Vor allem dankbar
Sie ist jetzt 93 und lebt noch ganz selbstständig, kocht ein wenig, sie isst ja wie ein Spatz, putzt, wäscht, kauft ein. Fast alles ohne Hilfe. An guten Tagen fährt sie Rad. Dann leuchtet ihr das Glück aus den Augen.
Niemand würde, wenn er die heutigen Maßstäbe einer westlichen Industrienation vom reichen Zuschnitt Österreichs anlegt, ihr Leben auf den ersten Blick als glücklich bezeichnen. Erzählt sie von den Anfängen, malt sie mit Worten Bilder voller Armut und harter Arbeit. Aber sie jammert nie. So war das halt früher. Sie hat mit ihrem Mann eine Familie gegründet und Kinder großgezogen. Heute ist die vielfache Groß- und Urgroßmutter in der Rückschau vor allem eines: dankbar.
So tritt sie auch dem neuen Jahr ohne die geringste Erwartungshaltung und ganz unhektisch gegenüber, mit einem Neujahrsschnäpsle in der Hand und warmherzigen Worten für jedermann, der ihr im vergangenen Jahr einmal zur Hand ging. Alles andere legt sie vertrauensvoll in die Hände desjenigen, dem sie schon ein Leben lang vertraut hat.
Thomas Matt
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