Dramatischer Bergungseinsatz nach tödlichem Lawinenunfall

Vorarlberg / 15.01.2017 • 22:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Leiche wurde am Sonntag mit dem Hubschrauber geborgen.
Die Leiche wurde am Sonntag mit dem Hubschrauber geborgen.

Zweites deutsches Todesopfer bei Lawinen­abgang innerhalb von vier Tagen in Vorarlberg.

Brand. (VN-gs) Eine Eisfalltour in Brand stand am Samstagnachmittag auf dem Programm dreier Bergsteiger aus Deutschland. Vom Ortsende Brand gingen sie zunächst mit Tourenausrüstung über die Zufahrtsstraße Richtung Schattenlagant. Bei der sogenannten Gletscherbachbrücke zweigten sie Richtung Sonnenlagant ab und stiegen über freies Gelände zum Eisfall des Gletscherbachs auf.

Am Einstieg zum Gletscherfall wollte ein 38-jähriger Mann aus Überlingen Fotoaufnahmen von seinen beiden Begleitern beim Eisklettern machen. Während sich seine Begleiter, ein 33-jähriger Bergsportler aus Meßkirch und ein 36-jähriger Eiskletterer aus Singen, gegen 15 Uhr entsprechend ausrüsteten und ihre Klettergurte und Steigeisen anlegten, löste sich oberhalb der Gruppe eine Staublawine. Die Schneemassen erfassten alle drei Bergsteiger, rissen sie mehrere Hundert Meter weit mit und verschütteten sie.

Der Bergsteiger aus Meßkirch konnte sich selbst befreien und setzte einen Notruf ab. Anschließend grub er seinen Begleiter aus Singen aus. Gemeinsam gelang es ihnen anschließend mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät den etwa 80 cm tief verschütteten Bergsteiger aus Überlingen zu orten und mit bloßen Händen und einem Kletterhelm auszugraben.

Die Bergung des 38-Jährigen, der den Lawinenabgang nicht überlebt hatte, gelang gegen 16.30 Uhr, während die bereits alarmierte Suchmannschaft im Auslaufbereich des Lawinenkegels unterwegs war. Aufgrund der heiklen Lawinensituation wurde von der Einsatzleitung der Abbruch der Rettungs- und Bergeaktion beschlossen.

Gleichzeitig ist mit den beiden Eiskletterern telefonisch Kontakt aufgenommen worden. Sie wurden über den Abbruch der Rettungs- und Bergeaktion wegen das sehr hohe Lawinenrisiko informiert und zum dringenden Verlassen des gefährlichen Gebiets aufgefordert.

Zweite Staublawine

Kurz darauf ging auf die beiden Bergsteiger erneut eine Staublawine ab, wobei sie jedoch nicht verschüttet wurden. Sie stiegen dann wie vereinbart selbstständig zur Bergemannschaft ab, wurden anschließend mit dem Pistengerät nach Brand abtransportiert und aufgrund von Unterkühlung ins LKH Bludenz überstellt. Ihren toten Begleiter mussten sie aufgrund der Gefahrensituation am Unfallort zurücklassen. Zur Zeit des Unfalls und der Bergung herrschte Schneefall, bei einer Lawinenwarnstufe 3 bis 4. Am Einsatz waren die Bergrettungen Brand, Bludenz und Nenzing mit insgesamt 54 Einsatzkräften beteiligt, der Notarzthubschrauber C8, ein KID-Team, Lawinenhundeführer, Mitarbeiter der Brandner Bergbahnen mit zwei Schneegeländefahrzeugen sowie die Alpinpolizei Bludenz. Der Winterwanderweg sowie die Zufahrtsstraße zum Bereich Schattenlagant wurden durch die Lawinenkommission gesperrt. Die Bergung der Leiche des 38-jährigen Deutschen erfolgte am Sonntagnachmittag durch den Polizeihubschrauber „Libelle“.

Das Unglück ereignete sich, als die Deutschen mit einer Eisklettertour am Gletscherbach begannen. Fotos: VN
Das Unglück ereignete sich, als die Deutschen mit einer Eisklettertour am Gletscherbach begannen. Fotos: VN