Rascher Bahnausbau am See gefordert

Vorarlberg / 02.09.2019 • 18:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Überregionale Initiative unterstützt Pläne für einen Bodensee-REX. Österreich abwartend.

Schwarzach Wer von Bregenz nach Konstanz möchte, muss Zeit einplanen. Mit dem Auto dauert die Fahrt laut Routenplaner eine Stunde und 24 Minuten, mit dem Zug acht Minuten länger. Geht es nach Schweizer und deutschen Bahnbetreibern, soll der Zug schneller werden. Wie die VN berichteten, wird derzeit an einem Bodensee-Regionalexpress gebastelt. Die Schweizer S-Bahnlinie S7 soll nach Bregenz und Lindau verlängert werden. Nach den Kantonen hat kürzlich auch das bayrische Verkehrsministerium die Finanzierung zugesagt. Ab Ende 2021 soll der Zug fahren. Doch Österreich bremst. Eine Initiative macht nun Druck.

Nach ersten Plänen soll die Fahrtzeit von Bregenz über St. Margrethen bis nach Romanshorn um 25 Minuten kürzer werden. Ein Sprecher der Schweizer Bahn SBB bestätigt: „Die SBB ist treibende Kraft in diesem Projekt und hat die Idee in den politischen Prozess eingebracht. Die SBB sieht ein großes Potenzial in einer besseren Anbindung des östlichen Bodenseeufers mit interessanten Anschlussmöglichkeiten Richtung St. Gallen/Zürich, Vorarlberg und Allgäu/München.“ Sobald auch in Vorarlberg die Finanzierung gesichert sei, könne gestartet werden.

Wie bereits berichtet, bestätigen die ÖBB entsprechende Verhandlungen, allerdings müsse zuerst die Strecke Lustenau–Lauterach fertig ausgebaut werden. Auch das Verkehrsministerium bekräftigt nun auf VN-Anfrage: „Es gibt eine Arbeitsgruppe, bei der auch das Ministerium dabei ist.“ Das Ressort verweist ebenfalls zunächst auf die Strecke Lustenau–Lauterach, die Ende 2021 fertig sein soll. Die Frage, wer den zusätzlichen Bahnverkehr bezahlt, sei noch nicht geklärt. „Das ist derzeit Gegenstand der Gespräche“, heißt es aus dem Ministerium.

Zweigleisiger Ausbau

Nun meldete sich eine Gruppe namens Initiative Bodensee-S-Bahn (IBSB) zu Wort. Sie besteht unter anderem aus den Vereinen Pro Bahn Ostschweiz, Schwaben und Vorarlberg und sagt: „Mit großer Freude hat die Initiative Bodensee-S-Bahn die Presseberichte aufgenommen, wonach der Freistaat Bayern Bereitschaft zur Kostenübernahme der Verlängerung der S7 über Bregenz nach Lindau zeige.“ Der aktuelle Plan sieht einen Zweistundentakt vor. Für die ISBS ist das zu wenig, wie sie in der Stellungnahme schreibt: „Mit der Bahn würde der von viel Straßenverkehr geplagte Raum Lindau-Bregenz-St. Margrethen entlastet. Mittelfristig ist es natürlich sinnvoll, eine solche Linie nicht nur im Zweistundentakt, sondern im Halbstundentakt anzubieten.“ Dazu müsse jedoch die Strecke zwischen Romanshorn und Lindau – also auch Bregenz – zweispurig ausgebaut werden. „Die bisher größtenteils vorhandene Einspurigkeit raubt den verschiedenen Verbindungen viel Kapazität, erzeugt Staus und ist anfälliger für Verspätungen“, ist die Initiative überzeugt. Zudem solle die Linie bis Konstanz ausgeweitet werden.

Wie berichtet, hofft Vorarlbergs Landesrat Johannes Rauch auf eine politische Entscheidung im ersten Quartal 2020. Allerdings werde mit dem Bau des Bregenzer Bahnhofs im Jahr 2021 begonnen, fünf Jahre Bauzeit sind geplant. In diesem Zeitraum sinke die Kapazität. Zudem sei nur ein Halt in Bregenz vorgesehen, wodurch es als Fernverkehrsroute zu sehen sei.