägt, wird in einigen Wochen feststehen. Sieger gibt es indes schon jetzt: Das sind die Schüler und Organisatoren, die Engagement zeigten, und das sind die Menschen, denen dadurch geholfen wird.

