„War lädiert, aber nie amtsmüde“

Christian Bernhard widerspricht kursierenden Vermutungen entschieden.
bregenz Mit 489 Millionen Euro hat Gesundheitslandesrat Christian Bernhard viel Geld zu verwalten und zu verteilen. Gefordert ist er dabei speziell im Krankenhausbereich, wo in den kommenden Jahren massive Strukturveränderungen anstehen. Die will er selbst auf Schiene bringen.
Vorweg zu einem Gerücht, das sich hartnäckig hält und durch den Abgang einer Regierungskollegin noch befeuert wurde: Sind Sie amtsmüde, Herr Landesrat?
Bernhard Nein, ich war durch meinen Unfall zwar etwas lädiert, aber deswegen nie amtsmüde. Es gibt nämlich noch viel zu tun.
Dann die nächstliegendste Frage: Hatten Sie mit der neuen Gesundheitsministerin bereits Kontakt?
Bernhard Noch nicht, es wird demnächst jedoch einen Antrittsbesuch bei Beate Hartinger-Klein geben.
Wie beurteilen Sie ihre Vorhaben?
Bernhard Es gibt einige gute Gedanken und Überlegungen, aber es wurde vieles, was für den Gesundheitsbereich im Regierungsprogramm steht, missverständlich wahrgenommen. Das muss besprochen werden. Der Bund hat den Ländern diesbezüglich Einbindung zugesichert. Leider hat es mit der Raucherdiskussion etwas holperig begonnen. Ich hoffe, das ist kein schlechtes Omen.
Werden Sie beim Rauchverbot noch einmal intervenieren, oder ist diese Suppe gelöffelt?
Bernhard Wir sollten erst einmal den tatsächlichen Gesetzestext abwarten. Derzeit werden ja nur grobe Überschriften diskutiert. Es geht auch darum, ob die geplanten Maßnahmen vollzogen werden können. Was nützt ein Rauchverbot im Auto, wenn eine Kontrolle nicht möglich ist? Im Rahmen der Begutachtung und Kundmachung wird das Land seine Meinung dazu sicher noch einbringen.
Was halten Sie davon, Ärzten mit höheren Honoraren abgelegene Gebiete schmackhaft zu machen?
Bernhard Mir gefällt der Gedanke, alles in der Medizin mit Geld richten zu wollen, absolut nicht. Die Stützung von Einzelnen an der Peripherie kann außerdem auch Tücken haben, denn wer definiert letztlich, was Peripherie ist? Auf dem Land kommen wir meiner Ansicht nach mit einer guten Netzwerkarbeit eher weiter.
Wie stehen Sie zum Abbau von Selbstbehalten?
Bernhard Ich würde eher der Leistungsharmonisierung das Wort reden. Es darf dabei aber nicht über den niedrigsten Zaun gehen.
Thema Kassenfusion: Werden Sie die Forderung der Ärztekammer, was die Beibehaltung der Budget- und Planungshoheit betrifft, unterstützen?
Bernhard Ich möchte jedenfalls nicht, dass aus einer funktionierenden Kasse Geld für Dinge, die wir nicht beeinflussen können, nach Wien fließt. Wir haben mit der Vorarlberger Gebietskrankenkasse in der Zielsteuerungskommission einen sehr wertvollen Partner, mit dem wir auch gut arbeiten. Selbst wenn es zur Zusammenlegung kommt, muss die Stelle im Land schlagkräftig und stark sein. Nur Serviceleistungen zu erbringen reicht mir nicht.
Wie geht es bei den Spitalsplänen im Land weiter? Kann es sein, dass es am Ende des Tages einige Abteilungen weniger gibt?
Bernhard Das ist denkbar und sogar wahrscheinlich, aber es sind noch keine konkreten Entscheidungen gefallen. Wir werden bis 2025 jedoch das Beste aus den Empfehlungen und Vorschlägen der Gesundheit Österreich herausholen. Ich möchte, weil es da Irritationen gibt, auch klarstellen, dass niemand um seinen Job bangen muss. Wir brauchen alles, was an Ärzten und Pflegepersonal da ist. Die nötigen Schritte werden von unserer Seite behutsam gesetzt, der zeitliche Horizont ist dafür groß genug.
Welche Rolle wird das Krankenhaus Dornbirn künftig spielen?
Bernhard Das Krankenhaus Dornbirn wird selbstständig bleiben, es gibt jedoch Gespräche über eine verstärkte Kooperation mit den Landeskrankenhäusern.
Was wird sich in absehbarer Zeit an Strukturveränderungen in den Landeskrankenhäusern tun?
Bernhard Bis 2020 werden die Kooperationen zwischen Feldkirch und Bludenz ausgebaut, etwa in den Bereichen der Gynäkologie und Endoprothetik. Die chirurgischen Abteilungen wurden bekanntlich mit Jahresbeginn schon zusammengeführt. Außerdem wird die Pädiatrie im LKH Bregenz bettenmäßig verkleinert.
Krankenhausdirektoren zeigen sich immer wieder begeistert, dass das Land so viel Geld für das Gesundheitssystem lockermacht. Wie lange kann das noch gehen?
Bernhard Vermutlich so lange, wie der Gesundheitslandesrat fähig ist, den vereinbarten Kostendämpfungspfad einzuhalten und es einen Landeshauptmann gibt, der, weil selbst einmal mit diesem Ressort befasst, medizinischen Belangen äußerst zugewandt ist.
„Schritte zu Strukturveränderungen werden von unserer Seite behutsam gesetzt.“