Große Erfolge im Kampf gegen „Teufelskisten“

11.04.2017 • 17:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Polizist Christian Schwendinger begutachtet die Beute.
Polizist Christian Schwendinger begutachtet die Beute.

Illegalen Spielhöllen geht es an den Kragen. Knapp 100 Automaten beschlagnahmt.

Bregenz. Eine große, stillgelegte Industriehalle irgendwo im Bezirk Bregenz. Es zieht. Davor schützen auch die 91 sperrigen Objekte nicht, die schön aneinandergereiht dort ihrer Verschrottung harren. Trotz der kühlen Zugluft erwärmen sich an diesem Anblick drei Herzen: das von Polizist Christian Schwendinger und von zwei Mitarbeiterinnen der BH Bregenz. Bei den Objekten handelt es sich um beschlagnahmte Spielautomaten und Wettterminals.

Optimismus

„Seit Inkrafttreten des Wettengesetzes waren wir sehr aktiv“, bemerkt Lisa Kräutler, Polizeireferentin der Bezirkshauptmannschaft Bregenz, mit einem Lächeln. Tatsächlich herrscht erstmals Optimismus bei den Jägern der illegalen Spiel- und Wetthöllenbetreiber, die so viele Menschen ins Unglück stürzen, Anrainer belästigen und Polizisten sowie Kommunenvertreter früher oft ohnmächtig zurückließen.

„Aber jetzt ist es anders“, freut sich Christian Schwendinger. „Wir können auf gesetzlicher Grundlage aktiv gegen illegale Umtriebe vorgehen.“ Dazu zählt, wenn notwendig, das gewaltsame Eindringen in nicht genehmigte Lokale. Dazu zählt die Eindämmung der Verbreitung einschlägiger Spelunken aufgrund vorgeschriebener Abstände. Dazu zählt aber auch die Belangung der Geschäftsführer ebendieser sowie der Lokalvermieter, denen sogar die Finanzpolizei aufgrund der Mithilfe zur Steuerhinterziehung zu Leibe rücken kann.

Viel Geld im Spiel

Allein im Bezirk Bregenz beschlagnahmte die Einsatztruppe 49 nicht genehmigte Glücksspiel- und Wettautomaten. Im Bezirk Feldkirch waren es 25, in Dornbirn zehn und in Bludenz sieben. Der letzte Teil der Beute wurde am 4. April sichergestellt, die letzte Betriebsschließung gab es am letzten Märztag dieses Jahres. Wermutstropfen bei all den Erfolgen: „Es ist dies halt nur ein Bruchteil der in Betrieb befindlichen Geräte“, räumt Verwaltungsjuristin Kräutler ein.

Dass die nun gelungenen Wirkungstreffer gegen die Branche über kurz oder lang zum Ende des illegalen Glückspiels und der illegalen Wetten führen wird, glaubt Kräutler freilich nicht. „Dafür steckt zu viel Geld in diesem Geschäft. Man wird es immer wieder probieren.“ Wie viel Geld dahintersteckt, verdeutlicht Kräutlers Kollege Arnold Brunner von der BH in Bludenz. „Ein Spielautomat wirft pro Monat zwischen 10.000 und 40.000 Euro ab.“ Im ganzen Land sind Hunderte solcher Geräte in Betrieb. „Sie sind so programmiert, dass die Spieler letztlich immer verlieren“, weiß Kräutler.

„Die ganz schwarzen Schafe der illegalen Glücksspielbetreiber und Anbieter verbotener Wetten sind jene, die gar nicht erst um eine Genehmigung für ein paar legale Geräte ansuchen. Das sind die, die einfach Lokale mieten, die Fenster verkleben und drinnen alles anbieten, was illegal ist“, berichtet Polizist Schwendinger.

Die Verwaltungsstrafen für die Verwendung von illegalen Glücksspielautomaten wurden empfindlich erhöht. Pro Gerät zahlt der Verantwortliche mindestens 5000 Euro.

Heute ein Festtag

Die illegalen Glücksspielbetreiber können auch in den kommenden Monaten nicht sicher sein. „Wir werden in unseren Bemühungen ganz sicher nicht nachlassen“, bekräftigt Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler, der sich auf höchst motivierte Mitarbeiter verlassen kann. Diese sind beim Aufstöbern verbotener Lokale mit fünf bis 15 Personen unterwegs. „Da sind alle dabei, deren Zuständigkeit bei Umtrieben dieser Art betroffen sind. Das macht die Amtshandlungen einfacher“, informiert Kräutler.

Heute dürfen die Glücksspieljäger einen Festtag begehen. Bei Loacker Recycling werden mehrere „blecherne Teufelskisten“ geschreddert.

Beschlagnahmte Glücksspielautomaten und Wettterminals. Sie richten keinen Schaden mehr an.  Fotos: VN/Paulitsch
Beschlagnahmte Glücksspielautomaten und Wettterminals. Sie richten keinen Schaden mehr an. Fotos: VN/Paulitsch