Mehr Geld für Helfer auf vier Pfoten

Vorarlberg / 18.01.2018 • 19:53 Uhr
Herta Gächter mit Martin Staudinger vom Sozialministeriumservice und mit Assistenzhund „Tornado“, der ihr eine große Stütze ist.Gerda kondert
Herta Gächter mit Martin Staudinger vom Sozialministeriumservice und mit Assistenzhund „Tornado“, der ihr eine große Stütze ist.Gerda kondert

Höhere Förderung für Ausbildung von Assistenzhunden.

Bregenz „Tornado“, ein knapp dreijähriger schwarzer Labradorrüde, macht seinem Namen keine Ehre. Soll er auch nicht. Stattdessen führt er sein Frauchen Herta Gächter sicher durch ein Leben in Dunkelheit. Die 68-jährige Lustenauerin ist nämlich vollständig blind.

„Mit einem Hund zu laufen, ist stressfreier als mit dem Langstock“, erzählt sie. Seit 1996 vertraut Herta Gächter auf das Können von Assistenzhunden, deren Ausbildung jedoch sehr teuer ist. Inklusive Anschaffung müssen bis zu 40.000 Euro ausgelegt werden. Mit 1. Jänner 2018 hat der Sozialministeriumservice die Förderungen nicht nur kräftig erhöht, sondern auch noch ausgeweitet. „Diese Änderung bringt weitere Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen vor allem im Berufsleben und für ihre gesellschaftliche Teilhabe“, gibt sich Martin Staudinger, Landesleiter des Sozialministeriumservice, überzeugt.

Mehr Mobilität

Konkret wird die finanzielle Unterstützung für Blindenführhunde auf insgesamt rund 30.000 Euro erhöht, wenn der Helfer auf vier Pfoten für die berufliche Inklusion erforderlich ist. „Bisher wurden Kosten von bis zu 21.500 Euro übernommen“, erklärt Martin Staudinger. Zudem gibt es erstmalig eine Förderung für Signal- und Servicehunde, die ebenfalls im beruflichen Zusammenhang benötigt werden, in Höhe von bis zu 10.000 Euro. Mit bescheideneren Zuwendungen muss sich begnügen, wer nicht oder nicht mehr im Erwerbsleben steht. Herta Gächter, die 15 Jahre bei der Bezirkshauptmannschaft Bregenz gearbeitet hat und mittlerweile die Pension genießt, wie sie zufrieden anmerkt, erhielt zu den Ausbildungskosten für ihre Hunde einen Zuschuss von jeweils 5000 Euro. Doch sie nahm den hohen Selbstbehalt in Kauf, weil ein Assistenzhund für sie eine enorme Erleichterung darstellt. Keinen Hund mehr an der Seite zu haben, wäre eine große Umstellung, meint sie. Denn er bedeutet auch größtmögliche Mobilität. „Ich bin jeden Tag unterwegs“, freut sich die rüstige Dame.

Treue Begleiter

Auch ihr erster Assistenzhund „Andra“ war ein schwarzer Labrador. Fast zehn Jahre erwies sich die Hündin als treue Begleiterin. Gleiches galt für „Edy“, einen weißen Golden Retriever. „Mit ihnen konnte ich stundenlange Spaziergänge im Lustenauer Ried unternehmen“, plaudert sie aus dem Buch der Erinnerungen. Mit dem Langstock wäre das nicht möglich gewesen. 2015 musste „Edy“ aufgrund einer schweren Erkrankung eingeschläfert werden. Herta Gächter überlegte sich die Anschaffung eines neuen Führhundes lange. Dann stellte sie doch wieder einen Antrag beim Sozialministeriumservice. An „Tornado“ kam sie durch Zufall. Eine Bekannte berichtete ihr von einer Anzeige in den sozialen Medien, laut der ein qualitätsgeprüfter Führhund ein neues Zuhause suchte. Herta Gächter fuhr nach Maribor, wo sich die Schule befand, ging eine Woche mit „Tornado“ auf Tuchfühlung, nun ist Lustenau seit einem Monat seine Heimat. Auch die Prüfung, ob Frauchen und Hund zusammenpassen, meisterten beide. Schon bald geht es auch mit „Tornado“ ins Ried.

Der Grund, dass die Assistenzhundeausbildung für berufliche Zwecke besser gefördert wird, liegt laut Martin Staudinger darin, dass die finanziellen Mittel aus dem Ausgleichstaxfonds stammen und zweckgebunden für die Unterstützung der beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung verwendet werden. Ein Massenprogramm sind Assistenzhunde in Vorarlberg aber nicht. In den vergangenen zehn Jahren wurden für gerade einmal 25 Hunde Zuschüsse zur Ausbildung ausbezahlt. 

„Diese Änderungen bringen weitere Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen.“

Assistenzhundegruppen

Blindenführhunde Sie werden zur Unterstützung blinder und hochgradig sehbehinderter Menschen eingesetzt.

Signalhunde Sie werden zur Unterstützung von Menschen mit Hörbehinderung und Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Epilepsie, Diabetes und neurologischen Erkrankungen eingesetzt.

Servicehunde Sie werden zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung im Bereich der Mobilität eingesetzt.