OVW II: Kraftwerksbau mit Auge für Natur

Vorarlberg / 06.06.2019 • 18:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Ein Hochmoor wurde Wasenstreifen für Wasenstreifen ausgegraben und versetzt. Neben schwerem Gerät im Transport war dabei auch viel Handarbeit gefragt. ILLWERKE VKW

Rund 1600 ökologische Begleitmaßnahmen wurden im Rahmen des 500-Millionen-Euro-Projektes umgesetzt. Hansjörg Schwarz berichtet den vn.at über die vielfältigen Aufgaben.

Gernot Schweigkofler

Gaschurn Auch wenn man vom gigantischen Obervermuntwerk II (OVW II) nach Ende der Bauarbeiten nicht mehr viel sieht, kann man sich leicht vorstellen, dass eine 500-Millionen-Euro-Baustelle in der Hochgebirgsregion der Silvretta einen massiven Eingriff in die Ökologie darstellt. Im Zuge des UVP-Verfahrens verpflichteten sich die illwerke vkw dazu, rund 700 Auflagen und aus der Umweltverträglichkeitseinreichung mehr als 1600 Maßnahmen umzusetzen, um Emissionen und Eingriffe möglichst gering zu halten und zu gewährleisten, dass sich die Natur im Bereich des Kraftwerkbaus schnell wieder erholen kann. Für die Überwachung der Maßnahmen war auf Seiten des Bauherren Hansjörg Schwarz für die ökologische Baubetreuung zuständig. Aus diesem Grund war der überzeugte Naturliebhaber viel auf der Baustelle unterwegs und hat sich alles genau angeschaut. „Es sind oft Maßnahmen mit wenig Aufwand, aber die muss man eben setzen“, erklärt er. Seine Aufgabe war es, allen Arbeitern und Firmen genau auf die Finger zu schauen, damit diese alles Notwendige machen, um möglichst schonend zu bauen. Das wurde natürlich auch kontrolliert. „Es gab rund 50 Themenbereiche, bei vielen wurden wir natürlich auch von unabhängigen Sachverständigen kontrolliert.“

Neuer Standort für Hochmoor

Die wahrscheinlich augenscheinlichste Maßnahme war das Versetzen eines Hochmoors, das am Fuße der Staumauer Silvretta des OVW-I-Werkes lag. Wasenstück für Wasenstück wurde dieses erst abgetragen und dann wieder zusammengesetzt. Schweres Gerät wurde dabei zwar zum Beladen, Transport und Abladen verwendet, es wurde aber auch viel in Handarbeit erledigt. Das Umsetzen scheint gelungen zu sein. „So etwas braucht natürlich Zeit“, erklärt Schwarz. 2017 hätten Teilflächen des Moors sich bereits erholt gehabt, 2018 schon weit mehr. „Es schaut gut aus.“ Für den ortsfremden Beobachter ist die Maßnahme kaum mehr erkennbar. Wo früher das Moor war, ist jetzt ein großer Hügel, der durch die Ablagerung von Gestein des Kavernenbaus entstanden ist – am Fuße dieses Hügels liegt der neue Standort des Hochmoors.

Viele weitere Maßnahmen

Aber natürlich gab es viele weitere wichtige Maßnahmen. Wichtig war etwa der Umgang mit dem Baustellenwasser. Im Vortrieb sind bis zu 180 Liter Wasser pro Sekunde angefallen, dieses Wasser wurde mit Feststoffen (also Stein und Staub) verschmutzt und musste dementsprechend wiederaufbereitet werden. Die Gewässerschutzanlagen seien besonders wartungsintensiv gewesen, erinnert sich Schwarz. Bei einem Ausfall wäre aber auch die Baustelle gestanden. Auch beim großen Containerdorf, in dem mehr als 300 Arbeiter und Angestellte parallel gewohnt haben, musste natürlich auf das Abwasser geachtet werden. Dass man auf fast 2000 Meter Seehöhe übernachten konnte, war nur möglich, weil hier bereits ein Abwasserkanal vorhanden war.

