Druck für mobile Hilfen steigt

Vorarlberg / 20.07.2017 • 19:45 Uhr
Die wachsende Zahl alter Menschen wird mehr denn je auf eine gute Betreuung und Pflege angewiesen sein. Foto: ap
Die wachsende Zahl alter Menschen wird mehr denn je auf eine gute Betreuung und Pflege angewiesen sein. Foto: ap

Geplante Pflegeregress-Abschaffung erfordert Stärkung der ambulanten Angebote.

Bregenz. Mit der im kommenden Jahr geplanten Abschaffung des Pflegeregresses bekommt vor allem die Stärkung der mobilen Unterstützungsangebote eine neue Dringlichkeit, soll die vom Sozialfonds ausgegebene Strategie „So viel wie möglich ambulant, so viel wie nötig stationär“ zukunftstauglich bleiben. „Krankenpflegevereine und Mobile Hilfsdienste sind flexibel und ermöglichen, dass gezielte Unterstützung vor Ort zur Verfügung steht“, verweist connexia-Geschäftsführer Martin Hebenstreit auf die steigende Bedeutung dieses Angebots. Die Weiterentwicklung von Betreuung und Pflege wird für die Plattform „Betreuungs- und Pflegenetz Vorarlberg“ aber insgesamt zu einer Herausforderung.

Eindrückliche Bilanz

Seit 16 Jahren gibt es die Plattform. Ziel ist es, Maßnahmen in enger Kooperation voranzutreiben und umzusetzen. Neben den Anbietern von Betreuungs- und Pflegediensten sind auch das Land und der Gemeindeverband in diesem Gremium vertreten. Koordiniert wird es im Auftrag des Sozialfonds von der connexia. Seit 2008 legt die Arbeitsgruppe jährlich einen Bericht vor, in dem die Leistungen und Unterstützungsangebote für Menschen mit Betreuungs- bzw. Pflegebedarf sowie deren Angehörige dargestellt sind. Auch 2016 weist eine beeindruckende Bilanz aus. Allein die Mobilen Hilfsdienste erbrachten fast 600.000 Einsatzstunden. Eine starke Steigerung verzeichnete die 24-Stunden-Betreuung, die hier vorzugsweise durch den Betreuungspool abgedeckt wird.

Erfahrung und Wissen

Die Ansprüche, die sich aufgrund der demografischen Entwicklung im Pflege- und Betreuungsbereich auftun, lassen sich wohl nur durch Zusammenarbeit bewältigen. In Vorarlberg ist es gelungen, alle damit befassten wesentlichen Einrichtungen an einen Tisch zu bringen. „Die Plattform des Betreuungs- und Pflegenetzes gewährleistet, dass die vielfältigen Erfahrungen und das umfangreiche Wissen jener, die täglich in der Betreuung und Pflege arbeiten, in die Weiterentwicklung einer bedarfsgerechten Pflege einfließen“, gibt sich Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker vom Nutzen überzeugt.

Veränderte Anforderungen

Allerdings haben sich die Herausforderungen etwa für die Mobilen Hilfsdienste schon jetzt deutlich verändert. „Neben älteren und alten Menschen werden immer mehr Personen mit anderen Problemen betreut, beispielsweise sind das vermehrt junge Menschen mit Behinderungen und Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Demenz, Depression oder Suchtverhalten“, listet Mohi-Geschäftsführerin Simone Bemetz-Kochhafen auf. Dieser Trend wird zum Anlass genommen, dem Bedarf entsprechende neue Schulungen für Mohi-Mitarbeitende anzubieten. So gibt es Informationsabende mit der Aids-Hilfe zum Thema „HIV-positiv/Aids“ oder Vorträge mit Workshops zum Thema „Kommunikation und Konfliktbewältigung bei Menschen mit Demenz“. Eine eigene Arbeitsgruppe evaluiert das Angebot ständig.

Qualitätssicherung

Der Betreuungspool Vorarlberg, der mit gut 2400 gelisteten Personenbetreuerinnen größte Anbieter von 24-Stunden-Betreuung, wiederum verzeichnet eine steigende Zahl von Klienten ohne Angehörige. Dies erfordert laut Geschäftsführerin Angela Jäger eine intensive Zusammenarbeit aller Systempartner und bringt einen wesentlich höheren Begleitungsaufwand der Beschäftigten mit sich. Beim Betreuungspool nahmen die Betreuungstage im Jahr 2016 um 14 Prozent zu.

Aktuell arbeiten die Mitglieder des Betreuungs- und Pflegenetzes gemeinsam mit dem Sozialministeriumsservice sowie der Wirtschaftskammer an Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Rahmen der 24-Stunden-Betreuung. Außerdem soll die Kurzzeitpflege weiterentwickelt werden.

Die Zahl der Klienten, die ohne Angehörige sind, steigt weiter.

Angela Jäger

Fakten zur Betreuung 2016

Case Management: 94 Gemeinden mit lokalem bzw. regionalem Case Management; 1507 Klienten wurden betreut

Hospizbewegung: 239 ehrenamtliche Begleiter leiteten 34.374 Stunden

Mobiles Palliativteam: 968 Einsätze bei 338 Patienten

Tagesbetreuung: 520 Menschen wurden in 36 Einrichtungen mit 93.841 Leistungsstunden betreut

Mobile Hilfsdienste: 2058 Helferinnen und Helfer leisteten bei 4451 Klienten 599.099 Einsatzstunden

Betreuungspool: 135.565 Betreuungstage erbracht, in 419 Haushalten 519 Personen betreut

Hauskrankenpflege: 322 Pflegefachkräfte mit 303.728 Einsatzstunden; 8323 Patienten

Mobile Kinderkrankenpflege: 3617 Leistungsstunden bei 90 Kindern und Jugendlichen, davon 42 Säuglinge, 31 Kinder bis 10 Jahre und 17 Kinder über 10 Jahre

Pflegeheime: 4025 Menschen gepflegt, davon 1045 in der Kurzzeitpflege; 51 Pflegeheime mit 2382 Plätzen