25 Jahre Femail: Gleichstellung im Land verläuft weiterhin nur zäh

Vorarlberg / 13.06.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tanja Kopf engagiert sich schon lange für die Anliegen von Frauen. VN/MM

Tanja Kopf, Obfrau des Vereins im VN-Interview.

Feldkirch Heute Donnerstag feierte das Fraueninformationszentrum Femail in Feldkirch sein 25-jähriges Bestehen. Seit August 2018 steht Tanja Kopf an der Spitze des Vereins, ebenso hat sie die Leitung des Frauen- und Gleichstellungsreferats im Amt der Landesregierung übernommen. Kopf arbeitet schon lange im Frauenbereich und wundert sich selbst, warum die Gleichstellung so schleppend vorangeht.

100 Jahre nach Einführung des Wahlrechts hat auch Österreich eine Bundeskanzlerin, und die halbe Regierungsmannschaft ist weiblich. Warum dauerte das so lange?

Kopf Zur Klarstellung: Die derzeitige Bundesregierung ist nicht demokratisch gewählt. Ansonsten halte ich es mit dem Bundespräsidenten, der meinte, Frauen in der Regierung sind eine Entscheidung, an der man nicht mehr vorbeikommt. Ich denke, das wird sicher zukunftsweisend sein.

Das heißt, man könnte mehr Frauen auch bei der nächsten, demokratisch gewählten Regierung einfordern?

Kopf Ich bitte sogar darum, dass das gemacht wird. Derzeit pendelt sich der Frauen-Anteil bei der 30-Prozent-Marke ein, aber wir müssen darüber hinaus kommen. Das ist ein Grund für meine Arbeit in diesem Bereich. Es geht darum, Halbe-Halbe in allen Bereichen zu schaffen.

Wie schätzen Sie die weiblichen Regierungsmitglieder ein? Ist etwas Konstruktives von ihnen zu erwarten?

Kopf Frauen haben einen anderen Führungs- und Kommunikationsstil. Man merkt, dass sie an den Inhalten orientiert sind und sich deshalb nicht so stark präsentieren müssen. Das finde ich wichtig, um glaubwürdig zu sein. Vergangene Woche bekam ich einen Anruf von der Büroleiterin der neuen Frauenministerin, die mir mitteilte, dass die Ministerin an einem wichtigen Thema, nämlich dem Schutz von Frauen vor Gewalt, das bereits ihre Vorgängerin auf den Weg brachte, weiterarbeiten will. Ein gutes Zeichen, würde ich meinen.

Trotzdem bleibt die Gleichstellung insgesamt eine zähe Angelegenheit. Woran liegt das?

Kopf Wir haben schon viel erreicht. Die Frage ist nur, wie geht man mit Backlash-Tendenzen, also Entwicklungen, die wieder in die Gegenrichtung laufen, um. Im alten Regierungsprogramm beispielsweise kommt das Wort „Gender“ oder „Gleichstellung“ sehr selten vor und Frauen werden nur im Kontext mit Familie gesehen. Genau deshalb empfinde sich Gleichstellungsarbeit als sehr anstrengend. Sie wird immer unter dem Motto „weg von – hin zu“ gesehen. Dabei handelt es sich um eine Querschnittsaufgabe, die nur in Kooperation mit möglichst vielen Institutionen und Systempartnern bewerkstelligt werden kann.

Dennoch geht wenig vorwärts, warum?

Kopf Diese Frage stelle ich mir auch, ich denke aber, es hängt mit Dingen zusammen, auf die wir im Fachbereich Frauen und Gleichstellung nicht unmittelbar einwirken können. Geht es etwa um Einkommensunterschiede oder politische Partizipation, kann ich Veränderungen nur anregen, die Umsetzung muss in der Politik, mit den Gewerkschaften oder Sozialpartnern erfolgen. Es geht überall nur gemeinsam. Mich würde es freuen, wenn etwa Betriebe das Femail als anerkannte Frauenserviceeinrichtung zu Rate ziehen würden, zum Beispiel bei der Frage, wie sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen oder wie die Stellung der Frau im Betrieb verbessert werden kann. Damit wären wir ein schönes Stück weiter.

Stichwort Femail: Was hat diese Einrichtung seit ihrer Gründung vor 25 Jahren zur Gleichstellung von Frauen im Land beigetragen?

Kopf Femail war die erste anerkannte Frauenservicestelle des Bundes und hat sich als niederschwellige Einrichtung etabliert. Der Mehrwert von Femail liegt meines Erachtens darin, dass Information und Vernetzung aufbereitet und weitergegeben werden. Für Frauen ist das sehr wichtig, denn Information ist der erste Weg zur Veränderung. Außerdem ist es notwendig, sich auf spezifische Themen zu konzentrieren. Das tut Femail bei den Migrantinnen und in der Frauengesundheit.

Wie soll die Zukunft des Femail aussehen?

Kopf Das Femail darf ruhig akzentuierter auftreten, es darf Ecken und Kanten haben und immer wieder auch unangenehme Fragen stellen oder Probleme aufzeigen. Vor allem müssen Forderungen weiterhin artikuliert und an jene Organisationen weitergegeben werden, die es betrifft.

Können Sie eine solche Forderung benennen?

Kopf Eine Forderung bezieht sich auf die geschlechtergerechte Sprache. Sprache bildet die Wirklichkeit ab, deshalb ist es wichtig, dass bei Frauen und Mädchen weibliche Formen genannt werden. Wir wissen, dass sich auch Rollenklischees nur durch die sprachliche Differenzierung verändern.