Bregenz gibt den Ton an

Vorarlberg / 01.05.2019 • 11:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gelb, gelb, gelb sind alle meine Straßen: Die Kirchstraße und die Römestraße in Bregenz haben einen neuen Belag. VN/Steurer

Was die Bürger zum neuen Belag in der Kirchstraße und in der Römerstraße sagen.

Geraldine Reiner

Bregenz Die Pläne haben bereits im Vorfeld ordentlich Staub aufgewirbelt, nun sind sie in Stein bzw. Asphalt gemeißelt: In der Vorwoche sind die Straßenbauer am Bregenzer Leutbühel angerückt, um der Kirchstraße und der Römerstraße einen gelben Deckbelag zu verpassen. Die Farbe ist laut Stadt dem Konglomerat des Pfänderstocks entlehnt. Die Kritik ließ dennoch nicht lange auf sich warten. So gingen die Freunde des Kopfsteinpflasters gleich mehrmals gegen den „beigen Einheitsbrei“ auf die Straße. „Bitte protestiert gegen diese sinnlose Monotonie und Langeweile. Rettet die Pflastersteine“, skandierte unter anderem Kunsthaus-Kurator Rudolf Sagmeister.

Die Stadt-Verantwortlichen sahen das anders. Sie argumentierten unter anderem damit, dass durch den neuen Belag allen Menschen, also auch jenen im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen, ein Zugang ermöglicht werden soll. Außerdem sei es in Bregenz so, „dass man Begegnungszonen am Bodenbelagswechsel erkennt. Das bedeutet für alle Beteiligten mehr Verkehrssicherheit“, erläuterte die für Stadtplanung verantwortliche Vizebürgermeisterin Sandra Schoch­ gegenüber den VN.

Feierliche Eröffnung

Neben dem beige-gelben Belag erhielt die Kirchstraße auf beiden Seiten einen Gehsteig. In der Römerstraße wurde die Parkfläche eliminiert und beim Einkaufszentrum GWL ein neues Arkadendach errichtet.
Insgesamt ist das Projekt „Quartiersentwicklung Leutbühel“ in drei Abschnitte unterteilt. Der zweite, der den Leutbühel, die Maurachgasse und die Deuringstraße umfasst, soll nach einer Bürgerbeteiligungsphase im Herbst 2020 in Angriff genommen werden.

Die feierliche Eröffnung der Kirchstraße und der Römerstraße findet am Samstag, 11. Mai, statt. Die VN haben sich vorab umgehört, wie den Bürger die neue Bregenzer Trendfarbe gefällt. Die Reaktionen reichen von „gewöhnungsbedürftig“ und „schrecklich“ bis hin zu „zeitgemäß schön“.

