„Auswanderungsgeschichten aus dem Walgau“: Ausstellung noch bis 2020 zu sehen

Vorarlberg / 27.03.2019 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Die Bürgermeister Florian Kasseroler, Gerold Mähr, Walter Rauch, Thomas Lampert, Eugen Gabriel und Altbürgermeister Ludwig Mähr mit Birgit Werle. ves

Wanderausstellung bis 2020 in verschiedenen Gemeinden des Walgaus der Öffentlichkeit zugänglich.

Nenzing Das Elementa-Projekt „wo anders hin – Auswanderungsgeschichten aus dem Walgau“ wurde am vergangenen Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Wanderausstellung zeigt dabei die Ergebnisse der Dissertation von Dieter Petras und liefert damit wertvolle Erkenntnisse zur Auswanderung von mehr als 3000 Menschen aus der Region Walgau und der Stadt Bludenz, die sich zwischen 1700 und 1914 auf den Weg in die weite Welt gemacht hatten.

Dr. Dieter Petras mit dem Nüziger Bürgermeister Peter Neier.
Dr. Dieter Petras mit dem Nüziger Bürgermeister Peter Neier.

Die Ausstellung ist das Ergebnis mehrjähriger Forschungsarbeit, die sich auf Privatsammlungen von Briefen, Fotos und Unterlagen, aber auch Dokumente aus Landes- und Gemeindearchiven stützt. Zahlreiche Schautafeln informieren über die sozialen Hintergründe der Walgauer, das Wanderverhalten der Migranten und die einzelnen Schicksale der Menschen. Der Eröffnung der Ausstellung, die im Dachgeschoß des Wolfhauses installiert wurde, wohnten zahlreiche Interessierte aus der ganzen Region bei.

Programm und Prominenz

Die Begrüßungsrede hielt der Nenzinger Bürgermeister Florian Kasseroler. Er bedankte sich bei den Mitwirkenden des Projekts, darunter auch beim Projektleiter Christof Thöny, den Archivaren Thomas Gamon und Thomas Welte sowie der Grafikerin Ingrid Kornexl. Daraufhin ging der Bürgermeister von Frastanz, Eugen Gabriel, auf die Möglichkeiten ein, die solche Forschungsergebnisse liefern. „Diese Ausstellung belegt eindrucksvoll, dass Menschen aus unserer Region zwischen Mut und Verzweiflung Getriebene waren, die in ihrer engen Umgebung keine Chancen mehr sahen, die ausbrechen wollten bzw. ausbrechen mussten. Daher ist dieser Blickwinkel der Auswanderung auch ein möglicher Schlüssel zum Verständnis, was in Menschen vorgehen muss, die in unserer Zeit einwandern.“

Julian Bitsche, Gisela Jussel mit Projektleiter Christof Thöny und  Archivar Thomas Welte.
Julian Bitsche, Gisela Jussel mit Projektleiter Christof Thöny und Archivar Thomas Welte.

Kooperation

Weiters sprach er von den Bemühungen der Walgaugemeinden, „etwas Gemeinsames aus unserer Region heraus zu machen“, was die Entstehung der Regio im Walgau, zentrale Förderin und Unterstützerin der Ausstellung, herbeiführte.
Gerade die Auswanderungsgeschichten geben Aufschluss über die damaligen Lebensverhältnisse und tragen zur Identitätsfindung des Walgaus bei.

Auszuwandern war noch nie ein einfaches Unterfangen. Weite Strecken mussten zu Fuß und in schlechtem Schuhwerk zurückgelegt werden, Fahrten über Flüsse oder etwa den Bodensee erleichterten die Fortbewegung nur mäßig. Dennoch nahmen viele den beschwerlichen Weg auf sich, da sie sich woanders ein besseres Leben erhofften.

Skurrile Begebenheiten

Gründe für die Auswanderung waren vorweg Hunger, Arbeitssuche und die Flucht vor der mühseligen Fabriksarbeit, wobei Gemeinden Störenfriede und Unruhestifter teils auch einfach fortschickten. Anfangs wanderten viele nicht weit – meist in die Schweiz, nach Deutschland (Schwaben) oder Frankreich. Aber auch nach Amerika verschlug es den einen oder anderen Walgauer.

So berichteten Petras und Gamon in ihren anschließenden Reden von mitunter skurrilen Auswandererschicksalen: Ein Vorarlberger Auswanderer ertrank im Mississippi, ein anderer betrog den Staat Amerika um 100.000 Dollar, ein Bürserberger stahl einem Pfarrer in Iowa 2000 Dollar und musste mit seiner Familie den Ort verlassen.

Folgende Veranstaltungen

Nach den aufschlussreichen Erläuterungen übergab Petras das Wort an Landesrat Christian Bernhard, der die Ausstellung offiziell eröffnete. Auch Landtagspräsident Harald Sonderegger, die Bürgermeister der Walgaugemeinden, Peter Neier (Nüziders), Eugen Gabriel (Frastanz), Thomas Lampert (Göfis), Walter Rauch (Dünserberg), Gerold Mähr (Düns), Altbürgermeister Ludwig Mähr (Düns) und Gisela Jussel sowie Birgit Werle von der Regio ließen sich den Besuch der Eröffnung nicht entgehen. Vielfältige Vermittlungsformen werden in den kommenden Monaten folgen, um die Erkenntnisse öffentlich zu präsentieren. So sind themenbezogene Vorträge, Lesungen, Gesprächscafés und Filmvorführungen geplant. VES

ausstellungsstationen

2019

Nenzing, 22. März – 4. April

Nüziders, 18. Mai – 6. Juni

Schlins, 7. – 20. Juni

Schnifis, 21. – 30. Juni

Bludenz, 8. – 29. August

Frastanz 4. – 13. Oktober

Göfis, 18. – 23. Oktober

Thüringen, 4. – 17. November

2020

Bürs, 10. – 24. Jänner

Ludesch, 8. – 13. Februar