Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Poesie der Arbeit

20.02.2018 • 18:48 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Um 6 Uhr in der Früh – die Dichter flunkern uns da was vor von wegen goldener Morgenstund’ – ist es einfach nur kalt und dunkel und irgendwie noch mitten in der Nacht, und das einzig Erhellende ist der Nachbar, der auch schon so früh raus muss.

Der steht an der Bushaltestelle und grinst wie ein Honigkuchenpferd, als machten die Schneeflocken einen weiten Bogen um ihn. Kaum im Bus, legt er schon los.

Er kann sich kaum halten, weil er nämlich Arbeit hat, die ihm Freude macht. Sie müssen einen Motor ausbauen und zerlegen und wieder zusammensetzen, irgend so was. Aber wie er das erzählt, hat fast etwas … Poetisches. „Und irgendwann starten wir die Maschine dann neu“, und er kann es gar nicht in Worte kleiden, wie er den Augenblick herbeisehnt. Muss er auch nicht. Mann sieht es ihm an.

Arbeit kann so erfüllend sein, wenn es nicht um Karriere und Positionen geht und darum, wer wichtiger ist und mehr zu sagen hat. Wenn Können und Freude im Vordergrund stehen: Dann wird sogar Technik poetisch. Morgens um sechs.

Thomas Matt

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