Prozess um künstliche Befruchtung fortgesetzt

04.06.2019 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das klagende Ehepaar mit Anwalt Andreas Ermacora (Mitte) am Landesgericht Feldkirch. EC

Am Montag waren Experten und der Ehemann der klagenden Patientin am Wort.

Christiane Eckert

Feldkirch Vor rund drei Jahren ließ sich eine 43-jährige Thurgauerin in Vorarlberg behandeln. Sie und ihr Mann wünschten sich ein Kind, bislang vergebens. Deshalb wollten sie auf künstlichem Weg nachhelfen. Doch auch diese Versuche schlugen fehl, zudem glauben sie, das Institut hätte ihnen zwei befruchtete Eizellen vorenthalten, mutmaßen sogar, dass eine fremde Frau allenfalls zwei Kinder von ihnen ausgetragen haben könnte. „Das ist völlig unmöglich“, sagt die Gegenseite. Nach Zahlungsverzögerungen bezüglich Arzthonorar und Mahnungen seien die Vorwürfe akut geworden, so die Beklagtenseite. Beim Zivilprozess am Montag am Landesgericht Feldkirch erklärte eine Biologin, wie derartige Befruchtungen ablaufen, ein EDV-Experte nahm zum Dokumentationssystem Stellung und der Ehemann erzählte, was er hinter der Sache vermutet und dass er endlich die Wahrheit wissen wolle.

Komplizierte Vorgänge

Eine Biologin des Instituts gibt Auskunft, wie derartige Befruchtungen vor sich gehen. Im konkreten Fall nahm die Zeugin diese vor. Es gibt etliche Kontrollen, Punktions-, Kultur-, Transfer- und im Falle des Einfrierens Kryoprotokolle. Immer wieder werden die Embryonen beobachtet, es wird identifiziert und vermerkt. „Eine Verwechslung kann ich ausschließen“, so die Biologin. Es sei normal, dass sich Blastozysten nach der Befruchtung mehr oder weniger erfolgreich entwickeln. Wenn, wie in diesem Falle, sich zwei befruchtete Eizellen gar nicht mehr weiter entwickeln, also „stehen bleiben“, werden sie verworfen, das heißt entsorgt, weil aus ihnen nichts mehr entstehen kann. Sind manche Zellen in ihrer Reife verzögert, lasse man ihnen Zeit und versuche, ob sie nicht nachreifen und doch noch etwas aus ihnen wird. 

EDV-Experte erklärt

Der Computerexperte der Beklagten erklärt, warum Dokumentationen auf Papier allenfalls anders aussehen als im Computer:  „Sämtliche Fachkräfte sehen die Unterlagen ausschließlich digital ein. Ausdrucke sind nicht vorgesehen.“Für den EDV-Experten ist leicht erklärbar, warum auf den Ausdrucken fehlerhafte Daten oder Zeiträume festgehalten sind. Die digitale Dokumentation sei aber deshalb trotzdem korrekt, versichert der Fachmann. Der Ehemann der Patientin hingegen ortet Versäumnisse, Fehler und Vertuschungsaktionen. Das Paar betont immer wieder, dass es noch befruchtete Eizellen von ihnen geben müsse. Ende September geht der Prozess weiter.