Ein Brünnele und seine schiefe Optik

16.01.2018 • 19:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Opposition in der Gemeindevertretung hat Fall für Fall dokumentiert. Die Vorwürfe gegen Bgm. Wachter wiegen schwer.steurer
Die Opposition in der Gemeindevertretung hat Fall für Fall dokumentiert. Die Vorwürfe gegen Bgm. Wachter wiegen schwer.steurer

Geschenk an Bürgermeister bringt auch Illwerke in Erklärungsnot.

vandans Im Ortsteil Ganeu oberhalb von Vandans lebt es sich gut. Die Aussicht heroben ist beneidenswert. Wer kann, hat hier ein Ferienhäuschen. Wie Bürgermeister Burkhard Wachter (63), der ein ebensolches Maisäß sein Eigen nennt. Aus einem größeren Grundstück wurden sechs kleinere mit weniger als 1000 Quadratmetern. So können Grundverkehrskommission und damit landwirtschaftliche Interessen umgangen werden, ist sich die Opposition der Montafoner Gemeinde sicher. Dass bei der Parzellierung alles mit rechten Dingen zugegangen ist, daran haben sie erhebliche Zweifel. Noch größer ist aber der Ärger über ein Brünnele, das den Vorplatz ziert, und Brennholz, das schon vor Jahren auf Wachters Anwesen gebracht wurde. Der Verdacht: Amtsmissbrauch.

Die Vorwürfe wiegen schwer. So soll der Bürgermeister über Jahre den Bauhof für private Zwecke genutzt haben. Konkret hätten Mitarbeiter dem Bürgermeister Brennholz auf sein Maisäß bringen müssen. Dort sei auch Holz gespaltet worden. Freunden wurde der Rasen gemäht und Bauhof-Mitarbeiter seien zu Hilfsdiensten bei Geburtstagsfeiern ausgerückt. In den offiziellen Stundenaufstellungen finden sich die Einsätze freilich nicht. „Das sind auch geschönte, bearbeitete Listen“, erklärt Nadine Kasper von der Liste „Grüne und Parteifreie Vandans“.

Dass die Dienste verrichtet wurden, ist dennoch dokumentiert. Die Mitarbeiter des Bauhofs hätten ihre Stundenzettel jeden Monat in der Verwaltung der Gemeinde abgegeben, erklärt eine frühere enge Mitarbeiterin des Bürgermeisters. Sie habe dann alles in eine Excel-Tabelle eingetragen.

„Holz führen für Bgm.“

„Holz führen Ganeu für Bgm., 5,5 Stunden“, „Geburtstagsfeier Willi E., 3 Stunden“, „Holzen K., 18 Stunden“: den VN liegen die Originaldokumente aus dem Jahr 2009 vor. Während in einer ersten Liste detailliert alle Arbeiten notiert sind – auch jene Brennholzlieferung auf das Maisäß des Bürgermeisters – fehlen diese in der offiziellen Auflistung. Die Arbeitsstunden wurden anderen Posten zugerechnet. Es würden für mehrere Jahre Originallisten und beschönigte Aufstellungen existieren, so die ehemalige Gemeindemitarbeiterin weiter.

Er habe Bauhofmitarbeiter sicherlich nicht missbräuchlich für sich arbeiten lassen, sagt Burkhard Wachter, seit fast 35 Jahren Bürgermeister von Vandans. Wachter räumt aber ein, wenn Mitarbeiter für ihn privat tätig waren, dann sei das auch abgerechnet und bezahlt worden. Gegen den von der Opposition erhobenen Vorwurf müsse er sich entschieden zur Wehr setzen. „Ich habe ein sauberes Gewissen.“

Gewissenskonflikt hat Wachter auch bei einem weiteren Vorwurf keinen. Stein des Anstoßes ist ein Brünnele, das mittlerweile auch die Chefetage der Illwerke beschäftigt und das ebenfalls auf seinem Maisäß steht. Dabei hätte sich, so erzählt Gemeindevertreter Armin Wachter von der Liste „An frischa Loft“, jemand ganz anderer über den Brunnentrog aus Stein freuen sollen. Gedacht sei das Schmuckstück für die Alpengenossenschaft Lün gewesen. „Als kleines Dankeschön für die Baustelle Rellstal“, will der Gemeindevertreter erfahren haben. Dass der Steinbrunnen aus Illwerke-Produktion am Ende als Geschenk beim Bürgermeister landete, hat für die Opposition eine mehr als nur schiefe Optik. Sie vermuten hinter all dem eine unerlaubte Geschenkannahme.

Wachter wehrt sich

Das Geschenk soll, auch das wurde den VN zugetragen, bereits zu Konsequenzen innerhalb der Illwerkebelegschaft geführt haben. Jener Mitarbeiter, der den Bauhof beauftragt hatte, soll abgemahnt worden sein und hatte die Kosten zu ersetzen. Bestätigt wird das auf Anfrage von den Illwerken nicht. Klargestellt wird aber, dass es „im Zusammenhang mit dieser bezahlten Dienstleistung weder eine Beauftragung durch Bgm. Burkhard Wachter gab noch ein Geschenk der Illwerke an den Bürgermeister“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. Auch Wachter selbst wehrt sich vehement gegen den Vorwurf. Vielmehr habe er den Brunnen von seinen Jagdkollegen zum 60. Geburtstag erhalten. „Auch hier habe ich ein reines Gewissen.“ Der Opposition bescheinigt er indes ein bösartiges Verhalten. „Den Boden der Seriosität und Redlichkeit sollte man nicht verlassen“, mahnt er.

Dabei kennt der Langzeitbürgermeister noch nicht einmal alle Vorwürfe. Es haben sich so viele angesammelt, dass die Fraktionen mittlerweile auch einen Misstrauensantrag in Erwägung ziehen.

„Der Prüfungsausschuss konnte nichts finden, weil geschönte Listen vorgelegt wurden.“

Burkhard Wachter (63) wehrt sich gegen die Anschuldigungen.Kuzmanovic
Burkhard Wachter (63) wehrt sich gegen die Anschuldigungen.Kuzmanovic