Betriebsgebiet ruft Bauern auf den Plan

Vorarlberg / 07.05.2018 • 18:05 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Weiterer Bodenverlust für Bauern im Bereich des Flugplatzes droht, offen ist die Dimension des möglichen Vorhabens.Google earth
Weiterer Bodenverlust für Bauern im Bereich des Flugplatzes droht, offen ist die Dimension des möglichen Vorhabens.Google earth

Hohenems prüft neue Betriebsflächen aus Grünzone: Landwirte richten Appell an Bürgermeister Egger.

Hohenems Die Gerüchteküche brodelt. Seit im Oktober 2010 in der „Raumplanerischen Gesamtschau Rheintal-Mitte“ erstmals eine Fläche im Norden von Hohenems als mögliches Betriebsgebiet in einer längerfristigen Nutzung genannt wurde, reißen die Diskussionen nicht ab. Jetzt rufen die Pläne Bauern der Stadt auf den Plan. Mit der Überarbeitung des räumlichen Entwicklungskonzepts (REK), die im November des Vorjahres gestartet wurde und bis Mitte 2018 fertig sein soll, ist das Thema wieder auf dem Tisch. In einem von 28 Landwirten der Nibelungenstadt unterzeichneten Brief wird ein Appell an Bürgermeister Dieter Egger gerichtet. „Unser Anliegen ist, die Grundlagen für unsere Betriebe zu sichern. Dazu gehört der immer knapper werdende Boden“, heißt es im Schreiben,­ das den VN vorliegt. Auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters ist der Brief offensichtlich nie gelandet, wie Egger sagt. Vielmehr sei er in der Stadtplanung als Stellungnahme zum REK aufgenommen worden. Wie viele andere Anregungen werde man das Anliegen ernst nehmen, so das Stadtoberhaupt.

„Wir bestehen auf dem Verbleib unserer Äcker und Wiesen in der Art und Form, wie wir sie jetzt haben“, heißt es im gemeinsam unterzeichneten Appell. Unberechtigt dürften die Sorgen der Landwirte jedenfalls nicht sein, wie Recherchen ergeben haben. Auch Bürgermeister Egger räumt ein, dass die Flächen im Zuge der REK-Überarbeitung geprüft würden. Eine Entscheidung darüber, was dazu im räumlichen Entwicklungskonzept am Ende stehen werde, sei allerdings noch nicht gefallen. Offen scheint derzeit auch, welche Dimension das mögliche zukünftige Betriebsgebiet haben könnte.

Flächen in Grünzone

Die Überlegungen sehen einen Standort direkt an der Ortsgrenze zu Dornbirn vor. Betroffen wären Flächen in der Grünzone. Während Vizebürgermeister Bernhard Amann von Diskussionen um eine Größenordnung bis zum Flugplatz spricht, schränkt Bürgermeister Egger ein, das mögliche Betriebsgebiet wäre deutlich kleiner. Eine Ausweitung bis zum Flugplatz könne er sich jedenfalls nicht vorstellen. Vielmehr würde es sich eher um eine Erweiterung des bestehenden Dornbirner Betriebsgebiet Bobletten in Richtung Hohenems handeln. Entsprechende Gespräche auf Sachebene mit der Nachbarstadt werden bestätigt.

Für die Hohenemser Landwirte ist das einerlei. Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger, der den Egger-Brief ebenfalls unterzeichnet hat, spricht vom Anreißen einer unberührten Zone und einem wichtigen Gebiet. „Da ginge es um wertvolle zusammenhängende Flächen für die Landwirtschaft, aber auch um ein Naherholungsgebiet“, macht Moosbrugger deutlich. Wenn man eine extensive Landwirtschaft wolle, brauche es entsprechende Flächen. Die sehen die Landwirte in Hohenems in Gefahr.

Dass die Interessen der Landwirtschaft in den Planungen oftmals zu wenig gewichtet werden, sieht auch das Projekt „Rheintal-Mitte“ so. Für die langfristige Sicherstellung eines Teils der Ernährung sei das unbefriedigend, die Interessen müssten differenzierter und prominenter in die Planungen einfließen, heißt es in jenem Planungsbericht aus dem Jahr 2010, der das Gebiet an der Grenze zu Dornbirn gleichzeitig als mögliches zukünftiges Betriebsgebiet ausweist.

Vor- und Nachteile abwägen

Der Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger will sich gegenüber den VN jedenfalls nicht festlegen, wie er zum betroffenen Projekt steht. Er wolle dem REK nicht vorgreifen. Es würden alle Stellungnahmen und Anregungen Punkt für Punkt abgearbeitet. Vor- und Nachteile müssten abgewogen werden. Die Prüfungsphase laufe noch. Der Stadtchef macht allerdings auch klar, dass Hohenems im Zusammenhang mit Betriebsansiedlungen ungünstige Voraussetzungen habe. Das neue Betriebsgebiet an der Autobahn werde in absehbarer Zeit bebaut und genutzt sein. „Langfristig haben wir sicherlich zusätzlichen Bedarf“, so Egger. Da sei dann die Frage, wo ein vernünftiger Standort wäre. Natürlich seien Landschaft und Landwirtschafts­interessen dabei entsprechend zu berücksichtigen.

„Wachstum verschlingt Land“

Der Hohenemser Vizebürgermeister Bernhard Amann geht einen Schritt weiter. Für ihn kommt ein Betriebsgebiet auf den diskutieren Flächen nicht infrage. „Man kann nicht immer alles der Wirtschaft opfern.“ Die Sorgen der Landwirte könne er gut nachvollziehen.

Die Sorgen haben sie in ihrem Schreiben an die Stadt zusammengefasst. Die Bautätigkeit in Hohenems sei zuletzt nicht gerade schonend mit dem Gut „Boden“ umgegangen. „Das rasante Wachstum verschlingt unser Land“, heißt es im Appell an Egger weiter.

„Wir lassen beim REK alle Stellungnahmen einfließen – auch die der Landwirte.“

Weiterer Bodenverlust für Bauern im Bereich des Flugplatzes droht, offen ist die Dimension des möglichen Vorhabens.Google earth
Weiterer Bodenverlust für Bauern im Bereich des Flugplatzes droht, offen ist die Dimension des möglichen Vorhabens.Google earth