Aufruf zu neuem Gesetz nach Kuhurteil

27.02.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mutterkühe passen auf ihren Kälber auf. Für Wanderer mit Hunden kann es gefährlich werden.
Mutterkühe passen auf ihren Kälber auf. Für Wanderer mit Hunden kann es gefährlich werden.

Kanzler Kurz fordert „Nachschärfungen“, Tiroler LH Platter will „umfassenden Versicherungsschutz“.

Wien, Innsbruck, Bregenz Das Kuhattacken-Urteil von Tirol, bei dem ein Stubaier Landwirt zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde, schlägt weiterhin hohe Wellen. In Innsbruck gab es dazu einen Runden Tisch, von Wien aus meldete sich sogar Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Wort.

Die Vorgeschichte: Am 28. Juli 2014 kam es auf einer Alpe im Tiroler Stubaital zu einer tödlichen Attacke einer Mutterkuhherde auf eine deutsche Touristin. Sie war mit einem Hund unterwegs. Das Landesgericht Innsbruck erkannte die Verantwortung des betreffenden Landwirtes für den schrecklichen Vorfall und sprach den Angehörigen des Opfers einen Schadenersatz in Höhe von 490.000 Euro zu.

Gegen Hundeverbot

Beim „Kuhgipfel“ in Innsbruck gab der Tiroler Landeshauptmann Günter Platter (ÖVP) seine Absicht bekannt, einen umfassenden Versicherungsschutz auf Basis der bestehenden Wegeversicherung aufzusetzen. Das müsse auch ein Bundesthema sein, ergänzte Agrarreferent und Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP). Platter berief sich dabei auf Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Das erstinstanzliche Urteil nach dem tödlichen Zwischenfall wollte der Kanzler nicht kommentieren. Man sei aber nun dafür verantwortlich, klare gesetzliche Regelungen zu schaffen. Die zuständigen Minister Josef Moser (ÖVP, Justiz) und Elisabeth Köstinger (ÖVP, Agrar) seien nun beauftragt, einen Vorschlag zu erarbeiten. Demnach soll es gesetzliche Nachschärfungen im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch und eventuell in Landesgesetzen geben, um das gute Miteinander auf den Almen weiterhin sicherzustellen. „Das ist im Interesse aller in einem Tourismusland“, betonte Kurz. Einem Hundeverbot auf Almen wurde in Tirol indes eine Absage erteilt.

Neue Herausforderungen

Den Hebel beim Versicherungsschutz ansetzen will auch der Vorarlberger Agrarlandesrat Christian Gantner (38, ÖVP). „Seit Anfang der Woche laufen Abklärungen in diese Richtung auch bei uns. Es geht unter anderem darum, in welchem Ausmaß sich das Land an der Unterstützung für entsprechende Versicherungsleistungen beteiligt“, sagte Gantner gegenüber den VN. Man lasse die Landwirte nicht im Stich. „Das Urteil von Innsbruck stellt die Alpwirtschaft in Vorarlberg ganz sicher vor neue Herausforderungen“, so Gantner weiter.

Das Urteil von Innsbruck stellt die Alpwirtschaft vor neue Herausforderungen

Christian Gantner, Agrar-Landesrat Vorarlberg

Illusionen darüber, dass das zivilrechtliche Urteil von Innsbruck revidiert wird, mache er sich nicht. „Vielleicht geht es mit der Schadenersatzsumme runter, mehr wahrscheinlich nicht.“

Hoffen auf Urteilsaufhebung

Auf eine Aufhebung des Urteils hofft die Vorarlberger FPÖ. „Klar ist, dass weder Betretungsverbote noch Einzäunungen im Alpbereich der Weisheit letzter Schluss sind und es ein vernünftiges Miteinander von Alpwirtschaft und Touristen geben muss“, fordert FPÖ-Agrarsprecher Daniel Allgäuer. Auch er setzt sich für eine umfassende Versicherungslösung ein.

Die Bauern in die Pflicht nehmen viele Hundehalter. Sie verweisen auf den stark frequentierten Ort, an dem das Unglück passierte und appellieren an die Verantwortung aller Alpen-Nutzer.   VN-HK

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