Lustenauer Gemeindebedienstete in Schlägerei verwickelt, freigesprochener Kontrahent erzählt

10.05.2019 • 16:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Anwalt David Rosenberger mit seinem Mandanten B.D. Die beiden wollen nun ein Strafverfahren gegen die drei Lustenauer.VN/HARTINGER

Der Bruder eines der zwei hohen Gemeindemitarbeiter erlitt einen Schädelbasisbruch. Verursacher rechtfertigt sich.

Lustenau Es wurde letztlich mehr als nur eine b’soffene G´schicht. Gegen Mitternacht am 1. Februar lag ein knapp 50-jähriger Mann mit einem Schädelbasisbruch mitten auf dem blauen Platz in Lustenau. Sein Bruder hatte eine Gesichtsverletzung. Physisch unversehrt blieb nur der Dritte im Freundesbunde. Wer die Verletzungen zugefügt hat, steht zweifelsfrei fest: B.D., ein 43-jähriger Lustenauer. Die Auseinandersetzung im Dorfzentrum bildete den unrühmlichen Höhepunkt eines Konflikts, der knapp zwei Stunden vorher begann und über Wochen Gesprächsthema an Stammtischen war. B.D., in Lustenau geborener Österreicher mit türkischen Wurzeln, wurde vom Landesgericht Feldkirch rechtskräftig vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freigesprochen. Er handelte in Notwehr, befand das Gericht. B.D. ist darüber zwar erleichtert, die Ereignisse des 1. Februar haben jedoch sein Leben verändert, sagt er. Den VN schildert er, begleitet von seinem Anwalt David Rosenberger, die dramatischen Geschehnisse des Abends aus seiner Sicht.

„Du Sch…-Türk“

„Ich kehrte mit meiner Lebenspartnerin in der Italy-Bar am blauen Platz ein. Kurz darauf kamen drei Männer herein. Sie waren offensichtlich nicht mehr nüchtern, machten großen Lärm und fingen an, sich über einen Gast lustig zu machen. Es wurde zunehmend beleidigender. Der Mann, der ebenfalls betrunken war, wehrte sich und gab kontra. Plötzlich stieß ihn einer des Trios vom Stuhl. Er lag am Boden. Da stehe ich auf und will ihm, den drei Männern den Rücken zukehrend, aufhelfen. Da fingen sie an, verbal auf mich loszugehen. ‚Du Scheiß Türk, was mischst du dich da ein. Verpiss dich. Wichser. Weißt du eigentlich, wer wir sind‘. Solche Dinge sagten sie zu mir. Ich zitterte, war extrem geschockt und betroffen. Vor 30 Leuten und meiner Lebensgefährtin in eine so unangenehme Situation zu kommen, war für mich schrecklich. Als einer der drei auf mich losgehen wollte, wurde er von einem anderen Gast zurückgehalten. Meine Partnerin überredete mich schließlich, das Lokal zu verlassen.“

„Ich weiß, wer ihr seid“

Er habe den Lokalbesitzer über diese Vorfälle unterrichtet, berichtet B.D. Bald fand er auch heraus, dass zwei der drei Männer Gemeindebedienstete in Schlüsselpositionen sind. „Zu Hause hat dann meine Freundin gegoogelt, ob man Leute, die dich so beleidigen, belangen kann. Ich habe dann gleich darauf meinem Schwager, der den Bürgermeister gut kennt, informiert. Dieser versuchte, den Bürgermeister zu kontaktieren. Als das nicht möglich war, schrieb er ihm ein E-Mail, das ich in Kopie auch erhielt“, so B.D. weiter. Als er gemerkt habe, dass er in der Bar seine soeben gekauften Zigaretten vergessen hatte, ging B.D, der nur unweit vom Zentrum wohnt, zurück. Als er die Zigaretten geholt hatte, sei er vor dem Lokal zufällig auf die drei Männer gestoßen. B.D’s Version über das, was sich danach abspielte: „Sie haben mich erkannt und wieder beleidigt. Die Beschimpfungen gingen weiter. Ich sagte ihnen ins Gesicht, dass ich wisse, wer sie sind und sie sich vielleicht noch bei mir entschuldigen würden. Das hat sie noch mehr in Rage gebracht. Plötzlich bekam ich einen Faustschlag von der Seite. Ich sagte ihnen, sie sollen aufhören zu schlagen, sonst schlage ich zurück. Und als das nicht passierte, habe ich zwei Mal aus Notwehr zugeschlagen.“

„Ich sagte ihnen: Hört auf zu schlagen, sonst werde ich zurückschlagen.“

B.D.

Gegenoffensive

Die zufällig vorbeifahrende Polizei trennt die Streithähne und nimmt B.D. mit zur Einvernahme auf den Posten. „Ich hatte Glück, dass Zeugen vor Ort waren, die meine Version bestätigten. Eine vermeintliche Zeugin hat nämlich glatt gelogen und mich als Angreifer hingestellt, obwohl sie gar nicht am Schauplatz war. Hätte ich meine Notwehrsituation nicht beweisen können, stünde ich jetzt aktenkundig als Körperverletzer da.“ Nach dem für seinen Mandanten positiven Gerichtsurteil geht Anwalt David Rosenberger mit seinem Mandanten nun in die Offensive. „Wir haben eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft eingebracht. Wir ermächtigen darin die Staatsanwaltschaft zur strafrechtlichen Verfolgung dieser drei Personen wegen Beleidigung und Körperverletzung“, erklärt Rosenberger. Im Falle der Einleitung des Strafverfahrens würde man sich gegen die Beschuldigten als Privatbeteiligte anschließen und Ansprüche im Verfahren konkretisieren.

Bechtold glaubt B.D. nicht

Zivilrechtliche Ansprüche stellen freilich auch die zwei Gemeindebediensteten und deren Freund. „Hier liegt eine schwere Verletzung vor, welche durch den Gegner meiner Mandanten verursacht wurde. Ich kann mir im Übrigen nicht vorstellen, dass es zu einer strafrechtlichen Anklage kommt“, sagt Ekkehard Bechtold (64), Anwalt der drei Lustenauer Freunde. Der Anwalt versteht das Urteil nicht und glaubt auch nicht an die Notwehr von B.D. „Er ist den drei nach den Vorfällen in der Bar nicht zufällig begegnet. Er hat sie gesucht. Warum wohl waren auf einmal mitten in der Nacht so viele Zeugen da, die seine Darstellung stützten?“, fragt sich Bechtold. Einer seiner drei Mandanten habe Beleidigungen in der Bar zugegeben. „Und zwar jener, der nicht bei der Gemeinde arbeitet“, so Bechtold.

Bürgermeister Kurt Fischer ( 55) sieht keinen Grund, die zwei führenden Gemeindebediensteten vorübergehend außer Dienst zu stellen. „Wir müssen die Verfahren abwarten. Wer weiß, was da noch herauskommt. Eine sehr unangenehme Geschichte ist es allemal“, so Fischer zu den VN.