Wirklich Sperrmüll?
Wie sich ein Gang zum Bauhof in einen Griff in die Wundertüte verwandelt? Ganz einfach: Machen Sie die Augen auf. Nicht reinfahren, Müll abgeben und möglichst rasch wieder raus. Dann sehen Sie nämlich das nagelneue Besteckset nicht, das neben bemalten Keramiktellern liegt, die fast alle noch ganz sind, obwohl sie jemand in aller Eile auf den Haufen geworfen hat.
Auch die vier Gartenstühle am Rand der Mulde sind unbeschädigt, sieht man von dem kleinen Kratzer am hinteren Stuhlbein mal ab.
Wie stilbewusst muss eigentlich jemand sein, der so etwas achtlos wegwirft? Oder hat die Farbe des Geschirrs nicht mehr mit dem neuen Ledersofa korrespondiert?
Die Männer vom Bauhof wissen es nicht. Sie verwalten lediglich die Güter, die man getrost als Wohlstandsmüll bezeichnen darf. Der somalische Flüchtling, der da gerade mit anderen Männern aus einem Kleintransporter steigt, hilft, neuen „Ramsch“ hierher zu bringen.
Er darf sich wohl ein paar Euro dazuverdienen. Jetzt trägt er schachtelweise Dinge auf den Müll, die offenbar niemand mehr haben will. Er sagt nichts. Aber er wird dereinst, sofern er in Vorarlberg bleiben darf, selbst einen Hausstand gründen. Dann wird er aus dem Brockenhaus seiner neuen Heimat Möbel holen dürfen, die kaum so neuwertig sein werden wie das, was andere auf den Sperrmüll werfen. Das wird er nicht verstehen. Ich versteh’ es auch nicht.
Thomas Matt
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