Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Voll ins Schwarze

Vorarlberg / 14.03.2017 • 20:42 Uhr

Es gibt sie noch, die Welt jenseits von verweigerter Landeerlaubnis und Sprechverboten, und sie sieht eigentlich ganz behaglich aus, diese Welt, in der nicht pausenlos Fähnchen geschwenkt werden und hysterische Schreihälse mit sich überschlagender Stimme behaupten, dass sie die Mehrheit vertreten und deshalb im Recht seien.

Aber auch diese andere, recht alltägliche Welt wird von Umstürzen erschüttert. Von Revolutionären wie Mithat Gedik zum Beispiel. Der ist schuld daran, dass jetzt jeder das 800-Einwohner-Nest Sönnern in Westfalen kennt. Dort wurde Herr Gedik nämlich Schützenkönig. Bei der freiwilligen Feuerwehr war er schon. Im Klamottentauschkreis hat er auf die Kinder aufgepasst. Warum also nicht Schützenbruder? Er legte an … und traf. Das war 2014.

Drei Jahre lang hielt der erste muslimische Schützenkönig die 400.000 bundesdeutschen Schützenbrüder in Atem. Die BBC hat ihn interviewt. Alle Welt wollte das Unikum vor seinen Karren spannen: Die Freunde und Gegner von Migranten, die Hüter der Tradition und die Ritter der Moderne und der türkische Staat sowieso. Und Mithat Gedik? Der verstand die Welt nicht mehr. Er hatte ja nur schießen wollen und hat Talent bewiesen. So ein Pech!

Aber er darf seine Königswürde behalten. Nach drei Jahren haben sich Deutschlands oberste Schützenmeister nun zur Erkenntnis durchgerungen, dass keine Religion den alleinigen Anspruch aufs Schießen erheben darf.

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