Kinderdorf baut neues Ferienheim im Naturidyll Schönenbach

Vorarlberg / 02.04.2019 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So sollen die neuen Häuser des Kinderdorf-Ferienheimes in Schönenbach aussehen. Visualisierung: Architektur DI Ralph Broger

Wogen haben sich geglättet: Agrargemeinschaft nach Planungsadaptierungen zufrieden.

Bizau Das Bauvorhaben hatte im Vorfeld für Unmut gesorgt. Weil das neue Ferienheim um eineinhalb Meter höher werden sollte und sich in den Unterlagen der Begriff „Seminarraum“ fand, gingen die Wogen im beschaulichen Schönenbach hoch. Die Agrargemeinschaft fürchtete, ein Seminarhotel würde entstehen. „Dem hätten wir nicht zugestimmt“, sagt Obmann Peter Greber. Trotz rechtsgültigem Baubescheid wanderte das Projekt in die Warteschleife. Drei Jahre später kommt wieder Bewegung in die Sache. Mehr noch: die Bagger werden schon in den nächsten zwei, drei Wochen auffahren. Das bestätigt Christoph Hackspiel, Geschäftsführer des Vorarlberger Kinderdorfes auf VN-Anfrage. Bedenken um eine mögliche Nutzung als Seminarort seien ausgeräumt. Zudem habe man die Pläne adaptiert. „Ganz in unserem Sinne“, zeigt sich Genossenschaftsobmann Greber zufrieden. Auch beim Kinderdorf ist man mit den Kompromissen glücklich. Einem Baustart steht nichts mehr im Weg.

„Im Stil der Gegend“

Noch liegt Schnee in der Bergidylle bei Bizau im Bregenzerwald. Ende April soll das Ferienheim, das vor knapp 70 Jahren von Kaplan Hugo Kleinbrod gegründet wurde, abgerissen werden und einem Neubau weichen. „Ganz im Stil der Gegend“, sagt Hackspiel. Wälder Architektur und Baukunst sind dem Bauherrn ein Anliegen. Die bisherigen Baubaracken würden durch traditionelle Wälderhäuser ersetzt. So soll ein harmonisches Gesamtbild entstehen. Verantwortlich dafür zeichnet der Bezauer Architekt Ralph Broger. „Die Häuser sollten dem Charakter der bestehenden Vorsäßhütten entsprechen“, so Greber, der auf natürliche und unbehandelte Holzoberflächen wie Schindeln bzw. einer Schirmfassade setzt.

Ein Foto aus 2009: Damals gab es im Ferienheim noch Matratzenlager. Im Neubau wird es Zimmer mit Doppelbetten geben.kinderdorf
Ein Foto aus 2009: Damals gab es im Ferienheim noch Matratzenlager. Im Neubau wird es Zimmer mit Doppelbetten geben.kinderdorf

Die neuen Pläne stoßen auf Zustimmung. Peter Greber von der Agrargemeinschaft spricht von bestem Einvernehmen. Wohl auch, weil die Gesamtkubatur jetzt sogar etwas kleiner ist, als jene des bestehenden Heimes. Und auch bei der Höhe des Gebäudes gab es Abstriche. Die neuen Pläne sehen eine Reduktion von fast einem Meter vor. „Dennoch haben wir innen mehr Platz, weil das Gebäude jetzt unterkellert ist“, erklärt der Kinderdorf-Geschäftsführer. Geführt werde das Haus als Selbstversorgerhütte. An Annehmlichkeiten soll es dennoch nicht fehlen. Die Matratzenlager von früher sind Geschichte. Kleinere Schlafzimmer mit zwei und vier Betten sollen den aktuellen Anforderungen entsprechen.

30.000 Kinder in Vorarlberg

„Wenn bei der Nutzung des Gebäudes der soziale Zweck bestehen bleibt, ist für uns alles in Ordnung“, sagt Agrar-Obmann Greber. Ein Versprechen dazu gibt es vom Kinderdorf. „Wir betreuen 30.000 Kinder in Vorarlberg. Viele von ihnen werden schon bald die Gelegenheit haben, in Gruppen eine schöne Freizeitgestaltung zu erleben“, so Hackspiel, der das Heim in Schönenbach als „tolles Gegenprogramm für die virtuellen Welten der Kinder“ sieht. Neben dem Kinderdorf sollen auch andere Organisationen im Bereich von Familien und Kindern das Angebot nutzen können.

„Wir betreuen 30.000 Kinder in Vorarlberg. Viele sollen die Möglichkeit bekommen, Zeit in Schönenbach verbringen zu können.“

Christoph Hackspiel, Geschäftsfüher Kinderdorf

Im Juni 2020 soll das neue Ferienheim eröffnet werden. Die ersten Kinder werden dann schon die Natur in der einzigartigen Umgebung Schönenbachs erleben können. 1,3 Millionen Euro lässt sich das Kinderdorf Abbruch und Neubau kosten. Die Finanzierung soll größtenteils mit Rücklagen, die in den letzten 60 Jahren im bestehenden Heim angespart wurden, gestemmt werden. Zudem hofft man auf Sponsoren und eine anstehende Bausteinaktion, erklärt Kinderdorf-Chef Hackspiel.