Verwirrung um Bahnhof Götzis und „FL.A.CH“

Vorarlberg / 22.03.2018 • 19:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Götzis (links) gehört zu den Bahnhöfen, die noch nicht modernisiert wurden. Die Strecke Lauterach - St. Margrethen könnte sich verzögern. VN/Steurer, Ver
Götzis (links) gehört zu den Bahnhöfen, die noch nicht modernisiert wurden. Die Strecke Lauterach – St. Margrethen könnte sich verzögern. VN/Steurer, Ver

Laut Gewerkschaft verzögert sich der Bahnhofsausbau.

Schwarzach Die Regierung befindet sich auf Sparkurs, zumindest in einigen Bereichen. Wie die VN berichteten, trifft es auch das Infra­strukturministerium, somit unter anderem die Bahn. Aus dem Landhaus hieß es damals, dass sich lediglich der Baustart an der Strecke St. Margrethen – Lauterach verzögern könnte. Die Gewerkschaft hat allerdings andere Pläne in die Hände bekommen, wie Reinhard Stemmer und Gerhard Flatz berichten. Der neue Entwurf des ÖBB-Rahmenplans sehe demnach vor, dass in Vorarlberg bis 2023 130,4 Millionen Euro weniger ausgegeben werden sollen als zunächst geplant. Reinhard Stemmer warnt: „Bis 2023 bleibt der Götzner Bahnhof, wie er ist, und ‚FL.A.CH.‘ ist wohl endgültig gestorben.“ Dieser Darstellung widersprechen die ÖBB auf VN-Anfrage allerdings. Landesrat Johannes Rauch möchte Details.

Reinhard Stemmer sitzt der Eisenbahnergewerkschaft Vida vor, Gerhard Flatz ist Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz. Sie haben sich eine Studie des „Economia Instituts“ im Auftrag der Industriellenvereinigung aus dem Jahr 2012 angesehen. Daraus gehe hervor, dass pro investierten 68.300 Euro ein Arbeitsplatz entsteht. Flatz fährt fort: „Wenn ich dies berücksichtige, zeigt sich, dass in Vorarlberg nun 1909 Arbeitsplätze vernichtet werden.“

Götzis gestrichen?

Laut Gewerkschaft sei das Budget für den Bahnhof Götzis von 46,7 Millionen auf 2,6 Millionen Euro gestutzt worden. „Götzis ist einer der letzten Bahnhöfe, die noch nicht ausgebaut worden sind. Er ist nicht mehr zeitgemäß, etwa was die Barrierefreiheit und die Sicherheit betrifft“, betont Stemmer. Nun sei klar, dass der Bahnhof zumindest bis 2023 nicht kommt. Die übrigen 2,6 Millionen rechnet Stemmer dem Bahnhof Altach zu. „Der ist zu klein für die neuen Züge, dort muss also etwas getan werden.“

Der österreichische Teil des Projekts „FL.A.CH“ von Feldkirch nach Liechtenstein verliert laut Gewerkschaft 89,7 Millionen Euro. Für Stemmer steht fest: „Damit ist das Projekt gestorben. Was geschieht, wenn man Planungen nach hinten schiebt, haben wir bei der Strecke Bludenz – Braz gesehen. Die ist kein Thema mehr.“ Diese Darstellung lassen die ÖBB nicht gelten. Zwar möchte Pressesprecher Christoph Gasser-Mair weder die Zahlen noch Projekte kommentieren, betont aber: „Wenn es zu Verschiebungen kommt, können diese auch außerhalb von 2023, und damit außerhalb der laufenden Rahmenplanperiode liegen.“ Und um welche Projekte geht es? Dass eigentlich nur „FL.A.CH“ und Götzis infrage kämen, kommentiert Gasser-Mair nicht. Nur so viel: „Dazu liegen mir noch keine Informationen vor. Es wurde kein Projekt gestrichen.“ Vorarlbergs zuständiger Landesrat Johannes Rauch ist dennoch gewarnt. Er reiste deshalb am Donnerstag nach Wien, um sich zu erkundigen.

Kaum vergleichbar

Den VN erklärte er am Nachmittag: „Ich weiß nicht, ob die Kürzungen stimmen. Die beiden Pläne aus dem Vorjahr und in diesem Jahr sind eigentlich nicht zu vergleichen.“ Die Rechnung zu Lauterach – St. Margrethen bestätigt Rauchs Einwand. Die Gewerkschaft sagt, dass bei diesem Vorhaben 3,4 Millionen Euro zusätzlich geplant seien. Den VN liegen beide Entwürfe vor. Im ersten sind 87,8 Millionen Euro budgetiert, im neuen 82,9 Millionen – es wäre also weniger. Allerdings werden die Beträge unterschiedlich berechnet. Rauch habe vom Ministerium eine Liste aller Pläne gefordert, die sei ihm für April versprochen worden, sagt er.

Reinhard Stemmer möchte auf Nummer sicher gehen. Er hat einen Brief an Landeshauptmann Markus Wallner verfasst, mit der Forderung, sich für die Projekte und damit für die Arbeitsplätze einzusetzen.

„Der Bahnhof Götzis ist bei der Barrierefreiheit und der Sicherheit nicht mehr zeitgemäß.“