Karfreitags-Regelung lässt selbst bei Pfarrerin Barbara Wedam die Seele kochen

Vorarlberg / 18.04.2019 • 13:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Barbara Wedam verkündet trotz Querelen gerne die Botschaft Jesu. VN/MM
Barbara Wedam verkündet trotz Querelen gerne die Botschaft Jesu. VN/MM

Gläubige der evangelischen Kirche fühlen sich übergangen.

feldkirch Nichts ist mehr, wie es einmal war, zumindest nicht für die evangelischen Christen und schon gar nicht am Karfreitag. Die Streichung des für sie so wichtigen Feiertags und die von der Bundesregierung erlassene Regelung dazu lassen die Seelen kochen. “Die Abschaffung war ein schwerer Schlag”, bestätigt Barbara Wedam, Pfarrerin in Feldkirch. Das Thema lässt auch bei der ansonsten ruhig und besonnen wirkenden Frau die Wogen hochgehen. Dass die Vertreter der evangelischen Kirche nur am Rande in die Entscheidung eingebunden waren, sei ebenso ärgerlich wie die Nichteinhaltung des ursprünglich gegebenen Versprechens, es werde den Evangelischen nichts weggenommen.

Gottesdienstordnung bleibt

Ob sie beim Vormittagsgottesdienst vor eher leeren Kirchenbänken predigen wird? Barbara Wedam weiß es nicht. Gleichzeitig gibt sich die 65-Jährige optimistisch und stellt sich auf mehr Kirchenbesucher ein. Frei nach dem Motto “Jetzt erst recht” rücken die evangelischen Pfarreien im Land nämlich nicht von ihrer am Karfreitag praktizierten Gottesdienstordnung ab. Um 9.30 Uhr wird in der Pauluskirche dem Leiden Jesu gedacht, um 17 Uhr dann noch einmal in St. Arbogast. “Dieser Termin war früher für jene gedacht, die nicht freinehmen konnten”, erklärt Wedam.

Seit 2011 leitet die gebürtige Stuttgarterin, die vor zehn Jahren aus Wien nach Vorarlberg kam, die evangelische Pfarre in Feldkirch. Erst mit 40 und als die vier Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, begann Barbara Wedam mit dem Theologiestudium. Zumindest den Beginn konnte ihr Vater, der selbst Pfarrer war, noch erleben. “Er hat sich sehr gefreut”, sagt die Tochter. An ihrem Beruf schätzt sie, dass sie die frohe Botschaft Jesu verkünden darf. Ein Sonntag ohne Gottesdienst ist für die vierfache Oma kaum vorstellbar, und wenn es doch passiert ein eigenartiges Gefühl. Auch sogenannte übergemeindliche Aufgaben übernimmt Barbara Wedam. Sie war Obfrau des Kriseninterventionsteams (KIT) und ist noch immer in der Gefangenen- und Krankenhausseelsorge tätig. Auch Religionsunterricht an Schulen ist Teil ihrer Arbeit.

Eine Familie haben und trotzdem Gott als Priesterin dienen zu können, empfindet Barbara Wedam ebenfalls als etwas Besonderes. Sie würde sich diese Möglichkeit auch für Frauen in der katholischen Kirche wünschen.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.