Kein Nikotin mehr für Junge

Vorarlberg / 02.01.2017 • 21:55 Uhr
Das Einstiegsalter entscheidet bei Jugendlichen maßgeblich über die Dauer der Raucherkarriere. vn/hartinger
Das Einstiegsalter entscheidet bei Jugendlichen maßgeblich über die Dauer der Raucherkarriere. vn/hartinger

Vorarlberg würde bei einem gesetzlichen Rauchverbot bis 18 sofort mitmachen.

schwarzach. „Bei mir rennt Sophie Karmasin mit ihrer Forderung offene Türen ein“, verdeutlicht Gesundheitslandesrat Christian Bernhard, wonach Vorarlberg ein generelles Rauchverbot für Jugendliche unter 18 Jahren unterstützen würde. Es habe sich nämlich gezeigt, dass auf dem Weg liebevoller Aufklärung nicht weiterzukommen sei. Für Landeshauptmann Markus Wallner, auch Familien- und Jugendreferent, wäre eine solche Maßnahme ebenfalls vorstellbar. Er will aber keine Placebolösung und keinen Alleingang, wie er gegenüber den VN erklärte. Der wichtigste Schritt in dieser Sache wäre seiner Ansicht nach eine Änderung des Tabakgesetzes. „Damit wäre sofort ein flächendeckendes Verbot möglich.“

Positive Signale von allen

Tatsächlich scheint Bewegung in die Sache zu kommen, zumal es laut Wallner inzwischen positive Signale aus allen Bundesländern gibt. Das Thema soll am 30. März auf die Tagesordnung der Landesjugendreferentenkonferenz gesetzt werden, eine Entscheidung könnte noch heuer fallen. Vorarlberg, das die Novelle zum Jugendgesetz demnächst in den Landtag bringt, würde ein gesetzliches Rauchverbot bis 18 Jahre dann auch im Jugendgesetz verankern.

Gelegenheiten einschränken

Weniger überzeugt von gesetzlichen Reglementierungen beim Nikotinkonsum für Junge sind Suchtexperten und Vorsorgemediziner. Supro-Geschäftsführer Andreas Prenn kritisiert, dass nicht einmal das Rauchverbot für Unter-16-Jährige wirklich kontrolliert werde. „Wer soll es dann bei den Unter-18-Jährigen tun?“, fragt er. Im Übrigen müsse sich zuerst einmal zeigen, ob das für 2018 angekündigte generelle Rauchverbot in der Gastronomie entsprechend umgesetzt werde. „Das ist die erste Maßnahme, die funktionieren muss“, betont Prenn. Vom gesundheitlichen Standpunkt aus betrachtet würde auch er ein Rauchverbot bis 18 befürworten. Vorsorgemediziner Günter Diem tut sich mit Verboten insgesamt schwer. Er bezeichnet sich als Befürworter der Verhältnisprävention. Will heißen, die Gelegenheiten, an Tabakwaren zu kommen und sie zu konsumieren, müssten drastisch eingeschränkt werden. „Das wäre der bessere Weg“, glaubt Diem. Denn nach wie vor zählt Österreich zu jenen Ländern, in denen noch immer geraucht wird, was das Zeug hält. Das gilt für Jugendliche wie für Erwachsene.

Rund 33 Prozent der Bevölkerung greifen regelmäßig zum Glimmstängel. Präventionsprojekte zeigen enden wollende Erfolge. Das räumt auch Gesundheitslandesrat Christian Bernhard ein. „Ich unterstütze den Vorstoß von Karmasin, weil alles andere keinen raschen Erfolg bringt“, führt er außerdem die Notwendigkeit an, das Gesundheitssystem finanzierbar zu halten. Das bedinge, Hauptgefahren zu eliminieren. „Trauen wir uns doch, auch einmal unpopuläre Maßnahmen zu setzen“, meint Bernhard mit Verweis auf den Umstand, dass Karmasin mit ihrer Forderung bei Parteichef Reinhold Mitterlehner schon einmal auf Granit gebissen hat. 

Maßnahmenpaket

Im Sinne der Jugendgesundheit könne ein solches Anliegen nur befürwortet werden, bekennt sich auch Markus Wallner dazu. Er forciert jedoch eine bundesweite Lösung und ein Paket von Maßnahmen. Ein Rauchverbot nur im Jugendgesetz festzuschreiben sei zu wenig. „Es braucht eine Änderung des Tabakgesetzes, eine Präventionsoffensive und die Verankerung im Jugendgesetz“, listet er die Notwendigkeiten auf. Können sich die Bundesländer einigen, will Vorarlberg auf jeden Fall mitziehen.

Je früher Jugendliche mit dem Rauchen anfangen, umso schwieriger ist es, sie davon wieder abzubringen. „Beginnt hingegen jemand erst mit 18, hört er schneller auf“, weiß Andreas Prenn. Oft würden junge Leute in dem Alter aber auch gar nicht mehr zur Zigarette greifen. Noch kommen die Jugendlichen allerdings sehr leicht an Nikotin. „Testkäufe haben speziell in den Tabaktrafiken zum Teil katastrophale Ergebnisse geliefert“, bemängelt Prenn fehlendes Bewusstsein. Es müsse alles getan werden, Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, appelliert Günter Diem. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch ein vollständiges Verkaufsverbot von Tabakprodukten in der Gastronomie und an Automaten.

Trauen wir uns doch, unpopuläre Maßnahmen zu setzen.

Christian Bernhard