Leukämiehilfe im Wettlauf gegen die Zeit

Vorarlberg / 18.04.2019 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Geben-für-Leben-Chefin Susanne Marosch ist unermüdlich auf der Suche nach potenziellen Lebensrettern. VN/Stiplovsek

20 Jahre Geben für Leben: Obfrau Susanne Marosch zieht Bilanz.

Heidi Rinke-Jarosch

SCHWARZACH Geben für Leben wurde 1999 gegründet und wird seit 2011 von Susanne Marosch als Obfrau geführt. Über den Verein werden in ganz Österreich Typisierungsaktionen durchgeführt, um Stammzellenspender für an Blutkrebs erkrankte Kinder und Erwachsene zu finden. Seit 2015 verfügt die Leukämiehilfe über eine eigene Spenderdatei. Damit ist die Suche nach potenziellen Lebensrettern effektiver geworden.

Wie viele Lebensretter haben Sie bislang gefunden?

Insgesamt sind es 111. In den ersten 15 Jahren, als wir noch mit der Spenderdatei in Wien zusammengearbeitet haben, fanden wir 21 Stammzellenspender. Seit April 2015, nach der Gründung unserer eigenen Spenderbank in Vorarlberg, sind es 90. Wir haben bisher an die 70.000 Typisierungen durchgeführt.

Für wie viele Patienten sucht Geben für Leben derzeit Stammzellenspender?

Die Zahl der an Krebs erkrankten Kinder und auch Erwachsenen steigt. Österreichweit erkranken täglich durchschnittlich drei Menschen an Leukämie. Bei uns melden sich fast jeden Tag Betroffene. Am dringendsten benötigen wir zurzeit Stammzellenspender für die Kinder Ökyü (4), Leonhard (2) und Efe (3) sowie für eine 44-jährige Mutter aus Götzis. Sie leidet an akuter Leukämie. Das ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Darum veranstalten wir morgen in Götzis in der Kulturbühne Ambach eine Typisierungsaktion.

Welches ist die bedeutendste Errungenschaft für Geben für Leben?

Die Gründung der ersten privaten Spenderdatei im Jahr 2015 war unser wichtigster Schritt. Dadurch sind wir unabhängig geworden. Seitdem können wir schneller Lebensretter finden und somit viel mehr Hoffnung schenken.

Bekommt der Verein Fördergelder von Bund und/oder Land?

Wir haben im Dezember bei der Bundesregierung um Förderung angesucht. Im Februar kam die Ablehnung. Die Begründung lautete, 70.000 Typisierte sind für Österreich genug. Schließlich werden für 80 Prozent Spender gefunden. Für mich bedeutet das, dass man von zehn Menschen zwei sterben lassen kann. Das ist viel, zu viel. Weiters wurde kritisiert, dass wir unsere Daten mittlerweile über Deutschland in die weltweite Datenbank einspielen und nicht mehr über Wien. Über Wien würden die Daten nur einmal im Quartal in die weltweite Datenbank eingespielt, über Deutschland geht das im Minutentakt. Die Schnelligkeit zählt. Uns geht es darum, Menschenleben retten, daher verzichten wir auf die Förderung aus Wien. Vom Land haben wir die letzten beiden Jahre jeweils 3000 Euro bekommen. Ob unser diesjähriger Antrag positiv beschieden wird, ist noch nicht geklärt. Wir warten auf eine Antwort.

Welchen Appell möchten Sie an die Vorarlberger richten?

Wer morgen nicht kann, soll bitte zur Typisierung am 26. oder 27. April in den Messepark kommen, oder am 25. April zum Benefizkonzert nach Hard. Dort kann man sich auch typisieren lassen. Noch etwas: Wir sind auf Geldspenden angewiesen. Ohne sie können wir die Typisierungen nicht bezahlen.

Was wünschen Sie sich für nächsten 20 Jahre von Geben für Leben?

Ich hoffe, dass es noch viele Aktionen geben wird, damit wir noch mehr bewegen und noch mehr Leben retten und vor allem Hoffnung schenken können.