Diese Strategie rechnet sich
Große Unterschiede: Bei Heilbehelfen ist die Gebietskrankenkasse am günstigsten.
dornbirn. Andere Länder, andere Sitten: Dieser oft zitierte Spruch lässt sich gut auch auf die heimische Sozialversicherungslandschaft ummünzen, vor allem, wenn es um die Kosten der Kassen pro Versicherten geht. Denn die sind höchst unterschiedlich. Wie aus einer Anfragebeantwortung des Gesundheitsministeriums an die Neos hervorgeht, liegt die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) mit einem Pro-Kopf-Aufwand von 39 Euro je Versichertem am günstigsten, wiewohl sie im Österreich-Vergleich relativ großzügig in ihren Leistungen ist.
Selbstabgabe-Prinzip
Daraus abzuleiten, die Vorarlberger würden GKK-Leistungen weniger häufig in Anspruch nehmen als ihre Landsleute in den anderen Bundesländern, wie Neos-Gesundheitssprecher Gerald Loacker mutmaßt, hält GKK-Obmann Manfred Brunner allerdings für nicht zulässig. „Der geringere Aufwand resultiert aus wirtschaftlichen Maßnahmen, die von unserer Seite gesetzt wurden“, erklärt Brunner und nennt als ein Beispiel das Selbstabgabe-Prinzip. So können beispielsweise GKK-Versicherte benötigte Heilbehelfe ohne Umwege über andere Geschäfte direkt bei der Kasse beziehen.
Finanzielle Spielräume
Was die Kassen ihren Versicherten an Leistungen bieten und welche Kosten sie dafür übernehmen, legt der Hauptverband der Sozialversicherungsträger fest. Dieser Rahmen lässt auch finanzielle Spielräume offen. „Die VGKK hat im Interesse ihrer Versicherten die höchstmöglichen Beiträge ausgeschöpft“, bekräftigt Manfred Brunner. Bei der Inanspruchnahme von Leistungen liege Vorarlberg trotzdem im Bundesschnitt. Als Vergleich zieht er die Versorgung bei Hörgeräten heran. Gesamt gesehen machen die VGKK-Versicherten 4,5 Prozent aus. Der Aufwand für Hörgeräte beträgt 4,6 Prozent. Je Ohr steuert die GKK bis zu 2580 Euro bei, die Kärntner GKK hingegen nur 792 Euro. Bei Inkontinenzprodukten bezahlt die VGKK unbegrenzt, in Niederösterreich ist bei 486 Euro Schluss. Die Anpassung von orthopädischen Maßschuhen unterstützt die VGKK mit maximal 2098 Euro, die Tiroler GKK gibt lediglich 291 Euro dazu. Im vergangenen Jahr betrugen die Ausgaben der VGKK für Heilbehelfe rund 5,2 Millionen Euro. 2014 waren es noch 5,3 Millionen Euro.
Neben der Möglichkeit der Selbstabholung, einer, wie Brunner meint, speziell kundenfreundlichen Versorgungsform, setzt die GKK auf den Direkteinkauf. Durch die großen Mengen könnten ganz andere Preise lukriert werden, was die Kosten ebenfalls positiv beeinflusse. Zu den Abnehmern von Inkontinenzprodukten zählen etwa auch Pflegeheime, sodass die Bestellungen entsprechend groß ausfallen. Der dritte Punkt, den der Kassenchef bezüglich sparsamer Führung hervorhebt, ist der eigene Instandhaltungsservice. Gerade bei serviceintensiven Heilbehelfen wie Rollstühlen sei das ein wichtiger Faktor, um die Aufwendungen im Griff zu halten. Andere Kassen kaufen sich diesen Service dazu.
Personalkosten
Der Vollständigkeit halber merkt Manfred Brunner an, dass der Instandhaltungsservice auch Personalkosten bedingt, die in der von den Neos errechneten Pro-Kopf-Summe nicht enthalten sind. Laut Brunner bleibt die GKK aber auch unter Einbeziehung des Personalaufwandes am günstigsten. „Die Strategie bewährt sich“, stellt er zufrieden fest. Sie wird auch als Best-Practice-Modell gehandelt.
Durch große Mengen können wir ganz andere Preise lukrieren.
Manfred Brunner
Pro-Kopf-Aufwand
» Vorarlberger GKK: 39 Euro
» Tiroler GKK: 43 Euro
» Wiener GKK: 53 Euro
» Salzburger GKK: 54 Euro
» Steiermärkische GKK: 56 Euro
» Kärntner GKK: 56 Euro
» Burgenländische GKK: 65 Euro
» Oberösterreichische GKK: 66 Euro
» Niederösterreichische GKK:
68 Euro