Ambulanzen im Dauerbetrieb

Vorarlberg / 13.12.2016 • 20:22 Uhr
Von Entlastung kann in den Krankenhausambulanzen noch längst keine Rede sein. Foto: vn/hofmeister
Von Entlastung kann in den Krankenhausambulanzen noch längst keine Rede sein. Foto: vn/hofmeister

Landeskrankenhäuser rechnen heuer mit über 400.000 Patientenkontakten.

Feldkirch. Viel ist von Entlastung die Rede, doch grau ist alle Theorie. Tatsächlich werden die Spitalsambulanzen weiterhin überrannt. In den Landeskrankenhäusern könnte bis Jahresende die Schallmauer von 400.000 Patientenkontakten durchbrochen werden. Denn alle verzeichnen weiterhin teils enorme Steigerungen. Einzig aus dem Stadtspital Dornbirn verlautet, dass die ambulanten Patientenzahlen seit drei Jahren wenigstens stagnieren. Primärversorgungseinheiten direkt an Spitälern, über die auch schon laut nachgedacht wurde, können nach Meinung aller aber nur die zweitbeste Lösung sein. Einhellig sind Bekenntnis und Bemühen, zuerst den niedergelassenen Bereich zu stärken und die Patientenströme dorthin umzuleiten.

Jahr der Bewährung

Große Hoffnungen setzt Gesundheitslandesrat Christian Bernhard in diesem Zusammenhang auf TEWEB, einen telefon- und webbasierten Gesundheitsservice, der im April 2017 offiziell startet, sowie auf verlängerte Öffnungszeiten bei niedergelassenen Medizinern. „Wir werden die Entwicklung genau beobachten“, räumt er dem System ein Jahr der Bewährung ein. Sollten auch diese Maßnahmen keine Entlastung in den Ambulanzen bringen, müssten eben Neustrukturierungen diskutiert werden, wobei Bernhard dann allen Denkweisen die Türen offenhalten will. Sein erklärtes Ziel: „Ich will in den Ambulanzen eine Dämpfung der Patientenzahlen erreichen.“

Für den Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK), Manfred Brunner, steht nach diversen gescheiterten Versuchen fest: „Den großen Wurf in der Ambulanzentlastung gibt es nicht.“ Zumindest räumt er jedoch TEWEB gute Chancen ein, lenkend wirken zu können. Denn dort erhalten Anrufer fachliche Auskunft über die Dringlichkeit ihres Anliegens und die in ihrem Fall beste Versorgung. In Ländern, in denen das System bereits im Einsatz ist, hat sich gezeigt, dass über 80 Prozent der Anrufer keine Notfallbehandlung benötigen. Für Primärversorgungseinheiten in Krankenhäusern hat Brunner kein Ohr. „Das wäre keine Entlastung, sondern nur eine Verschiebung von Patienten.“ Die sollten sich stattdessen im niedergelassenen Bereich gut aufgehoben fühlen.

Gespräche mit Ärzten

Gleichzeitig bestätigt Manfred Brunner Gespräche mit Vertretern der Ärztekammer zur Ausgestaltung von möglichen Primärversorgungseinheiten. Diesen stehen die niedergelassenen Ärzte bekanntlich äußerst skeptisch gegenüber. Sie fürchten in erster Linie um die wohnortnahe Versorgung und den Berufsstand des Hausarztes. „Wir führen die Diskussion im Land so, dass wir am Ende zu einem gemeinsamen Weg kommen“, lässt der GKK-Obmann diplomatisch durchblicken. „Die Patienten brauchen gute Anlaufstellen. Wo die sind, ist letztlich egal“, kommentiert der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch, die unendliche Geschichte um Entlastungsmaßnahmen für die Ambulanzen. Es gelte, die Patientensicht umfassend zu wahren und auf dieser Basis gemeinsam entsprechende Lösungen zu kreieren.

Wir führen die Diskussion im Land so, dass wir am Ende zu einem gemeinsamen Weg kommen.

Manfred Brunner

Zahlen und Fakten

Ambulanzkontakte Jänner bis September 2016
(im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum):

LKH Bludenz: 35.010 (Vorjahr: 33.482), Steigerung: 4,6 Prozent

LKH Bregenz: 79.806 (Vorjahr: 73.803), Steigerung: 8,1 Prozent

LKH Feldkirch: 132.175 (Vorjahr: 128.945), Steigerung: 2,5 Prozent

LKH Hohenems: 50.465 (Vorjahr: 49.293), Steigerung: 2,4 Prozent

LKH Rankweil: 6030 (Vorjahr: 5465), Steigerung: 10,3 Prozent

KHBG gesamt: 303.486 (Vorjahr: 290.988), Steigerung: 4,3 Prozent

Stadtspital Dornbirn: Ambulante Patienten 41.576 (Vorjahr: 51.457)