Der Deutschklassen-Protest

Vorarlberg / 06.06.2018 • 21:11 Uhr
Bereits im Herbst sollen Deutschförderklassen eingerichtet werden. Lehrer und Direktoren fühlen sich im Stich gelassen.
Bereits im Herbst sollen Deutschförderklassen eingerichtet werden. Lehrer und Direktoren fühlen sich im Stich gelassen.

Lehrer fühlen sich im Stich gelassen und deuten Boykott und Demo-Teilnahme an.

Bregenz Wegen der für Herbst geplanten Deutschförderklassen brodelt es gewaltig. Direktoren fühlen sich im Stich gelassen, weil die Sprachklassen zwar gesetzlich vorgeschrieben, viele grundlegende Punkte allerdings noch gar nicht geklärt sind. Nun stellten Wiener Schulleiter in den Raum, die Deutschförderklassen zu umgehen beziehungsweise boykottieren zu wollen. Auch in Vorarlberg gibt es inzwischen ähnliche Überlegungen, wie Personalvertreter Willi Witzemann am Mittwoch auf VN-Anfrage mitteilte.

Ratlose Lehrer

Seit Wochen herrscht offenbar Chaos in den Vorarlberger Direktionen. Bei einer Info-Veranstaltung des Landesschulrats und der Schulabteilung gingen diese Woche die Wogen so richtig hoch. „Es waren viele Direktoren da und es wurde heftig über die Deutschklassen diskutiert“, berichtet Witzemann. Seitens des Landes gebe es zwar Bemühungen, allerdings sei das Gesetz unausgegoren. „Es gibt immer noch keinen Lehrplan. Niemand weiß, welches Personal was unterrichten soll.“ Ebenso sei unklar, wie es mit den Ressourcen aussieht und viele Stunden unterrichtet werden müssten. Klar ist bislang, dass Kinder, die dem Unterricht nicht ausreichend folgen können, als außerordentliche Schüler eingestuft werden sollen und künftig für maximal vier Semester in eine eigene Deutschförderklasse kommen. Dort soll dann nach eigenem Lehrplan unterrichtet werden. Beim Zeichnen, in Musik oder beim Turnen sind die Kinder wieder den Regelklassen zugeteilt. Geplant ist, dass die Klassen ab acht Schülern pro Standort eingerichtet werden. Betroffen sind Kinder, die in der ersten Schulstufe aufgenommen wurden oder gerade in Österreich angekommene Quereinsteiger. Im Jahr 2019 soll ein standardisierter Test folgen. „Erst legt die Politik die Kompetenz in die Hände der Schulleiter, nur weil sie nicht nachkommt. Dann wird sie ihnen wieder genommen“, ärgert sich Witzemann.

Der Personalvertreter spart auch nicht mit Kritik an Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP), weil dieser Anfang April angekündigt hatte, dass im Herbst auch in Vorarlberg mit Deutschförderklassen begonnen werden müsse. „Er hätte meiner Meinung nach mehr Solidarität mit den Lehrern im Land zeigen sollen.“ Am Mittwoch hat Witzemann das Gespräch mit Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) gesucht. „Die Landesrätin hat versucht, in Wien zu intervenieren. Leider ist sie aber abgeblitzt.“ Da personelle, infrastrukturelle und ressourcenmäßige Details nicht geklärt sind, hätten nun auch Vorarlberger Direktoren angedeutet, die Deutschförderklassen eventuell zu boykottieren.

Am Samstagnachmittag soll in Wien eine Demonstration vor dem Bildungsministerium über die Bühne gehen. „Es ist durchaus möglich, dass auch eine Abordnung aus Vorarlberg dabei sein wird“, kündigt Witzemann an. VN-mef

„Es gibt immer noch keinen Lehrplan. Niemand weiß, welches Personal was unterrichten soll.“

Der Deutschklassen-Protest