Stadt und offene Jugendarbeit in Feldkirch auf Crash-Kurs

Vorarlberg / 18.09.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Bild trügt: Über dem neuen Feldkircher Jugendzentrum ziehen momentan Gewitterwolken auf. VN/SCHWEIGKOFLER

Um eine Klausel im Mietvertrag für das neue Jugendhaus entbrennt ein Konflikt, der dramatische Folgen haben könnte.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch Es ist ein Schmuckstück, das neue Graf Hugo. Seit Anfang des Jahres ist das Gebäude in der Reichsstraße der neue Sitz der Jugendarbeit in Feldkirch. Bevor es so weit kam, gab es viele Ängste, der drohende Verlust des alten Graf Hugo, direkt bei der Wirtschaftskammer, die Auflösung des zweiten Feldkircher Jugendhauses Twogether sowie des Rub-a-dub in dem viele Bands Proberäume nutzten, sorgte für viele Widerstände. Das alles schien sich in Wohlgefallen aufzulösen, als das neue Jugendzentrum vorgestellt wurde. Aber jetzt ist wieder ein Konflikt zwischen Stadt und dem Verein Offene Jugendarbeit Feldkirch (OJAF) ausgebrochen. Es geht um den Mietvertrag.

Der OJAF-Vorstand will den vorgelegten Vertrag nicht unterschreiben. Auslöser ist eine Klausel, die den neuen Veranstaltungsraum aus dem Mietvertrag herauslöst. Dessen Organisation und Vermietung sollen via Jugendabteilung der Stadt abgewickelt werden. Der Verein OJAF muss, so sieht das der Vertrag vor, Veranstaltungen mindestens 14 Tage vorab melden. Die Vertragszeile „Die Bestandgeberin (Anm.: Stadt) behält sich vor, einer angemeldeten Veranstaltung rechtzeitig zuzustimmen oder selbige abzulehnen“, stört den Vorstand besonders.

„Es geht weniger um den Eingriff in organisatorische Abläufe als um den Verlust der Autonomie.“

Markus Ebli, stellvertretender Obmann Offene Jugendarbeit Feldkirch

Für den stellvertretenden Obmann der OJAF, Markus Ebli, ist das untragbar. „Es geht uns weniger um den Eingriff in die organisatorischen Abläufe als um den Verlust der Autonomie.“ Für ihn ist es eine Zensur, wenn die Jugendarbeit Veranstaltungen melden muss. Jugendarbeit sei immer auch politisch und er fürchtet, dass von der Stadtpolitik nicht Geschätztes nicht mehr genehmigt werden könnte. Zudem handle es sich um einen zentralen Raum im Gebäude, wenn man den an irgendwen vermietet, funktioniere das nicht.

Seitens der Stadt sieht man das anders. Die alleinige Verantwortung für einen Veranstaltungsraum, der unterschiedlichsten Gruppen aus der Jugend- und Kulturarbeit zur Verfügung stehen soll, einem Verein zu übergeben, sei die falsche Vorgangsweise. Das wäre auch den 20 anderen Jugendorganisationen im Jugendbeirat gegenüber unfair. Die Offene Jugendarbeit werde weiterhin prioritär, kostenlos und jederzeit auf den Veranstaltungsraum zugreifen können. „Es braucht aber einen Vorlauf“, erklärt Jugendamtsleiterin Heike Sprenger. Das sei aber für die Organisation einer Veranstaltung auch notwendig. Den Zensurvorwurf weist sie zurück. „Jugendarbeit ist hochpolitisch“, ist ihr klar. Allerdings sei schon bisher sowohl in den Statuten als auch im Rahmenvertrag klar geregelt, dass die Jugendarbeit nicht parteipolitisch sein dürfe. Parteinahe Jugendorganisationen könnten aber natürlich Räumlichkeiten für Veranstaltungen mieten. Den geäußerten Vorwurf, dass von der Stadt verstärkt Erwachsene ins Jugendhaus gelotst werden könnten, weist sie zurück. Es gehe um Veranstaltungen von Jugendorganisationen.

Neuer Träger für das Jugendhaus

Am 17. Oktober entscheidet die Vollversammlung der OJAF über den Mietvertrag. „Wenn wir nicht unterschreiben, könnte die Stadt sich für die Vergabe des Jugendhauses an einen anderen Trägerverein oder auch als Teil der Jugendabteilung entscheiden“, glaubt Ebli, dass es zu einem Bruch kommen könnte. Er hofft auf ein Einlenken der Stadt. Das zeichnet sich nicht ab. Sollte nicht unterschrieben werden, wird es eine andere Lösung geben, erklärt Sprenger. Auch sie sieht die Neuvergabe oder die Übernahme durch ihre Abteilung als Möglichkeiten.

Statement des Vorstands der Offenen Jugendarbeit Feldkirch online:
http://vorstand.grafhugo.at/