Der Wein von Bildstein

Vorarlberg / 15.09.2017 • 20:20 Uhr
Das Hanggrundstück in Bildstein erwies sich für den Anbau als nahezu ideal. Die Reben haben von morgens bis abends Sonne.  
Das Hanggrundstück in Bildstein erwies sich für den Anbau als nahezu ideal. Die Reben haben von morgens bis abends Sonne.  

Resistente Sorten bescherten Horst Dorner trotz Kälte im Frühjahr eine gute Ernte.

Bildstein Die Trauben glänzen wie frisch poliert. Schön sind sie und prall gefüllt mit Süße. Der Kälteeinbruch im Frühjahr, der den heimischen Obst- und Weinbauern fast alles genommen hat, konnte diesen Reben nichts anhaben. Obwohl: Auch Horst Dorner (78) bangte um seine Ernte. Zwar stellte er schon vor dreißig Jahren auf resistente Sorten um. Aber: „Man weiß trotzdem nie, welche Auswirkungen solche Wetterkapriolen haben“, meint er. Doch nun ist der Bildsteiner erleichtert. Die Weinstöcke trieben erst nach dem Frost aus und bescherten ihm eine reiche Ernte.

Es ist die erste, die Dorner als Pensionist einfährt. Vorher fand sein Wein in einer von ihm geführten Buschenschank begeisterte Abnehmer. Jetzt heißt es, neue Vertriebskanäle aufzutun und einen neuen Produktnamen zu kreieren. Wie der Wein von Bildstein heißen könnte? „Vielleicht Bibi“, merkt Host Dorner lachend an. „Bibi“ würde für „Bildstein biologisch“ stehen. Oder umgekehrt. Zeit zum Überlegen hat er noch genug. Denn der Wein geht erst im März in den Verkauf. Bis dahin soll er unter liebevoller Aufsicht zu einem edlen Tropfen reifen.

Horst Dorner war Wirt mit Leib und Seele. Dass er sich zudem der Kunst der Weinherstellung widmete, ist einer Bemerkung von niederösterreichischen Lieferanten geschuldet, die meinten, in Vorarlberg könne nie und nimmer ein guter Wein gedeihen. Das wollte Dorner so nicht stehen lassen und kniete sich hinein in die Materie. Begonnen hat er auf einem Hektar im Dornbirner Ried, wo er auch die Buschenschank betrieb. Schließlich legte er sich in Bildstein ein 30 Ar großes Hanggrundstück zu. „Ich wollte einen Pensionsschock vermeiden“, lässt er schmunzelnd eine schlüssige Begründung folgen. Der Südhang mit einer Neigung zwischen 41 und 51 Prozent erwies sich als ideal. „Die Reben haben von morgens bis abends Sonne“, erzählt Horst Dorner. Außerdem lässt er das Laub auf den Weinstöcken. Das sorgt für Wärme auch an kühleren Tagen.

1200 Weinstöcke

Gut 1200 Weinstöcke hegt und pflegt Dorner wie seine Augäpfel. Zwei Sorten weiße und zwei Sorten rote Trauben gedeihen unter seinen Händen. Die Bewirtschaftung erfolgt biologisch. „Ohne Kunstdünger und Spritzmittel“, ergänzt der Weinbauer. Er setzt während des Gärvorgangs auch kaum schwefelige Säure ein, die die Trauben krankheitsfrei halten soll. Während normalerweise bis zu fünf Schwefelladungen erforderlich sind, benötigt Horst Dorner nur eine, und zwar bei der letzten Filtration. Er setzt lieber auf Feinhefe. Auch sie hält laut Dorner alles ab, was den Trauben und damit letztlich dem Produkt schaden könnte.

Seit Montag läuft der Rebler auf Hochtouren. Kiloweise purzeln die Trauben in die Maschine. „Eine wunderbare Reife haben sie“, bemerkt Dorner zufrieden. Vor allem aber sind sie gesund. Kerngesund. Vom Rebler fallen die abgebeerten Trauben direkt in ein Gärfass, wo die Maische, je nach Sorte, einige Tage verbleibt. Dann geht es, kurz gesagt, per Lift in den Gärkeller, wo die Gärtanks stehen. In diesen kann der Wein schließlich zu dem werden, was so viele Gaumen erfreut. Horst Dorner, der mit einem Ertrag von 400 bis 500 Litern rechnet, hat dann wieder Zeit für anderes, wenigstens bis zum Frühjahr, bis zur Abfüllung. Die wird ebenso eigenes Handwerk sein wie die Etiketten, die die Flaschen zieren sollen.

Weinbauer Horst Dorner kann heuer eine reiche Ernte einfahren. Er rechnet mit einem Ertrag von einigen Hundert Litern Wein.  VN/steurer
Weinbauer Horst Dorner kann heuer eine reiche Ernte einfahren. Er rechnet mit einem Ertrag von einigen Hundert Litern Wein.  VN/steurer