20 Autos auf Bregenzer Parkplatz zerkratzt

Vorarlberg / 10.09.2019 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Markus Walla vor Richter Michael Fruhmann. ECKERT

Angeklagter beteuert seine Unschuld, die Beweise sind tatsächlich noch dünn.

Christiane Eckert

Feldkirch „Ich war das nicht, ehrlich“, sagt der 35-jährige Angeklagte bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Verteidiger Markus Walla glaubt seinem Mandanten. Sein Klient war bislang unbescholten, hat einen Beruf, ist sozial integriert und macht einen ordentlichen Eindruck. Zugegeben, er wurde in jener Novembernacht vergangenen Jahres mit zwei Promille in der Nähe des Bregenzer Festspielhauses aufgegriffen, doch das allein heißt noch nichts. Dass er sich damals etwas eigenartig benahm, kann er erklären. Mit den zwanzig Autos, die am Festspielplatz zerkratzt wurden, habe er aber nichts zu tun, sagt er. Der Schaden, den der Täter, der mit einem scharfen Gegenstand seine Spur an einer ganzen Reihe geparkter Autos hinterließ: rund 17.000 Euro.

Gute Laune

Der Mann erzählt, dass er damals von einem Kurzurlaub nach Hause gekommen sei. Der Vorarlberger wollte den Abend noch ausklingen lassen, dann in Bregenz übernachten und am nächsten Tag noch etwas unternehmen. Bis zu ihm nach Hause wäre es noch ein ganzes Stück gewesen, deshalb entschied er sich für diese Variante, auch um unnötige Wege zu sparen. Er trank einen Sechserträger Bier und schlenderte dann Richtung Mehrerau. Am Rückweg entschied er sich, noch beim Skaterpark vorbei zu schauen, weil er sich nach etwas Gesellschaft sehnte. Auf dem Weg sang er lautstark und tanzte herum. Der Alkohol zeigte seine Wirkung. Ein älterer Herr ärgerte sich und forderte den Sänger auf, leise zu sein, weil andere Leute schlafen wollten. „Ich sang aus Protest noch lauter, was nicht gerade nett von mir war“, räumt der Angeklagte ein.

Polizei auf dem Plan

„Plötzlich kam mir eine Polizeistreife entgegen“, sagt der Beschuldigte. Er dachte, es sei wegen des Gesangs, hob seine Hände hoch und prahlte: „Ich weiß schon, wie das läuft.“ „Woher?“, will der Richter von dem Unbescholtenen wissen. „Aus dem Fernsehen“, erklärt dieser. Ein Multifunktionswerkzeugschlüsselanhänger wurde bei ihm sichergestellt. Lackspuren sind nicht nachgewiesen worden. Ob der Mann den Anhänger allenfalls abgewischt hat, weiß niemand. Somit bleiben noch zwei Zeugen, die zum Prozess allerdings nicht erschienen. Von ihnen hängt alles ab.

Erkannt oder nicht?

Das Ehepaar gab an, es sei im Wagen gesessen und habe ein kratzendes Geräusch gehört. Als sie nach draußen sahen, hätten sie den Angeklagten erkannt. Bei der Polizei waren sich die beiden sicher, doch man wird überprüfen müssen, ob diese Angaben im Prozess halten. Lichtverhältnisse, Sicht, eventuell geändertes Aussehen, das alles spielt oft eine Rolle, wenn es darum geht, jemanden in der Verhandlung mit Sicherheit zu identifizieren. Der Prozess wurde vertagt.