Dem Feuerbrand die Stirn geboten

08.05.2018 • 18:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jens Blum ist zuversichtlich, vom Feuerbrand nicht zu stark geschädigt worden zu sein. VN/Steurer
Jens Blum ist zuversichtlich, vom Feuerbrand nicht zu stark geschädigt worden zu sein. VN/Steurer

Trotz idealer Infektionsbedingungen scheint Totalschadengefahr im Obstbau gebannt.

Bregenz Es war einer der wärmsten je gemessenen April. Fast täglich sprang die Quecksilbersäule auf 25 Grad und mehr. Und das zu einer Zeit, in der Tausende Obstbäume blühten. In der Bodenseeregion läuten bei diesen Bedingungen seit über zwei Jahrzehnten die Alarmglocken: höchste Feuerbrandgefahr. Zerstörerische Bakterien vermehren sich bei diesen klimatischen Bedingungen in den Blüten der Obstfrüchte  besonders gut.

Sie taten das zum Teil auch heuer. „Aber es scheint wohl doch nicht so schlimm zu werden, wie man befürchten musste“, erlaubt sich Erwerbsobstbauer Jens Blum aus Höchst einen ersten Durchschnaufer. Blums Erkenntnis: „Dort, wo ich gar nichts behandelt habe, fiel der Befall heftig aus. Dort, wo ich Mittel verwendet habe, schaut‘s bisher gut aus. Wobei das letzte Drittel der Blüte an gefährdeten Bäumen noch einen Unsicherheitsfaktor darstellt“, berichtet Blum.

Der größte Erwerbsobstbauer hat heuer viel experimentiert. So hat er eine Birnenkultur  beregnet, bei sich zu Hause mitten in Höchst ließ er die paar dort befindlichen Bäume unbehandelt. „Und die wurden dann auch stark befallen.“ Die Beregnung der Subira-Bäume am See scheint hingegen gewirkt zu haben.

Warten auf die Äpfel

Dem Kampf gegen den Feuerbrand mussten die Obstbauern bisher fast ausschließlich mit ihren Birnbäumen führen. Die Wahrheit über den Zustand der Apfelbäume wird sich erst später offenbaren. Doch auch bei diesen ist Blum, so wie auch Ulrich Höfert, Obstbaureferent der Vorarlberger Landwirtschaftskammer, vorsichtig optimistisch. Höfert bestätigt die bisherige Bestandsaufnahme von Blum.

Zwei Kulturen in Höchst und Wolfurt, die gar nicht mit Schutzmitteln behandelt wurden, sind stark befallen. Aus Ludesch wird ein massiver Befall in zwei Anlagen mit Birnen und Äpfeln gemeldet. Heute wird Höfert die Situation im Walgau erörtern. Sein bisheriges Fazit gleicht jenem von Blum: „Dort, wo man etwas gemacht hat, gab‘s kaum Schäden. Wo nichts gemacht wurde, trat Befall auf.“

Höfert weiß, dass sich der Obstbau in der Region auch künftig Jahr für Jahr mit der Feuerbrandgefahr konfrontiert sehen wird. Sein Plädoyer: „Wir müssen es schaffen, die Zulassung wirksamer biologischer Mittel zu erreichen.“ Das Problem dabei: Firmen wollen für ein paar feuerbrandgefährdete Bäume in der Bodenseeregion nicht in aufwändige Zulassungsprozesse investieren. „Das rechnet sich für sie nicht, weil sie zu geringe Absatzmöglichkeiten für solche Produkt sehen“, zeigt Höfert das Dilemma auf.

Keines zugelassen

„Andererseits wird der Widerstand gegen Streptomycin immer größer. Und ich kann das auch verstehen. Auf Streptomycin können wir aber erst dann verzichten, wenn zugelassene alternative Mittel verlässlich auf dem Markt erhältlich sind“, fügt der Experte an. Die bisher verwendeten biologischen Mittel fallen alle unter die Kategorie Probesubstanzen. Keines ist fix zugelassen und viele waren irgendwann auch gar nicht mehr erhältlich.

Im Rahmen eines von Ex-Landesrat Erich Schwärzler initiierten Interregprojekts von 2007 bis 2011 wurden mehrere biologische Mittel erprobt, ebenso kam es zur Züchtung robuster Obstbausorten. Es braucht weitere Anstrengungen.

„Dort wo die Bäume behandelt wurden, hielt sich der Befall bisher in Grenzen.“

Obstbau in Vorarlberg

» 40 Erwerbsobstbaubetriebe

» Insgesamt 65 ha Obstanbaufläche

» 25 ha für Äpfel

» 10 ha für Birnen

» 5 ha für Zwetschken und Kirschen

» 15 ha Beeren

Vom Feuerbrand betroffen ist nur Kernobst