Stunde der Sprichwörter
Als Kind hatte man diese Sprüche der Erwachsenen satt: „Der Pfarrer predigt auch nur einmal“, was übrigens durchaus ein Glück sein kann. Oder „wer net will, hot scho ghet“. Erich Honecker hat wohl fast der Schlag getroffen, als ihm Michail Gorbatschow den finalen Bruderkuss mit dem Satz vergalt: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“
Vermutlich hatte ihm das schon sein Führer in der Kommunistischen Kindergruppe in Wiebelskirchen eingebläut, wenn er zu spät zum Fahnenappell geschlichen kam.
Nein, solche Sprüche mag man nicht. Den berühmten wahren Kern darin hasst man besonders. Weil solche Weisheiten immer die waidwunde Stelle treffen. Und weil sie indirekt sagen, dass man als rechter Doofkopf wieder mal in die Vollen gelangt hat.
Deshalb ist es ganz gut, dass die meisten Briten kein Deutsch verstehen. Dann kriegen sie wenigstens die Häme nicht mit. Natürlich mutet es ein wenig seltsam an, dass sich viele Engländer erst nach dem Urnengang online über die Folgen informierten und mehr als drei Millionen nun eine neue Abstimmung verlangen. Nach dem Motto: So haben wir uns das aber nicht vorgestellt. Aber Spott ist unangebracht. Denn am häufigsten fragten die Briten vor und nach der Abstimmung bei Google einfach: Was ist die EU? Jetzt mal Hand aufs Herz, wüssten wir das so ganz genau? Und wissen wir immer, worüber wir abstimmen? Jetzt können wir uns die Folgen ansehen. In der ersten Reihe, fußfrei. Ein Lehrstück live, gewissermaßen.
Aber ob es auch so begriffen wird?
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