Alle Kraft für unsere Bienen

Vorarlberg / 23.04.2019 • 19:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Bienenhaus unter einem blühenden Obstbaum. Besser können es die beliebtesten Insekten des Menschen nicht haben. Vinzenz Lässer weiß das.VN/Paulitsch
Ein Bienenhaus unter einem blühenden Obstbaum. Besser können es die beliebtesten Insekten des Menschen nicht haben. Vinzenz Lässer weiß das.VN/Paulitsch

Vinzenz Lässer, Leiter des Projekts „Zukunft der Bienen in Vorarlberg“, ist von dessen Nutzen und Erfolg überzeugt.

Riefensberg Es ist etwas kühl am Dienstagfrüh in Riefensberg. Man verträgt einen Pullover, wenn man im Garten des Vinzenz Lässer (62) sitzt. „Jetzt sind sie in ihren Aktivitäten ein bisschen verhalten. Aber die letzten Tage waren sie hochaktiv und haben schon einiges an Nektar eingetragen“, bemerkt der Imker. Der Tisch im Garten steht direkt neben dem wunderbar blühenden Zwetschkenbaum. Ein Bienenhaus ist darunter platziert. „Die Bestäubung funktioniert am besten, wenn das Bienenvolk in unmittelbarer Nähe eines Obstbaums wohnt“, erzählt Lässer.

300 Millionen Jahre

Zu erzählen hat Lässer über seine und andere Bienen viel. Vor ihm auf dem Tisch liegen mehrere Fachbücher zum Thema Bienenzucht. Eines trägt den Titel „Phänomen Honigbiene“, von einem gewissen Jürgen Tautz. Lässer gerät ins Schwärmen. „Das ist hervorragende Information über Bienen. Wobei wir längst noch nicht alles über sie wissen. Schließlich leben und überleben sie auf unserer Erde bereits 300 Millionen Jahre.“ Seine Begeisterung für die braunen Hautflügler mit ihrer Fähigkeit zur Produktion von köstlichem Honig lebt der ehemalige Postbote seit seiner Pensionierung voll aus. „Die Bienen sind für mich mehr als nur ein Hobby geworden“, räumt Lässer ein.

Ein Projekt für alle

Und weil das in Imkerkreisen bekannt war, habe ihn der Vorarlberger Imkerpräsident Egon Gmeiner (73) gebeten, das vom Land mit 40.000 Euro finanzierte Projekt „Zukunft der Bienen in Vorarlberg“ federführend zu übernehmen.

Daran gearbeitet wurde schon länger, nicht erst seit dem offiziellen Start im Jänner dieses Jahres. Das Ziel des Unterfangens? „Wir wollen alle wichtigen Informationen über Bienen von allen, die sich in Vorarlberg mit ihnen beschäftigen, zusammentragen. Daraus wollen wir Maßnahmen ableiten, die den Tieren nützen und ihr Wohlergehen sichern“, bringt Lässer die Ziele des Bienenprojekts auf den Punkt. „Für uns sind alle Beobachtungen und Erfahrungen mit Bienen von Bedeutung. Deswegen wollen wir ja auch möglichst viele der 1500 Imker im Land erreichen“, betont Lässer. Sieben Imkerkollegen unterstützen den Bienenfreund bei seinem Projekt intensiv.

Gesundes Bienenhaus

Lässers persönlicher Zugang für den Erhalt von gesunden Bienen konzentriert sich hautpsächlich um den Bau des Bienenhauses, in der Fachsprache Beute genannt. „Eine gute Bienenbehausung muss atmen, sie muss den Bienen ein gutes Klima bieten und möglichst wenige Behandlungen notwendig machen. Die Behandlung von Bienenhäuser geschieht unter anderem mit der Aufbringung von Substanzen, die gegen die gefährliche Varroa-Milbe schützen soll. „Natürlich bedeutet eine Behandlung für die Bienen auch eine Belastung. Je weniger es von diesen braucht, desto besser“, erklärt der Experte.

Zwei Quadratmeter Blumenwiese

Den Bienen, die oft an knappem Nahrungsangebot leiden, kann jeder Gartenbesitzer helfen. „Ließe jeder nur zwei Quadratmeter Blumenwiese auf seinem Grund zu, so würde das die Situation für die Bienen dramatisch verbessern“, weiß auch Margret Lässer, die Gattin von Vinzenz Lässer. Sie unterstützt ihren Mann bei seinem Einsatz für die Insekten tatkräftig. Unterstützung haben die Vorarlberger Bienen dringend nötig. Ein Drittel der Bienenvölker ging im letzten Winter ein. Lässer glaubt, dass es sogar noch mehr waren.

„Je weniger Behandlungen Bienenstöcke brauchen, desto besser.“

BIENEN IN VORARLBERG

8000 Bienenvölker

1600 Imker

48 Imkervereine

142 Anmeldungen für diesjährige Imkerkurse