HAK Bludenz verordnet sich freiwilliges Handyfasten

Vorarlberg / 30.03.2019 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schüler und Lehrer der HAK Bludenz stellen sich in den kommenden Wochen der      Herausforderung "Handyfasten".Schule
Schüler und Lehrer der HAK Bludenz stellen sich in den kommenden Wochen der Herausforderung „Handyfasten“.Schule

Schüler und Lehrer wollen zwei Wochen lang bewusst digitale Pause einlegen.

Zwei Wochen lang ohne das Handy auskommen. Für die meisten von uns scheint das ein schier unmögliches Unterfangen zu sein. Ausgerechnet an der HAK Bludenz digital will man sich dieser Herausforderung ab kommendem Montag stellen; zumindest zeitweise. Die rund 300 Schüler und 30 Lehrer haben sich nämlich zwischen 1. und 12. April eine freiwillige „Digital-Detox-Time“ (digitale Entgiftung) auferlegt. Will heißen: Schüler wie Lehrer sollen ihre Smartphones in dieser Zeit zwischen 7.45 und 12.10 Uhr verwahren und nicht benutzen.

Bewusster Umgang

Es gehe dabei darum, bewusste digitale Pausen einzulegen. „Die Schüler, wie auch wir Lehrer, haben das Handy immer griffbereit. Leider ist es so, dass in den Pausen schnell zum Handy gegriffen wird. Ich erhoffe mir dadurch, dass die Schüler wieder mehr miteinander reden“, beschreibt Projektinitiatorin Margit Flecker die Intention dahinter. „Die digitalen Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Deshalb stehen wir vor der Herausforderung, unseren Jugendlichen den effizienten Einsatz in einem vernünftigen zeitlichen Ausmaß näherzubringen“, ist sich die Pädagogin ihrer Verantwortung bewusst.

Ich glaube, mir wird der Verzicht aufs Handy schwerfallen. Ich verstehe aber die Lehrer, die wollen, dass wir wissen, wie man mit den Geräten ordentlich umgeht.

Eve Weinzirl, 2 BK

Während der „Entgiftung“ wird das WLAN deaktiviert, und selbst die iPad-Klassen der Schule erhalten ausschließlich Zugriff auf die im Unterricht benötigten Arbeitsapps. „Als HAK Bludenz digital fördern wir die Digitalisierung in vielen Bereichen. Wir führen digitale Klassen, setzen vielfältige Programme, Apps, Tools in den verschiedensten Unterrichtsfächern ein. Es ist aber auch unsere Pflicht, unseren Schülern zu einer gesunden ‚Digital-Life-Balance‘ zu verhelfen“, führt Flecker, die das Projekt gemeinsam mit ihrer Kollegin Elke Sattler vorangetrieben hat, weiter aus. Die Schüler zu sensibilisieren, dass Digitalisierung wichtig ist und viele Chancen bringt, sei das eine. „Wir müssen ihnen aber auch zeigen, dass eine 24-Stunden-Erreichbarkeit, übermäßiger Social-Media-Konsum die Konzentration, das Schlafverhalten und die sozialen Beziehungen negativ beeinträchtigen können“, so die Professorin.

Gemischte Gefühle

Von den Schülern sei das Vorhaben mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden, verrät sie. Der Pädagogin ist dabei wichtig zu betonen, dass es bei diesem Vorhaben keinen Zwang gibt. „Jeder kann selbst entscheiden, ob er mitmacht oder nicht. Wir hoffen natürlich, dass sich möglichst alle diesem Selbstversuch stellen.“ Der Tenor sei grundsätzlich jedenfalls positiv. „Es wird für mich kein großes Problem sein, auf das Handy und WLAN in der Schule zu verzichten. An sich finde ich die Idee gut, da auch mir auffällt, wie viel Zeit die digitalen Medien mittlerweile in Anspruch nehmen“, sieht die 17-jährige Ines Vidmar dem Vorhaben zuversichtlich entgegen.

Ich finde die Idee gut, da ich der Meinung bin, dass uns diese Wochen dabei helfen können, die digitalen Medien noch bewusster zu verwenden.

Ines Vidmar, 2 BK

Ihre Klassenkollegin Eve Weinzirl sieht das etwas anders: „Für mich wird es schon schwer. Ich bin viel auf Instagram und Snapchat, auch während der Schulzeit, und möchte darauf eigentlich nicht verzichten. Trotzdem bin ich gespannt, wie das sein wird.“ Und nicht nur das: „Vielleicht wird in der Pause auch wieder mehr miteinander geredet“, kann sie dem Selbstversuch durchaus auch Positives abgewinnen.

Regelmäßige Zwischenberichte

Dass die „Verzichtszeit“ genau in die Fastenzeit fällt, sei eher ein Zufall, gibt Flecker an. „Ich wollte das Projekt schon vor längerer Zeit machen. Nun ist es so weit. Wir sind schon sehr gespannt auf unsere Erfahrungen und besonders auf die Erkenntnisse, die wir aus dieser Challenge erzielen werden.“ Zwischendurch will die Schule via Instragram oder Facebook Erfahrungen und Berichte teilen. „Aber immer erst ab 12.15 Uhr“, fügt Flecker mit einem Schmunzeln hinzu.

Nicht ganz ohne

Ganz ohne Bildschirmgeflimmer wird die HAK Bludenz aber auch in den kommenden Tagen nicht auskommen. Während Computer, Tablet und Co. zu Unterrichtszwecken weiter in Betrieb sein werden, sollen auf den Bildschirmen in der Schule während der Pausen Anregungen aufscheinen, wie die „gewonnene Zeit“ sinnvoll genutzt werden kann.