Mohi plagen Personalsorgen

Vorarlberg / 09.08.2017 • 20:59 Uhr
Mobile Hilfsdienste sind wichtig, brauchen aber deutlich bessere Rahmenbedingungen. Foto: Reuters
Mobile Hilfsdienste sind wichtig, brauchen aber deutlich bessere Rahmenbedingungen. Foto: Reuters

Im Leiblachtal müssen teilweise sogar Angehörige die Urlaubszeiten abdecken.

Feldkirch. „Wir bilden sie aus, dann sind sie weg.“ Aus den Worten von Kitty Hertnagel, Obfrau der ARGE Mobile Hilfsdienste, spricht Frustration und Verständnis. Frustration, weil die Suche nach Personal immer schwieriger wird, Verständnis, weil sie nachvollziehen kann, dass Frauen lieber in eine Anstellung gehen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Bei den Mohis ist die nämlich sehr begrenzt. Rund 500.000 Euro stellte das Land bislang zur Verfügung. Ein Tropfen auf den heißen Stein, der gerade einmal für etwa 60 Anstellungen reichte, wie Hertnagel anmerkt. Skeptisch sieht sie auch das in die „Aktion 20.000“ eingebettete Projekt „Selbstständig Leben daheim“, das in Vorarlberg in Zusammenarbeit mit dem Mohi durchgeführt wird. Es gibt fixe Beschäftigungen für die Frauen, dazu die Übernahme der Lohnkosten zumindest für die nächsten zwei Jahre. „Aber was kommt danach“, fragt Kitty Hertnagel. Eine Antwort darauf hat sie bis dato nicht erhalten.

Die Personalsituation bei den Mobilen Hilfsdiensten ist teilweise prekär. Kitty Hertnagel, Einsatzleiterin in Sulzberg, kann ein Lied davon singen. Rund um Weihnachten war der Engpass so groß, dass sie beim Bürgermeister vorstellig wurde. Das Problem: Mohi-Frauen, die eine Heimhilfeausbildung absolviert haben, finden sofort eine Fixanstellung. „Und bei uns kommen kaum Frauen nach, vor allem keine jüngeren“, konstatiert Hertnagel bedauernd.

Im Sozialsprengel Leiblachtal etwa liegt der Altersschnitt der Betreuerinnen bei 50 Jahren. Dort sind die Erfahrungen mit der Personalrekrutierung ähnlich gelagert. „In guten Zeiten hatten wir 60 bis 70 Betreuerinnen, inzwischen sind es nur noch 38“, verdeutlicht Sophie Fend, Einsatzleiterin des Ambulanten Betreuungsdienstes, der im vergangenen Jahr rund 18.000 Einsatzstunden leistete. Auch mit den Anstellungen ist es nicht weit her. „Es sind nur vier“, konkretisiert Fend. Drei Frauen sind mit 40, und eine Frau ist mit 30 Prozent angestellt.

Konkurrenzsituation

Derzeit müssen mit dem knappen Personalstand gut 110 Betreuungen mit bis zu 180 Klienten in den fünf Leiblachtalgemeinden bewerkstelligt werden. Das gelinge mehr schlecht als recht. Auf der anderen Seite entstehen Wartelisten, weil die aktuellen Klienten eine kontinuierliche Betreuung verlangen. „Teilweise decken uns Angehörige die durch Urlaubszeiten entstehenden Personallücken ab“, erzählt Sophie Fend. Dabei wäre, meint sie, eine Tätigkeit beim Mohi für junge Frauen und rüstige Pensionisten attraktiv. Fend: „Es gibt eine freie Zeiteinteilung, die Entlohnung ist auch nicht schlecht, und man bekommt sehr viel von den Menschen zurück.“

Doch das scheint nicht auszureichen. „Es braucht eine höhere Förderung für die Mobilen Hilfsdienste, um mehr Fixanstellungen bieten zu können“, schlägt Philipp Graninger, Geschäftsführer des Sozialsprengels Leiblachtal, in die gleiche Kerbe wie Kitty Hertnagel. Dazu gesellt sich noch eine gewisse Konkurrenz mit der 24-Stunden-Betreuung, ausgelöst durch die vom Gemeindeverband vorgegebenen höheren Sätze für die stundenweise Betreuung. „Bei 13 Euro pro Stunde ist man schnell einmal bei der 24-Stunden-Betreuung“, sagt Hertnagel. Sie kritisiert auch den mit vier Millionen Euro relativ hohen Zuschuss des Landes zur 24-Stunden-Betreuung sowie den daraus resultierenden Abfluss an Wertschöpfung, den sie mit 32 Millionen Euro beziffert. Dabei sollte die Betreuung eigentlich im Dorf belassen werden, meint Kitty Hertnagel.

Doppelt so viel Geld nötig

Um das zu gewährleisten, bräuchten die Mohi, die rund 2000 Mitarbeiterinnen haben, aber doppelt so viel Geld. Von Landesseite heißt es, die Budgetphase sei in den verschiedenen Ressorts am Laufen. Abgewartet werden müsse auch, welche Rahmenbedingungen es vom Bund in Bezug auf den Wegfall des Pflegeregresses gebe. Das Projekt „Selbstständig Leben daheim“ wird indes als eines mit viel Potenzial bewertet, weil die Mobilen Hilfsdienste in der Betreuung von Betroffenen und in der Unterstützung von Angehörigen zwischen den stundenweisen Hilfsdiensten, die sie bisher anbieten, und der 24-Stunden-Betreuung eine Versorgungslücke schließen könnten. Kitty Hertnagel gibt sich aus Mangel an Perspektiven für danach weniger euphorisch. Jetzt muss aber erst einmal ein Konzept für den Start des Projekts ausgearbeitet werden.