Glyphosat-Schwänzer bekommen Post

Vorarlberg / 06.05.2019 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Daniel Zadra, und Michael Keckeis von der Firma Keckex haben Glyphosat den Kampf angesagt. VN/Hartinger
Der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Daniel Zadra, und Michael Keckeis von der Firma Keckex haben Glyphosat den Kampf angesagt. VN/Hartinger

So wollen die Grünen das Giftmittel aus Vorarlberg verbannen.

Geraldine Reiner

Dornbirn 61 Gemeinden bekommen in den nächsten Tagen Post von den Grünen. In den Kuverts, die Landwirtschaftssprecher Daniel Zadra am Montag verschickt hat, stecken ein Schreiben mit der Aufforderung, auf Glyphosat zu verzichten, und ein Musterantrag für die Gemeindevertretung. „35 verzichten in Vorarlberg bereits auf das Giftmittel, nun sollen die restlichen 61 Gemeinden nachziehen“, erläutert Zadra. Die Grünen haben sich zum Ziel gesetzt, ganz Vorarlberg Glyphosat – frei zu machen, und das am besten sofort. Das Land verzichte schon darauf. In der Landtagsitzung am Mittwoch werde ein Antrag, der den Verkauf von Glyphosat für Private verbieten soll, beschlossen. „Glyphosat ist zum Töten gemacht. Dadurch stirbt natürlich auch die Artenvielfalt. Nur gewisse Pflanzen, die gentechnisch manipuliert werden, überleben es. Von der WHO wurde es zudem als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft“, führt Zadra aus.

Landwirtschaft und ÖBB

Noch säumig seien neben den 61 Gemeinden eine Handvoll landwirtschaftlicher Betriebe und die ÖBB. „Die Bundesregierung muss endlich ihre Versprechen einlösen und Glyphosat auch in der Landwirtschaft verbieten. Bis dahin muss Landesrat Christian Gantner mit den wenigen verbleibenden glyphosatanwendenden Landwirten einen freiwilligen Verzicht aushandeln. Die ÖBB haben bereits den Ausstieg aus Glyphosat bekanntgegeben. Das muss in Vorarlberg sofort erfolgen“, fordert Zadra. Alternativen gäbe es jedenfalls genügend. Mulchen, unterpflanzen, das Unkraut mechanisch oder mit Dampf und heißem Wasser bekämpfen, zählt der Landwirtschaftssprecher der Grünen auf. Darüber hinaus plädiert er für eine gewisse „Schlampigkeit im Garten. Es muss nicht immer nur englischer Rasen sein.“

 61 Gemeinden bekommen in den nächsten Tagen Post von den Grünen.
61 Gemeinden bekommen in den nächsten Tagen Post von den Grünen.

Die Firma Keckex in Sulz produziert seit rund vier Jahren Unkrautbekämpfungsmaschinen auf Heißwasser- und Dampf-Basis. „Die meisten verkaufen wir ins Ausland, nach Österreich am wenigsten. Gerade liefern wir fünf nach Australien“, berichtet Geschäftsführer Michael Keckeis. Er habe schon oft bezüglich Förderungen nachgefragt, „aber das interessiert einfach keinen“. Dabei würden die Geräte nicht nur das Unkraut chemiefrei und nachhaltig zurückdrängen, sondern schlussendlich auch den Boden fruchtbarer machen. „Die Pflanzen gedeihen viel besser, weil Pilze und Keime durch den Dampf abgetötet werden“, ergänzt der Keckex-Erfinder.

ÖBB experimentieren

Auch die ÖBB haben diese Methode getestet, sagt Pressesprecher Christoph Gasser-Mair. „Sie ist derzeit aber noch sehr energieintensiv und nur bei geringer Geschwindigkeit möglich. Das hätte große Behinderungen im Zugverkehr zur Folge“, erläutert er. Es werde aber weiterhin experimentiert und geforscht. Das Ziel sei, so rasch als möglich aus der Anwendung von Glyphosat auszusteigen. Mit dem Hightech-Spritzzug könne Unkraut punktuell bekämpft werden. Dadurch sei es unter anderem möglich gewesen, die Glyphosatmenge von 9,5 Tonnen (2014) auf 2,7 Tonnen (2018) zu reduzieren. „Die ÖBB sind zwar der größte Einzelabnehmer, aber wir verbrauchen nur zirka ein Prozent des in Österreich verwendeten Glyphosats“, rechnet der Pressesprecher vor.