Sympathien für Rauchverbot

Anhebung des Schutzalters auf 18 ist für Landtagsfraktionen kein Tabu mehr.
schwarzach. So schnell kann sich das Blatt wenden. Im vergangenen Jahr stellten sich alle Landtagsparteien noch mehr oder minder klar gegen ein Rauchverbot bis 18. Zwischenzeitlich ist diese Front gebröckelt. Lediglich die FPÖ hält an ihrer Linie fest. „Wer mit 16 wählen darf, sollte auch selbst entscheiden können, ob er raucht oder nicht“, meint Jugendsprecher Christoph Bitschi. Die gleiche Auffassung vertritt Gerald Loacker, Gesundheitssprecher der Neos im Nationalrat. „Wer mit 16 wählen geht, kann auch über eine Zigarette entscheiden“, nennt er den Vorstoß der ÖVP-Ministerin widersprüchlich. Seine Kollegin im Vorarlberger Landtag, Martina Pointner, sieht die Angelegenheit politisch zwar ähnlich. Aber: „Als Mutter befürworte ich ein Rauchverbot bis 18.“
Verbot nicht überschätzen
Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch begrüßt die beabsichtigte Anhebung des Alters für Tabakkonsum von 16 auf 18 Jahre und zeigt sich erfreut über die nun auch in Vorarlberg gegebene breite Unterstützung. Er sieht die Maßnahme aber nur als Baustein und einen von mehreren Schritten zur Senkung des Tabakkonsums. Die weitere Einschränkung der Tabakwerbung, ein Verbot von Zigarettenautomaten, ein Verbot von Tabakkonsum beim Autofahren, wenn Kinder und Jugendliche dabei sind sowie das Überprüfen des Abgabeverbots durch Testkäufe seien weitere notwendige Maßnahmen.
ÖVP-Jugendsprecher Julian Fässler reagiert eher verhalten. „Man darf die Wirkung eines Verbots nicht überschätzen“, redet er wie sein Parteichef einer österreichweiten Lösung sowie einer besseren Kontrolle der Tabakabgabe an Jugendliche das Wort. Fässler verweist auf das neue Jugendgesetz, in dem künftig auch E-Shishas und E-Zigaretten als Tabakwaren gelten. Sollte ein Rauchverbot bis 18 kommen, müsste es für diese Produkte ebenfalls gelten. „Für die Jungen muss klar sein, was erlaubt ist und was nicht“, betont er.
Regelung fürs Land
Vor einem Jahr noch zögerlich, steht die Vorarlberger SPÖ jetzt offenbar voll und ganz hinter der Karmasin-Forderung. Zumindest gilt das für Jugendsprecher Reinhold Einwallner. „Eine klare gesetzliche Linie würde die Hürde, mit dem Rauchen zu beginnen, erhöhen“, ist er überzeugt. Sorgen bereiten ihm in diesem Zusammenhang vor allem die Mädchen, bei denen die gesundheitlichen Auswirkungen des Nikotinkonsums ungleich größer seien. Einwallner hält jedoch nichts davon, in dieser Frage auf den Bund zu warten: „Wenn man schon Föderalismus leben will, kann das Rauchverbot doch gleich umgesetzt werden.“ Und: „Was sich im Land regeln lässt, sollte hier geregelt werden“, setzt er nach.
Zugang erschweren
Als sinnvoll bezeichnet
auch Grünen-Jugendvertreterin Nina Tomaselli das angedachte Rauchverbot. „Sollte es kommen, braucht es aber eine professionelle Präventionsarbeit, damit die jungen Leute mit dem Verbot umgehen können“, kommentiert Tomaselli die Pläne. Elmar Herburger, Bildungssprecher der Sparte Tourismus, wiederum glaubt, dass die Anhebung des Schutzalters auf 18 durchaus einen Beitrag zur Nikotinabstinenz leisten kann. Für Suchtexperten würde der wichtigste Schritt darin bestehen, die Abgabe von Tabakwaren an Jugendliche zu verbieten und dieses Verbot restriktiv zu kontrollieren. Denn noch immer gelangen selbst unter 16-Jährige sehr leicht an Zigaretten.
Als Mutter kann ich ein Rauchverbot bis 18 nur befürworten.
Martina Pointner