Einvernehmen mit den Keimen

Vorarlberg / 29.11.2017 • 18:22 Uhr
Die weniger Guten unter den Keimen sorgen dafür, dass jetzt wieder literweise Tee und jede Menge Taschentücher gebraucht werden.apa
Die weniger Guten unter den Keimen sorgen dafür, dass jetzt wieder literweise Tee und jede Menge Taschentücher gebraucht werden.apa

Die meisten sind für Menschen unschädlich. Alltagshygiene reicht aus.

Bregenz Sie treiben es wieder ziemlich bunt, die Keime, lassen Menschen husten und schnäuzen und zwingen viele sogar mit Unwohlsein ins Bett. Das liegt aber nicht an der Jahreszeit, wie häufig angenommen wird, sondern ist dem Verhalten der Leute geschuldet. „Wenn es kalt wird, rücken wir enger zusammen, was die Übertragung von Keimen begünstigt“, erklärt der Lustenauer Allgemein- und Präventionsmediziner Günter Diem. Zur Ehrenrettung der winzigen Übeltäter sei allerdings gesagt, dass die meisten von ihnen für Menschen unschädlich sind. Einige Arten von Viren und Bakterien tun sogar gut, etwa jene im Darm, die die Verdauung unterstützen. Doch ob gut oder böse: Alltagshygiene unterstützt dabei, Keime im Zaum zu halten. „Diese wiederum hat mit Hausverstand zu tun“, sagt Dieter Buhmann, Leiter des Umweltinstituts, und meint damit, dass es keine Desinfektionsmittel braucht. Denn auch Keimkontakt sei wichtig. „Es geht ums Gleichgewicht“, betont er.

Millionenfach unterwegs

Sie tummeln sich eigentlich überall, und das millionenfach. Kaum etwas, das der Mensch benutzt oder angreift, ist gänzlich keimfrei. Hotspots sind Türklinken, Klobrillen, Einkaufswagen, Geländer, Haltegriffe und so weiter und so fort. „Keimfrei ist Illusion“, merkt Günter Diem an. Abgesehen davon verfüge der Mensch über ein gutes Immunsystem. Es ist darauf ausgerichtet, Krankheitserreger abzuwehren. Solche gibt es unter den Keimen naturgemäß auch. Oberflächenkeime beispielsweise wandern vornehmlich durch Händeschütteln und durch die Luft gewirbelte Tröpfchen von einem zum andern. Sie sind die häufigsten Gründe für Erkältungskrankheiten. Legionellen haben es in sich, wenn sie inhaliert werden. „Dann können sie eine Lungenentzündung verursachen“, begründet Diem. Auch Coli-Bakterien zählen zur eher unfreundlichen Sorte, weil sie ein Indikator für fäkalbedingte Verunreinigungen sind. Und die sind gar nicht gerne gesehen, lösen sie doch Ungemach an Magen und Darm aus.

Rund 4000 Proben jährlich

Die Kontrolle von Grenzwerten, die darauf abzielen, das Risiko von Keimbelastungen zu minimieren, obliegt dem Umweltinstitut. Pro Jahr werden rund 4000 Proben gezogen. Sie stammen von Lebensmitteln, aus Hallen- und Freibädern sowie Fließgewässern. „Wo es gefährlich werden kann, hat die Behörde hinzuschauen“, bekräftigt Dieter Buhmann. Im Herbst und Winter wird den Hallenbädern besonderes Augenmerk geschenkt. Laut Bäderverordnung heißt es vor der Benutzung eines Beckens zuerst ab in die Dusche. Der Grund: Hautabrieb verunreinigt das Wasser. Urin tut das ebenfalls, es werden damit aber keine Keime ausgeschieden. Im Übrigen verfügt Österreich über eines der strengsten Bäderhygienegesetze in Europa. „Wir haben einen sehr hohen Standard“, weiß Buhmann aus Erfahrung. Gleichzeitig stellt er klar: „100 Prozent Hygiene gibt es nicht und es braucht sie nicht.“ Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Der Körper benötigt diese Herausforderung, um sein Immunsystem immer wieder aufkeimenden Gegebenheiten anpassen zu können.

„Wo es für Menschen gefährlich werden kann, hat die Behörde hinzuschauen.“

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