Bunt und beliebig
Schnell. Das Nachrichtengeschäft muss vor allem schnell sein. Zeitnah, heißt das. Noch bebt in China die Erde, schon blinken in Müselbach die Flash-Meldungen über die Smartphones, so schnell muss das sein. Nicht vorzustellen, müsste das erst auf Papier gedruckt werden. Mensch, waren das Zeiten, als in den Redaktionen Fernschreiber ratterten und monströse Bildfunkgeräte nach Chemie duftende Schwarzweißfotos herausnudelten. Das mag man sich gar nicht mehr vorstellen.
Ja, Print ist halt anders. Alt und traditionell. Und erschreckend beständig. Menschen, die noch Zeitungen oder gar Bücher lesen, mögen das sogar. Nie schlagen sie etwas anderes auf als eine Momentaufnahme der Vergangenheit. Ganz, als hielten sie für einen Augenblick die Zeit an. Denn immer, wenn Druckerschwärze und Papier sich finden, zeitigt ein Denkprozess unweigerlich sein Ergebnis. Und zwar unumkehrbar. Es kann in dieser Form nicht zurückgenommen werden. Und wenn sich der Autor nun geirrt hat? Dann muss er damit leben. Sein Irrtum bleibt in der Welt, ganz egal, welche Weisheit er anderntags nachschiebt.
So nachtragend ist die analoge Kommunikation von gestern. Internet ist anders. Um so vieles flexibler. Oder sind Sie sich wirklich sicher, dass die Schlagzeile, die Sie vor zehn Minuten gelesen haben, noch immer gleich lautet? Vielleicht hat sich inzwischen ein neues Wort eingenistet und ein anderes verabschiedet. Sehen alle dasselbe? Oder sind da längst selektive Wahrheiten im Spiel, und ein jeder sieht nur noch, was er sehen soll? So richtig maßgeschneidert, nach Kaufkraft und persönlichen Vorlieben. Warum sollten Nachrichten auch anders verkauft werden als Musik und Videos? Digitale Medien sind Marktplätze. Sie handeln zwar, obwohl sie uns glauben machen, die Zukunft zu sein, doch nur mit der Vergangenheit. Aber eben zeitnah. Und bunt. Und bildstark. Und um so vieles beliebiger.
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