Diese Branche tritt im Land auf der Stelle

Markt / 04.03.2026 • 12:53 Uhr
Diese Branche tritt im Land auf der Stelle
Der Lebensmittelhandel sieht sich nach wie vor zu Unrecht der Inflationstreiberei geziehen – im Gegensatz zu Energiepreisen und Kosten im Tourismus sei man inflationsdämpfend. APA

Aktuelle Analyse zeigt differenziertes Bild: Nach Rückgang 2024 verzeichnet der Handel im Land 2025 nominell wieder ein leichtes Wachstum – die Situation bleibt jedoch angespannt.

Feldkirch Die Vorarlberger haben in den vergangenen Jahren gespart. Das Sparguthaben ist insgesamt gestiegen. Gestiegen ist aber auch die Unsicherheit, und die ist Gift für den Konsum. Davon kann der Vorarlberger Handel ein Lied singen – zumal auch die Schweizer Kunden deutlich zurückhaltender sind als in der Vor-Covid-Zeit. 2025 stieg zwar der Gesamtumsatz im Vorarlberger Handel nominell um 1,2 Prozent bzw. rund 130 Millionen Euro auf insgesamt 16,5 Milliarden Euro, preisbereinigt ergibt sich allerdings ein leichtes Minus von 0,3 Prozent. Die moderate Preisentwicklung im Handel (+1,5 Prozent) wirke zwar inflationsdämpfend, könne aber die reale Kaufzurückhaltung nicht vollständig kompensieren, heißt es seitens des Instituts für Österreichs Wirtschaft, welches den Handel im Land analysiert hat. “Die Zahlen zeigen klar: 2026 ist ein Jahr der Stabilisierung, aber wir sehen noch keinen echten Aufschwung. Unsere Betriebe stehen weiterhin unter Druck – insbesondere durch die verhaltene reale Kaufkraft und die angespannte Beschäftigungssituation”, erklärt Carina Pollhammer, Obfrau in der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Positiv stimme, dass einzelne Branchen und die Kfz-Wirtschaft bereits deutliche Impulse setzen. Entscheidend werde nun sein, das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten weiter zu stärken und die Rahmenbedingungen für die Handelsbetriebe zu verbessern.

Unterschiedliche Entwicklungen

Eingekauft wird dennoch: Besonders erfreulich entwickeln sich Bekleidung und Schuhe (+7,7 Prozent nominell), Elektro-, Möbel- und Heimwerkerbedarf (+6,7 Prozent) sowie Uhren und Schmuck (+6,2 Prozent). Der Lebensmitteleinzelhandel hingegen leidet weiter Not und verzeichnet ein nominelles Minus von 2,4 Prozent und real sogar 5,7 Prozent.

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Die Sprecherin des Vorarlberger Handels, Carina Pollhammer, hofft, dass der Handel im Land heuer wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommt. WKV

Auch am Arbeitsmarkt bleibt die Lage angespannt. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten im Vorarlberger Handel sinkt 2025 um 2,4 Prozent bzw. 547 Arbeitsplätze auf insgesamt 22.376 Beschäftigte. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen im Handel steigt um 7,2 Prozent auf 1691. Mit 515 gemeldeten offenen Stellen gibt es außerdem um 21,7 Prozent weniger Jobangebote als im Vorjahr.

Handel preisdämpfend

Wichtig ist der Branche nach den Irrungen und Wirrungen der Politik, darauf hinzuweisen, dass nicht der Einzel- bzw. Lebensmittelhandel die Inflation getrieben hat oder in Zukunft treibt. Diese steigt im vergangenen Jahr auf 3,6 Prozent, insbesondere ob der Steigerungen bei den Energiepreisen (+11,1 Prozent) und im Tourismus (+5,8 Prozent). Der Handel wirke weiterhin inflationsdämpfend: Die Preise im Einzelhandel steigen um moderate 1,9 Prozent, im Großhandel lediglich um 0,9 Prozent.