Entschieden wird von Fall zu Fall

Vorarlberg / 10.01.2018 • 18:20 Uhr
Beim Case Management können Informationen zur Pflege eingeholt werden.
Beim Case Management können Informationen zur Pflege eingeholt werden.

Künftig redet das Case Management bei Heimaufnahmen immer mit.

Bregenz Kein Heimplatz mehr ohne Beiziehung des Case Managements: Mit diesem Steuerungsinstrument hofft das Land, den nach der Abschaffung des Pflegeregresses befürchteten Druck auf die Pflegeheime abfedern zu können. Doch was heißt Case Management eigentlich? Nicht jeder kann mit diesem englischen Fachbegriff etwas anfangen. Das bestätigt auch Katharina Gstrein, die nach der Übernahme des Case Managements in Landeshand zur Koordinatorin bestellt wurde. Doch sie hat eine verständliche Antwort parat: „Case Management bedeutet Fallarbeit und ist ein Prozess, an dessen Ende eine bedarfsgerechte Hilfe für Pflegebedürftige steht, die schließlich auch umgesetzt wird.“ Damit soll eine Über- oder Unterversorgung vermieden werden. Bis auf zwei Kommunen, mit denen es aber bereits Gespräche gibt, verfügen alle Gemeinden bzw. Städte über ein örtliches oder regionales Case Management und entsprechende Vereinbarungen mit dem Land.

Gestartet wurde mit dem Case Management 2011, seit 2013 befindet es sich im Regelbetrieb, seit 2016 sind Planung und Steuerung beim Land angesiedelt. Bis dahin organisierte die connexia das Projekt. Derzeit teilen sich 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 12,5 Vollzeitstellen. Heuer erfolgt eine Aufstockung auf 15,2 Vollzeitäquivalente. Damit wird künftig eine Person für 25.000 Einwohner zuständig sein. Bisher lag die Grenze bei 30.000 Einwohnern. In die Stärkung des Case Managements investiert das Land rund 1,2 Millionen Euro, die aus Mitteln des Bundespflegefonds fließen. Damit werden hauptsächlich die Personalkosten abgedeckt. Für das Jahr 2016 weist die Statistik 1507 Klienten aus, für die eine maßgeschneiderte Unterstützung organisiert wurde. Das ergab 23.500 Einsatzstunden. „Das Case Management hat sich gut etabliert“, bestätigt Abteilungsleiter Wolfgang Oberhauser. Anfragen beim Land gebe es kaum, der Großteil spiele sich wirklich vor Ort ab.

Ausnahmen möglich

Er weiß auch, dass es bereits jetzt Regionen gibt, in denen ohne Case Management keine Pflegeheimaufnahmen mehr stattfinden. Mit dem Wegfall des Pflegeregresses wird dieses Vorgehen nun obligat. Dazu kommt, dass es unter der Pflegegeldstufe 4 keinen Heimplatz mehr geben soll, wobei Ausnahmen immer möglich sind. „Es können auch Personen mit Pflegegeldstufe 3 stark betreuungsbedürftig sein“, mildert Wolfgang Oberhauser die strenge Vorgabe etwas ab. Um den Unterstützungsbedarf beurteilen zu können, brauche es qualifizierte Kräfte in den Case Managements. Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ stehe über allem und müsse auch von allen gelebt werden.

Die flächendeckend im Land verteilten Case-Management-Stellen finden sich bei Krankenpflegevereinen, Sozialsprengeln, bei Gemeinden bzw. Städten sowie Sozialzentren. „Alle sind untereinander stark vernetzt“, sagt Katharina Gstrein. Zudem ist auf der Webseite www.betreuungundpflege.at eine Liste mit den aktuellen Case-Management-Kontakten abrufbar.

„Der Grundsatz ‚ambulant vor stationär‘ muss von allen gelebt werden.“

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