Liebe? Geht gar nicht!
Kaum wurde das Fest ums runde Leder losgetreten, flogen auch schon Pflastersteine. Verwundert fragt sich da der Gelegenheitszaungast, weshalb Fußball so häufig mit Gewalt einhergeht. Zehntausende friedlich feiernde Fans verblassten angesichts von Hieben und Tritten. Sie entzauberten zur besten Sendezeit ein Millionenfest in Sekunden.
Warum hat der entgegengesetzte Fokus eigentlich so gar keine Chance? Zum Beispiel so: Am Dienstagnachmittag kam es in der Bregenzer Fußgängerzone zu einem Zwischenfall. Die 34-jährige Edith R. aus Koblach war eben an einen Marktstand herangetreten, um dort Gemüse einzukaufen, als ihr der 36 Jahre alte Hohenemser Heinrich S. unversehens die Hand auf die Schulter legte. Er zog sie in der Folge rasch an sich und küsste sie. Die Gemüseverkäuferin gab später zu Protokoll, dass der Zwischenfall mehrere Minuten gedauert habe. Die Folgen lassen sich noch gar nicht abschätzen; als das Paar den Stand verließ, trug Edith R. der Verkäuferin zufolge ein Lächeln in den Augen.
Natürlich würde so etwas niemals in der Zeitung stehen. Ist ja auch zu albern. Aber ersetzen sie einmal probehalber den Kuss durch Schläge und das Lächeln mit Tränen – schon erscheint ein Zeitungsbericht zwingend geboten. Die Liebe ist halt so verdammt unspektakulär. Sie hat, sofern sie nicht mit Sexualität verwechselt wird, einfach ganz schlechte Karten im täglichen Kampf um Aufmerksamkeit. Vermutlich blüht sie deshalb im Verborgenen.
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