Hinter den Kulissen: Wahlk(r)ämpfe und Traditionen

Vorarlberg / 19.04.2019 • 19:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
EU-Wahlkämpferin Claudia Gamon wird offenbar sogar in der Volkspartei als eine wählbare Alternative gesehen.  VN/Steurer
EU-Wahlkämpferin Claudia Gamon wird offenbar sogar in der Volkspartei als eine wählbare Alternative gesehen. VN/Steurer

Politik, Personen und Parteien: VN beleuchten in ihrer wöchentlichen Rubrik Hintergründe.

Motivationen Obwohl Vorarlberg als stärkstes Exportland Österreichs in hohem Maße von der EU abhängig ist, spielt die Europawahl für Vorarlbergs Volkspartei mit LH Markus Wallner (51, VP) traditionell keine große Rolle. Seit aber Kanzler Sebastian Kurz (32, VP) der Landespartei den Spitzenkandidaten vor die Nase gesetzt hat, scheint die Motivation zur Mitarbeit auf einem Tiefpunkt angelangt. Der junge Kandidat Christian Zoll (25, VP) bemüht sich zwar auch ohne Unterstützung von Alt-LHs wie Herbert Sausgruber (72, VP) oder Martin Purtscher (90, VP) seine Auftritte zu absolvieren. Dennoch blickt so mancher Schwarze offenbar neidisch auf die pinke EU-Kandidatin Claudia Gamon (30, Neos). Gamon spreche zumindest relevante Europathemen an und stelle auch aufgrund ihrer Jugend eine durchaus wählbare Alternative zum unbekannten Zoll dar, heißt es hinter den Kulissen.

Irritationen In der Wirtschaftskammer (WKV) wird es allmählich ernst. 2020 steht eine Kammerwahl an, der Vorwahlkampf läuft bereits. Die Diskussion um die Unabhängigkeit der gemeinsamen Liste von Wirtschaftsbund, Freiheitlicher Wirtschaft und Wirtschaftsverband zählt zur Kammerwahl wie der Hase zu Ostern. Wirtschaftsbundchef Hans-Peter Metzler (53, VP) startete als WK-Präsident im April deshalb die Kandidatensuche. Per Post lud er als Spitzenkandidat der überparteilichen Wahlgemeinschaft zur Mitarbeit in den Fachgruppen auf. Praktisch: Beiliegend gleich ein Kandidaturformular. Christian Vögel (43, SP), Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands (SWV) ärgert sich: „Dieser Vorgang erscheint mir fragwürdig.“ Und Christoph Hiebl (51, Grüne) mokiert sich über den Wahlslogan. Der Slogan der Wahlgemeinschaft lautet nämlich „Kurs.Zukunft“, der Strategieprozess der Kammer heißt „Dis.Kurs Zukunft“. Eine selbstherrliche Vermischung sei das, poltert Hiebl. „Die VP tut mal wieder so, als sei sie die Kammer.“ Und was sagen die Schwarzen? Jürgen Kessler (42, VP) rückte in die Funktion des Zustellungsbevollmächtigten der Wahlgemeinschaft auf. Das gemeinsame Antreten habe Tradition. Kessler ist übrigens Direktor des Vorarlberger Wirtschaftsbunds.

Lächerlich Ungenaue Recherchen können für Irritationen sorgen. Ein Beispiel dafür lieferte Fabienne Lackner (21) als Landeschefin der jungen Neos (Junos). Lackner hatte in einer Aussendung Kritik daran geübt, dass „ein lächerliches Gesetz an bestimmten christlichen Feiertagen wie dem Karfreitag Filme im Kino verbiete“. Eine Stunde später hatte Lackner präziser nachgefragt und ihre Kritik widerrrufen. Das Land hat das Gesetz nämlich längst novelliert.