Ich hatte schlimme Befürchtungen und es ist genau das eingetroffen. Es macht einen Allerweltseindruck, die Kirchstraße hat kein Flair mehr. Ich komme gerade von einer Kulturreise und habe zum Beispiel in Graz Fotos gemacht, von hervorragendem, ebenem Pflaster. Auch in St. Gallen wurde der ganze Altstadtbezirk wunderbar und rollstuhlgerecht gepflastert. Das hier ist einfach nur ein negatives Beispiel. Hinzu kommt, dass die gelben, spitzkantigen Begrenzungspflastersteine extra per Lkw aus Portugal hergeholt wurden und das ist für eine Stadt, die sich um das fünfte „e“ im e5-Programm zur Energieeffizienzsteigerung bemüht, schon sehr unwürdig. Hildegard Breiner, 83, Bregenz
Ich hatte schlimme Befürchtungen und es ist genau das eingetroffen. Es macht einen Allerweltseindruck, die Kirchstraße hat kein Flair mehr. Ich komme gerade von einer Kulturreise und habe zum Beispiel in Graz Fotos gemacht, von hervorragendem, ebenem Pflaster. Auch in St. Gallen wurde der ganze Altstadtbezirk wunderbar und rollstuhlgerecht gepflastert. Das hier ist einfach nur ein negatives Beispiel. Hinzu kommt, dass die gelben, spitzkantigen Begrenzungspflastersteine extra per Lkw aus Portugal hergeholt wurden und das ist für eine Stadt, die sich um das fünfte „e“ im e5-Programm zur Energieeffizienzsteigerung bemüht, schon sehr unwürdig. Hildegard Breiner, 83, Bregenz
Ich finde es zeitgemäß schön und es bringt Ruhe rein. Für Fußgänger, Radfahrer oder Menschen mit Kinderwagen ist der neue Belag sicher auch angenehmer. Mir hat das Alte gut gefallen und mir gefällt das Neue. In Lustenau gibt es den blauen Platz und in Bregenz haben wir den gelben. Grundsätzlich ist es immer dasselbe, wenn man etwas umbaut, ist am Anfang ein großes Geschrei und am Schluss passt es dann doch immer. Dunja Huber-Gross, 59, Kennelbach
Ich finde es zeitgemäß schön und es bringt Ruhe rein. Für Fußgänger, Radfahrer oder Menschen mit Kinderwagen ist der neue Belag sicher auch angenehmer. Mir hat das Alte gut gefallen und mir gefällt das Neue. In Lustenau gibt es den blauen Platz und in Bregenz haben wir den gelben. Grundsätzlich ist es immer dasselbe, wenn man etwas umbaut, ist am Anfang ein großes Geschrei und am Schluss passt es dann doch immer. Dunja Huber-Gross, 59, Kennelbach
Als Altbregenzer finde ich es einfach nur schrecklich. Wenn ich nach Marokko fahre, habe ich die gleichen Farben. Die Kirchstraße ist die letzte Kulturstraße, die wir haben. Gerade im Sommer kommen viele Gäste und es werden Führungen dort hinauf gemacht, wie die Bregenzer Altstadt abseits der Oberstadt einmal ausgeschaut hat. Außerdem kommen weiter oben die Autos gar nicht mehr aneinander vorbei, da fahren ja beide auf dem Gehsteig. Ich hoffe jetzt nur, dass die Farbe so wird wie am Kornmarktplatz, dann schaut es ein bisschen besser aus, und dass sie die Maurachgasse so lassen, wie sie ist. Helmut Gründler, 66, Bregenz
Als Altbregenzer finde ich es einfach nur schrecklich. Wenn ich nach Marokko fahre, habe ich die gleichen Farben. Die Kirchstraße ist die letzte Kulturstraße, die wir haben. Gerade im Sommer kommen viele Gäste und es werden Führungen dort hinauf gemacht, wie die Bregenzer Altstadt abseits der Oberstadt einmal ausgeschaut hat. Außerdem kommen weiter oben die Autos gar nicht mehr aneinander vorbei, da fahren ja beide auf dem Gehsteig. Ich hoffe jetzt nur, dass die Farbe so wird wie am Kornmarktplatz, dann schaut es ein bisschen besser aus, und dass sie die Maurachgasse so lassen, wie sie ist. Helmut Gründler, 66, Bregenz
Es ist zunächst einmal gewöhnungsbedürftig. Besser wäre schon gewesen, das Kopfsteinpflaster zu belassen. Das alte Bregenz wird immer weniger. Zumindest schaut das Gelb schöner aus als am Kornmarktplatz. Kritisch sehe ich auch die unterschiedlichen Gehsteigbreiten. Auf der rechten Seite kommst du mit einem Kinderwagen ja kaum vorwärts. Ganz abgesehen vom ganzen Verkehr. Aber in einem Jahr haben das alle verschmerzt und es redet keiner mehr darüber. Helmut Omatsch, 73, Bregenz
Es ist zunächst einmal gewöhnungsbedürftig. Besser wäre schon gewesen, das Kopfsteinpflaster zu belassen. Das alte Bregenz wird immer weniger. Zumindest schaut das Gelb schöner aus als am Kornmarktplatz. Kritisch sehe ich auch die unterschiedlichen Gehsteigbreiten. Auf der rechten Seite kommst du mit einem Kinderwagen ja kaum vorwärts. Ganz abgesehen vom ganzen Verkehr. Aber in einem Jahr haben das alle verschmerzt und es redet keiner mehr darüber. Helmut Omatsch, 73, Bregenz
Mein Mann und ich sind letzte Woche vorbeispaziert und wir haben beide gemeint, dass uns die Farbe gefällt, weil es zu den Häusern passt und weil es das Eck heller macht. Aber normalerweise stehe ich schon eher auf Pflastersteine als auf glatten Asphalt. Ich suche mir auch meistens Städte aus, wo ich das Altstadtfeeling habe. Darum finde ich es schade. Vielleicht wäre eine Mischung aus weniger Gelb und mehr Steinen besser gewesen. Katharina Tomaselli, 35, Bregenz
Mein Mann und ich sind letzte Woche vorbeispaziert und wir haben beide gemeint, dass uns die Farbe gefällt, weil es zu den Häusern passt und weil es das Eck heller macht. Aber normalerweise stehe ich schon eher auf Pflastersteine als auf glatten Asphalt. Ich suche mir auch meistens Städte aus, wo ich das Altstadtfeeling habe. Darum finde ich es schade. Vielleicht wäre eine Mischung aus weniger Gelb und mehr Steinen besser gewesen. Katharina Tomaselli, 35, Bregenz