Mehr Zeit für Patienten

Vorarlberg / 26.12.2017 • 19:03 Uhr
Zusätzliche Untersuchungstermine sind auch bei Hautärzten gefragt. Allerdings gilt immer, dass eine bestimmte Dringlichkeit gegeben sein muss. apa/fohringer
Zusätzliche Untersuchungstermine sind auch bei Hautärzten gefragt. Allerdings gilt immer, dass eine bestimmte Dringlichkeit gegeben sein muss. apa/fohringer

Lungenärzte ab Jänner im Terminsystem.

Dornbirn Das von der Gebietskrankenkasse (GKK) und der Ärztekammer installierte Dringlichkeitsterminsystem wächst aus den Kinderschuhen. Im heurigen Jahr kamen pro Quartal mehr als 1000 Patienten zu einer kurzfristig erforderlichen Konsultation bei einem Kassenvertragsfacharzt. Insgesamt steht ein Kontingent von 2377 Terminen zusätzlich zur Verfügung. Nun erfolgt eine Ausweitung. Ab Jänner 2018 werden auch die Lungenfachärzte einbezogen. Laut GKK-Obmann Manfred Brunner bieten die Pulmologen 100 Termine pro Quartal an.

Verbesserung bei Problemfächern

Den innerhalb des Dringlichkeits­terminsystems bestehenden Spielraum bewerten GKK und Ärztekammer positiv. „Wir lassen den Rahmen größer gesteckt, damit Allgemeinmediziner jederzeit die Möglichkeit haben, für ihre Patienten einen Termin beim Facharzt zu buchen“, sagt Burkhard Walla, Sprecher der niedergelassenen Ärzte. Ein anderer Grund liegt darin, dass sich seit Herbst die kleinen Kassen ebenfalls an diesem System beteiligen. Was Brunner und Walla noch eint, ist die Hoffnung, dass dieses Vorarlberger Spezifikum nicht der „Alle oder keiner“-Strategie der neuen Bundesregierung zum Opfer fällt.

Eingeführt wurde das Dringlichkeitsterminsystem im Oktober 2016. Damit sollte der Kritik an zu langen Wartezeiten bei Fachärzten mit Kassenvertrag der Wind aus den Segeln genommen werden. Das scheint zu gelingen. Burkhard Walla spricht von deutlichen Verbesserungen bei Problemfächern wie der Augenheilkunde, der Dermatologie und der Orthopädie. Auch die Neurologen haben ihr Terminangebot erweitert. Walla: „Wir sind gut bestückt.“ Der einzige Schwachpunkt im System ist nach wie vor die Psychiatrie. Aufgrund des Mangels an Fachärzten in diesem Bereich fiel die zusätzlich angebotene Zahl mit bislang 69 Terminen eher schmal aus. Eine Verbesserung ergab sich im dritten Quartal 2017 mit einer Aufstockung auf 105 Termine.

Orthopäden vor Internisten

Die meisten Extra-Termine stellen die Fachärzte für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (684) sowie die Internisten (622) bereit. Dahinter folgen die Hautfachärzte (450) sowie die Hals-Nasen-Ohren-Fachärzte (300), wobei die Anzahl der Termine pro Quartal leicht variieren kann. Am häufigsten gebucht werden Orthopäden und Internisten. Lagen zum Start des Systems noch die Internisten vorne, sind es jetzt die Orthopäden. Nachgefragt sind auch Termine bei HNO-Medizinern.

Gesicherte Finanzierung

Laut Manfred Brunner wird strikt auf eine gewisse Dringlichkeit geachtet. „Wir wollen weder das System noch die Ärzte unnötig überfordern“, betont er. Denn die Teilnahme ist freiwillig. Brunner freut sich über das problemlose Funktionieren. Auch die Finanzierung von jährlich 530.000 Euro bezeichnet er als gesichert. Dafür haben GKK und Ärztekammer einen Innovationstopf eingerichtet. Burkhard Walla kündigte an, die österreichweite Entwicklung im Zusammenhang mit der geplanten Zentralisierung der Kassen genau im Auge behalten zu wollen. In einem neuerlichen Schreiben wird Landeshauptmann Markus Wallner aufgefordert, sich für eine vernünftige Lösung im Sinne der Patienten in Vorarlberg einzusetzen. Gleichzeitig kündigt die Ärztekammer Widerstand an, sollten die Zentralisierungspläne nicht zurückgenommen werden. Walla: „Die Entscheidungs-, Finanz- und Vertragshoheit im Gesundheitssystem muss im Land bleiben.“

Auswertungen

Quartal 4/2016
713 von 2293 Terminen gebucht

Quartal 1/2017
1091 von 2377 Terminen gebucht

Quartal 2/2017
1034 von 2377 Terminen gebucht

Quartal 3/2107
957 von 2377 Terminen gebucht (urlaubsbedingter Rückgang)