Das Hochmoor heute: Für den Laien ist es nicht zu erkennen, dass dieses Naturidyll seinen Standort gewechselt hat. illwerke vkw
Das Hochmoor heute: Für den Laien ist es nicht zu erkennen, dass dieses Naturidyll seinen Standort gewechselt hat. illwerke vkw

Ein weiterer wichtiger Bereich war die Luftqualität. Bereits in den Ausschreibungen wurde allen Baupartner vorgeschrieben, dass die Bauahrzeuge mit Dieselpartikelfiltern ausgestattet sein müssen. „Da hatte ich viel Kontrolltätigkeit“, erzählt Schwarz. Denn er achtete auch darauf, dass die Filter auch richtig arbeiteten. Auch die Benetzung von Straßen mit Wasser, um Staubbildung zu verhindern, gehörte zu den Maßnahmen für die Luftqualität. Im Bereich der Baustelle gab es Luftgütemessstellen, um allfällige unerwünschte Emissionen sofort zu erkennen und zu stoppen.

Eine Reifenwaschanlage sorgte dafür, dass die Verschmutzungen möglichst gering blieben. Der Traktor im Hintergrund bringt zudem Wasser auf der Straße auf, um Staub zu binden.
Eine Reifenwaschanlage sorgte dafür, dass die Verschmutzungen möglichst gering blieben. Der Traktor im Hintergrund bringt zudem Wasser auf der Straße auf, um Staub zu binden.

Die Beleuchtung der Baustelle und des Containerdorfs erfolgte mit instektenfreundlichen Leuchtmitteln, die Lichtverschmutzung wurde möglichst gering gehalten. „Ein Schmetterlingsexperte war mehrmals vor Ort, um das auch zu kontrollieren“, erinnert sich Schwarz.

Neben der Deponie am Fuße der Staumauer Silvretta gab es noch zwei weitere. Hier wurde penibel kontrolliert, dass wirklich nur Dinge eingelagert wurden, die auch in der Silvretta bleiben dürfen.

Abbau der Druckrohrleitung

Eine Maßnahme steht übrigens noch an. Die Druckrohrleitung, die durch das neue Kraftwerk obsolet geworden ist, wird 2019 und 2020 abgebaut. „Das ist natürlich gerade für die Landschaft ein sehr positiver Aspekt“, erklärt Schwarz. Allerdings habe sich im Bereich der Leitungen auch eine eigene ökologische Nische entwickelt, die jetzt zum Teil wieder verloren geht. Auch Wasserläufe, die blockiert waren, haben jetzt wieder neue, „alte“ Wege talwärts. Die freiwerdenden Flächen werden jedenfalls so naturnah wie möglich rekultiviert, dabei wird darauf geachtet, dass möglichst wenig fremde Bodenstoffe verwendet werden. Bis hier alles wieder natürlicher Lebensraum ist, wird es Jahre dauern. Den Erfolg der Maßnahmen werde man erst in fünf oder zehn Jahren bei Nachkontrollen feststellen können.

„Ich bin sehr froh, dass uns das so gut gelungen ist. Wir haben das bestmöglich umgesetzt.“

Hansjörg Schwarz

Insgesamt ist Schwarz mit dem Ablauf sehr zufrieden. „Ich bin sehr froh, dass es uns so gut gelungen ist“, blickt er auf die intensiven Jahre der Bautätigkeit zurück. Er streut auch den Arbeitern und Baupartnern Rosen. „Wenn Probleme auftraten, wurden diese schnell verbessert bzw. meine Empfehlungen umgesetzt.“ Für Schwarz ist jedenfalls klar: „Wir haben das bestmöglich umgesetzt“.

Eröffnung OVW II – Neuer Termin

Tag der offenen Tür: Samstag und Sonntag, 31. August und 1. September, von 8.30 bis 18 Uhr auf der Bielerhöhe

Gratis Bustransfer zum Kraftwerk und zur Bielerhöhe (Hochalpenstraße für öffentlichen Verkehr gesperrt)

Besichtigung der Kraftwerkskaverne und exklusive Führungen (Fußweg ca. zwei Kilometer mit Steigungen)

Straßenfest mit Musik und Kinderprogramm

Detaillierte Informationen unter www.illwerkevkw.at

Die Serie „Energie für unser Leben“ ist eine redaktionell unabhängige Serie der VN mit Unterstützung von illwerke vkw.